Am letzten Tag als Super Mario

Einen speziellen Tag erlebte Mario Köppel, stellvertretender Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV Heerbrugg, gestern an seinem letzten Arbeitstag. Mit 63 Jahren geht der Widnauer heute in Pension.

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An seinem letzten Arbeitstag verwandelten die RAV-Mitarbeiter Mario Köppel in Super Mario. (Bild: Susi Miara)

An seinem letzten Arbeitstag verwandelten die RAV-Mitarbeiter Mario Köppel in Super Mario. (Bild: Susi Miara)

Herr Köppel, wie haben Sie heute Ihren letzten Arbeitstag erlebt?

Mario Köppel: Ich wurde heute Morgen von meinen Kolleginnen und Kollegen zu Hause überrascht. 39 RAV-Mitarbeitende fuhren mit dem Velo vor. Das Frühstück haben sie gleich mitgebracht. Ich war völlige überrascht und hatte keine Ahnung.

Warum wurden Sie mit einer Velo-Eskorte abgeholt?

Köppel: Ich bin während der letzten elfeinhalb Jahre täglich, bei jedem Wetter, mit dem Velo zur Arbeit gefahren. Wenn man die acht Kilometer, die ich täglich absolviert habe, zusammenrechnet, kommt man auf rund 20 000 Kilometer.

Warum wurden Sie in Super Mario verwandelt?

Köppel: Vielleicht hat das etwas mit meinem Namen zu tun. Ich hatte in Heerbrugg ein super Team. Ich durfte elfeinhalb Jahre hier arbeiten. Ich vermute, dass die super Zeit der Auslöser für die Figur Super Mario war.

Dann hat Ihnen die Arbeit Spass gemacht?

Köppel: Ich bin dankbar, einen Arbeitgeber gefunden zu haben, bei dem man mit so grossem Respekt behandelt wird und somit jeden Tag mit Freude zur Arbeit geht. Der Umgang mit Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen, hat mich ausgefüllt. Ich kann auf ein tolles Arbeitsleben zurückblicken. Ich musste nie auf Stellensuche gehen, durfte aber viele Leute in ihrer schwierigen Situation begleiten. Oft konnte ich auch eine Lösung für eine schwierige Situation finden.

Sie haben relativ spät beim RAV angefangen. Was haben Sie vorher gemacht?

Köppel: Ich erlernte den Beruf des Maschinenmechanikers bei der Firma Wild, Heerbrugg. Dann arbeitete ich 20 Jahre bei der Firma Köppel Söhne Betonröhrenwerk in Widnau. In einer weiterer Phase war ich im Aussendienst bei der Winterthur-Versicherung tätig. Während dieser Zeit habe ich auch meine politische Laufbahn in Angriff genommen. Ich war Schulrat und durfte später acht Jahre das Präsidium im Hauptamt führen. Als ich von diesem Amt zurücktrat, hätte ich wieder zu hundert Prozent bei der Winterthur-Versicherung arbeiten können. Trotzdem suchte ich eine neue Herausforderung. Diese fand ich beim RAV. Trotz meines Alters, ich war damals 52, habe ich die Stelle bekommen. Heute kann ich sagen, dass mir etwas Besseres nicht hätte passieren können.

Welche Veränderungen haben Sie in diesen elfeinhalb Jahren miterlebt?

Köppel: Sehr viele. Ich wurde als Nummer 16 in Heerbrugg angestellt. Gleichzeitig wurde das RAV in Rorschach aufgelöst und die Mitarbeiter bei uns weiterbeschäftigt. Wir war 20 Mitarbeitende. 2002/2003 musste wir erstmals ausbauen. Jeder Mitarbeiter wusste, dass die Stellen auch wieder abgebaut werden könnten, wenn die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Während meiner elf Jahre haben ich drei solche Wellen mit Hoch und Tiefs erlebt. Im Jahr 2008/2009 waren 3500 Stellensuchende bei uns registriert. In diesem Jahr wurden zwölf neue Mitarbeitende eingestellt. Heute arbeiten über 40 Personen beim RAV.

Welche Situationen haben Sie belastet? Konnten Sie die Arbeit ablegen und nicht über das Schicksal Ihrer Klienten nachdenken?

Köppel: Es gab sicher solche Situationen, die einen mehr beschäftigt haben. Dank meiner Berufserfahrung, besonders als Schulpräsident, konnte ich gut damit umgehen. Als Berater beim RAV ist man ein wenig Pfarrer, ein wenig Arzt, ein wenig Psychologe und eine wenig Vater. Ich durfte aber auch sehr viele schöne Situationen erfahren, vor allem bei der Vermittlung von ausweglosen Bewerbern. Sicher gab es auch Tiefs. Ich als Person durfte während der ganzen Zeit einen hohen Respekt erfahren. Diesen habe ich auch zurückzugeben versucht.

Sie waren während Ihrer Berufszeit immer sehr engagiert. Was werden Sie jetzt mit so viel Freizeit anfangen?

Köppel: Ich bin sehr gut vorbereitet. Ich hatte genug Zeit, mich mit meiner Pensionierung auseinanderzusetzen. Ich gehe in Pension ohne die ominöse Liste, was ich jetzt machen werde. Gemeinsam mit meiner Frau, die übrigens Ende September auch pensioniert wird, habe ich mir vorgenommen, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Ich habe ab Montag ein Postfach gemietet. So bin ich gezwungen, täglich aus dem Haus zu gehen, wenn ich die Zeitung lesen will. Wir werden auch unserem Hobby, dem Töfffahren, mehr frönen, und seit kurzem haben wir ein Enkelkind. Ich spiele aber auch mit dem Gedanken, mich sozial zu engagieren. Dabei denke ich an Besuche im Altersheim oder den Fahrdienst mit Tixi-Taxi. Natürlich sollen auch das Geniessen und vor allem die Spontaneität ihren Platz haben.

Interview: Susi Miara