Am geschützten «Ochsen» wird gebaut

Das ehemalige Gasthaus Ochsen in Rüthi steht unter Denkmalschutz. Trotzdem wird dort schon länger gebaut, ohne Bewilligung, schreibt ein Rüthner in einem anonymen Brief. Gemeindepräsident und Bauherrschaft sagen, alle Baumassnahmen seien rechtens.

Kurt Latzer
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RÜTHI. Mindestens ein Rüthner macht sich Sorgen um den denkmalgeschützten «Ochsen». «Ich bitte Sie um Verständnis, wenn ich anonym bleiben möchte», schreibt er am Schluss des Briefes, den er der Redaktion geschickt hat.

Der Rüthner moniert darin, dass Anstösser der denkmalgeschützten «Ochsen»-Liegenschaft bis heute weder für eine Umnutzung, einen Umbau, Abbruch oder den vorgesehenen Neubau eine Bauanzeige erhalten hätten.

Das ehemalige Gasthaus sei zurzeit eine ausgehöhlte Bauruine und zum Teil ohne Dach, Decke oder Fenster. Seit zwei Monaten stünden zudem Bauvisiere direkt neben dem Gebäude, «die vom Anschauen her dem geschützten Ortsbild nicht entsprechen», heisst es in dem Schreiben. Die Redaktion wird gebeten, sich der Sache anzunehmen und den Sachverhalt zu klären.

Nicht Aufgabe der Zeitung

Heute Dienstag, mit Beginn um 19.30 Uhr, wird im Rüthner Werkhofsaal das Projekt «Camor Care Klinik» vorgestellt. Dieses Zentrum für Stress-Folgeerkrankungen soll bei der «Ochsen»-Liegenschaft entstehen. In der Einladung heisst es, das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 19. Jahrhundert werde in den kommenden Monaten innen wie aussen saniert, umgebaut und erweitert.

Thomas Ammann, Gemeindepräsident von Rüthi, ärgert sich über den anonymen Hinweis. Seiner Meinung nach sollte man anonymen Briefeschreibern keine Plattform bieten. Ähnlich äussert sich Bernhard Dostal, Verwaltungsrat der Camor Care AG. «Wenn man ein Haar in der Suppe finden will, wird man immer eines finden», schreibt Dostal, «es wäre schade, wenn ein für Rüthi und die ganze Region derart wichtiges Projekt vorab in Misskredit gebracht würde.»

Alles rechtens

Im E-Mail teilt der Verwaltungsrat weiter mit, die Innensanierung sowie die Sanierung des Daches seien ohne Baueingabe erlaubt. Das Dach des «Ochsen» sei neu gedeckt worden, originalgetreu. Bernhard Dostal und Thomas Ammann weisen darauf hin, dass Bauherrschaft und Planer in Kontakt mit der kantonalen Denkmalpflege gestanden hätten.

Der spätere Anbau des Saales stehe nicht unter Denkmalschutz und werde, sobald die Baubewilligung vorliege, abgebrochen. Das Denkmalamt habe die substanziellen Schäden am nicht geschützten Anbau als irreparabel bezeichnet. Im «Ochsen» sowie in der angebauten Scheune seien umfangreiche Vorarbeiten nötig, wegen Holzwurm-Befalls, Feuchtigkeit und unprofessionell durchgeführten Umbauten in der Vergangenheit. «Das alte, hölzerne Fachwerk wird mit viel Liebe zum Detail erhalten. Unser Bauleiter aus Altstätten kümmert sich in Absprache mit der Gemeinde darum, alle rechtlichen Belange einzuhalten», schreibt Dostal. Alle Schritte habe man mit den Behörden abgesprochen, bei der Planung sei die Denkmalpflege einbezogen worden.

Thomas Ammann sagt, im Zusammenhang mit den Bauarbeiten habe baupolizeilich kein Handlungsbedarf bestanden. Dies, nachdem von der Bauherrschaft und den Planern die Auflagen für die Aussenhülle und die Struktur des Bauprojektes aufgenommen worden seien. Die Arbeiten hätten nicht die Zerstörung, sondern den Erhalt des Gebäudes zum Ziel. Es gelte, die Aussenhülle und damit die Identität des «Ochsen» sowie die Struktur des Kulturobjektes zu bewahren.

Baugesuch kein Thema

An der öffentlichen Orientierung von heute Abend werde das Baugesuch nicht thematisiert. Das Projekt werde dem Bauanzeige- und Auflageverfahren unterstellt, das demnächst durchgeführt werden soll. Thomas Ammann ist überzeugt, dass das bereinigte Projekt aufgrund der umfangreichen Ermittlungen und Vorprüfungen am Bau bewilligungsfähig ist.

Der Gemeinderat sei sich der Verantwortung für das geschützte Kulturobjekt bewusst und werde sich für die Einhaltung der entsprechenden Auflagen und Vorschriften einsetzen.

Das Baugesuch werde zusätzlich vom Amt für Denkmalpflege geprüft.