Am Anfang war das Bild

Die Sommerserie «Rhein von einst» ist gut angekommen. Ohne die Hilfe des St. Galler Staatsarchivs und die neu archivierten Fotos von Anfang des 20. Jahrhunderts wäre sie kaum zustande gekommen.

Kurt Latzer
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Hätte Martin Jäger die Redaktion im Frühling nicht über die neu archivierten, bisher unveröffentlichten Bilder aus der Zeit des Binnenkanal-Baus und der Rheingfrörni von 1929 und 1956 informiert, wäre die Serie «Rhein von einst» wohl nie entstanden. Der Leiter Überlieferungsbildung im Staatsarchiv St. Gallen und Regula Zürcher, Stellvertreterin des Staatsarchivars und Leiterin Privatarchive/Sammlungen, haben zudem das Archivieren alten Bildmaterials vorgestellt. Die Arbeit im Staatsarchiv ist spannend und eintönig zugleich. Interessant ist sie für Menschen, die sich für Geschichte und den Erhalt von Kulturgut interessieren; langweilig ist sie für jene, denen alte Schriften und Fotos nichts bedeuten, die mit akribisch-genauem Arbeiten und dem Am-Ball-Bleiben nichts am Hut haben.

Erfahrung, Genauigkeit und Geduld nötig

Zur ersten Gruppe gehört Regula Zürcher. Sie hat der Redaktion Einblick in Aufbereitung und Archivierung alter Fotografien gewährt. Bilder wie jene, die im «Rheintaler» und in der «Rheintalischen Volkszeitung» gedruckt wurden. Im Staatsarchiv werden Negative bewertet, konserviert, digitalisiert und schliesslich in säurefreien Kartonschachteln gelagert. Dutzende Meter lang sind die Archivierungsschränke am Klosterhof 1. Von der Glasplatte bis Zelluloid: In den Regalen lagern nicht nur verschiedene Arten von Negativen, sondern auch viele Tausend Meter altes Filmmaterial.

Am Anfang steht die Bewertung angelieferter Fotos und Dokumente. «Die Unterlagen können von Behörden, aber auch aus privaten Sammlungen stammen», sagt Regula Zürcher. Bei der Bewertung fällt das meiste Material durch den Raster. Als archivwürdig werden etwa fünf Prozent des sondierten Materials eingestuft. Bei Unterlagen aus Privatsammlungen liegt die Quote manchmal höher. Haben die Fotonegative die Auswahl überstanden, werden sie gereinigt. Bei Negativen auf Glasplatten setzt dies nicht nur Kenntnisse der verschiedenen Materialien voraus, mit denen die Negative hergestellt wurden, sondern auch über geeignete Reinigungsarten und -mittel.

Fotos sind öffentlich zugänglich

Sind die Negative sauber, werden sie gescannt oder mit einer speziellen Kamera abfotografiert und dann digitalisiert. Abzüge auf Papier macht im Staatsarchiv niemand mehr. Ist dieser Prozess abgeschlossen, kommen die Negative zurück in die Kartonschachteln und danach in den Schrank. Mit dem Digitalisieren der Bilder aber ist die Arbeit längst nicht abgeschlossen. Die bereits beim Reinigen mit Registrierungsnummern versehenen Aufnahmen müssen zusammen mit einer Beschreibung katalogisiert und dann in der Bilddatenbank abgelegt werden. Gilt es, grössere Mengen von Fotos zu digitalisieren, kommen vereinzelt externe Anbieter zum Zug. Dies gilt auch bei der Digitalisierung von übergrossen Formaten.

Wer sich selbst im Archiv umsehen will, findet die Fotos wie folgt: Unter www.staatsar chiv.sg.ch. auf «Archivkatalog online» klicken, danach auf «Archivplansuche» und «Staatsarchiv des Kantons St. Gallen». Dann «Verwaltungsarchiv (1803 –)» wählen, anschliessend «A Neues Archiv II». Unter «Staatliche Vertretungen sowie Private im Auftrag des Staates» ist der Ordner «Internationale Rheinregulierung IRR» zu finden, wo die Bilder dann katalogisiert bereitstehen.