ALV: Zahlen eigenwillig verwendet

Betreff Standpunkt von Roland Rino Büchel im «Rheintaler» vom 22. September Sehr geehrter Herr Büchel Ich verstehe nicht, warum Sie von der SVP, die von sich immer wieder sagt, dass sie «klare Aussagen» macht, nun mit einem solchen Standpunkt aufwarten.

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Betreff Standpunkt von Roland Rino Büchel im «Rheintaler» vom 22. September

Sehr geehrter Herr Büchel

Ich verstehe nicht, warum Sie von der SVP, die von sich immer wieder sagt, dass sie «klare Aussagen» macht, nun mit einem solchen Standpunkt aufwarten. Wieso müssen Sie beispielsweise schreiben, dass von 13 x 5000 Franken neu 1625 Franken abgezogen würden und können nicht klar und deutlich von 65 000 Franken schreiben? Oder sie schreiben einfach, wer 65 000 Franken verdient, muss über das Jahr gesehen 325 Franken mehr bezahlen.

Aber nein, dann sieht die Zahl ja wieder viel zu klein aus und manch einer könnte auf die Idee kommen, dass die ALV ihm dies wert sei.

Und wenn wir schon dabei sind, dann möchte ich Sie auch noch darauf hinweisen, dass Sie dem Stimmbürgern falsche Zahlen vorlegen. Ihr Beispiel: «Von einem Bruttolohn von 13 x 5000 Franken würden bei einem Nein nicht wie bisher 1300 sondern neu 1625 Franken abgezogen.» Ihre Aussage, dass diesen 13 x 5000 Franken 1625 Franken abgezogen würden, stimmt nicht.

Die 1625 Franken sind nämlich der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmeranteil, die von Ihnen aufgeführten 13 x 5000 Franken sind jedoch nur das Arbeitnehmereinkommen. Das bedeutet, dass bei 13 x 5000 Franken nicht 1625 Franken abgezogen werden, sondern lediglich 812.50 Franken. Die anderen 812.50 Franken bezahlt der Arbeitgeber und haben auf die besagten 13 x 5000 Franken überhaupt keinen Einfluss.

Und dann kommt noch dazu, dass bei einem Ja die ALV ebenfalls angehoben wird. Das heisst, wer 13 x 5000 Franken verdient, muss nach einem Ja 715 Franken abgeben.

Bei einem Nein muss die Person mit den besagten 65000 Franken Einkommen nur gerade 162.50 Franken mehr bezahlen. Und nimmt man jetzt noch die Differenz der Erhöhung von einem Ja zu einem Nein, dann sprechen wir noch von 97.50 Franken pro Jahr oder 7.50 Franken pro Monatslohn. Nicht gerade ein riesiger Betrag, um die ALV zu retten und keinen Sozialabbau zu betreiben.

Und wenn diese 1,25% ALV-Abgaben nun endlich auf jeden Franken Einkommen angewandt werden, also auch auf dasjenige Einkommen über 126 000 Franken, dann hätten wir auch in naher Zukunft keine Probleme mehr mit der ALV.

Und zu guter Letzt ist noch zu sagen: Die ALV war mal bei 3%. Die bürgerlichen Parteien haben damals eine Senkung durchgesetzt mit dem Hinweis, man könne den Satz ja wieder anheben, wenn die 2% nicht wie erwartet reichen. Die Linke hatte vor der Senkung gewarnt und recht behalten.

Die Linke, gegen die Sie, Herr Büchel, nun schiessen! Doch, die Bürgerlichen sind es, die nicht zu ihren Worten stehen und den Satz nun halt wieder nach oben korrigieren.

Karsten Zünd Zeughausstr., Marbach