ALTSTÄTTEN/ST.: Rheintaler Räte gegen Reform

Gallen Bauland zwischen Heim Bellevue und Oberrieterstrasse wird im Baurecht vergeben. Eine neue Regelung, der die Mehrheit des katholischen Kollegiums letzte Woche zustimmte, macht das möglich.

Kurt Latzer
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Neu entscheidet der Administrationsrat über Liegenschaften. (Bild: Gert Bruderer)

Neu entscheidet der Administrationsrat über Liegenschaften. (Bild: Gert Bruderer)

Kurt Latzer

Seit ein paar Jahren ist vom ­Wohnungsbau auf der Wiese (Zone W4) zwischen der Jugendstätte Bellevue und Haltiner Holz und Baubedarf die Rede. Seit 2014 existiert für dieses Land, das dem katholischen St. Galler Konfessionsteil gehört, ein Gestaltungs- und Überbauungsplan. Im Januar wurden erste Visualisierungen von Wohnbauten präsentiert und man informierte über einen möglichen Baubeginn.

Boden beim Bellevue wird im Baurecht vergeben

Auf einer Fläche von etwa 17500 Quadratmetern sollen zehn Mehrfamilienhäuser entstehen, die ersten vier könnten in gut zwei Jahren stehen, hiess es zu Beginn des Jahres. Neu entscheidet im Kanton St. Gallen nicht mehr das katholische Kollegium (180-köpfiger «Kantonsrat» des katholischen Konfessionsteils) über Liegenschaften. Dem entsprechenden Nachtrag zum Finanzdekret stimmten letzte Woche 111 Kollegienräte zu, gut 40 waren dagegen und der Rest enthielt sich. «Es liegt nun in der Kompetenz des Administrationsrates, über Grundstücke, wie das ‹Im Guten Hirten›, allein zu verfügen», sagt Thomas Franck, Verwaltungsdirektor der katholischen Administration. Noch sei im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau in besagtem Gebiet kein Projekt spruchreif. Fest steht: Die 17500 Quadratmeter Boden oder Teile davon werden im Baurecht vergeben, sobald ein Investor gefunden ist.

Der Nachtrag zum Finanzdekret, der die Kompetenzen neu regelt, stiess einigen Kollegien­räten sauer auf. Mehrheitlich Rheintaler Räten, wie Kurt Metzler, Vorsitzender der Regionalgruppe Rheintal, sagte. Einer der Votanten an der Session sei der Altstätter Kollegienrat Robert Hangartner gewesen. «Man hätte die Entscheidungsgewalt beim Kollegium lassen sollen», sagt Robert Hangartner. So hätten alle 180 Räte einen allfälligen Investor ansehen können und nicht nur sieben Administrationsräte. Die Rheintaler Kollegienräte hätten das neue Gesetz abgelehnt oder sich der Stimme enthalten.

Einen Interessenten für «Guten Hirten» gibt es

Hangartners Kernaussage an der Session: Man solle so grosse Flächen nicht nach dem heutigen Gusto verbauen. Aus der Kunstgeschichte sei ihm bekannt: Neue Generationen entwickelten eigene Vorlieben. Man dürfe deshalb den Enkeln und Urenkeln nicht jeden Meter Boden überbauen. «Das Gestalten und Planen sollte man der nächsten Generation überlassen», sagte Robert Hangartner. Mitglied des Admini­strationsrates ist der Montlinger Architekt Lothar Bandel. Als Liegenschaftsverantwortlicher im Administrationsrat weiss er über Vorhaben bestens Bescheid. Auch über das zwischen Bellevue und Oberrieterstrasse. «Es gibt einen Interessenten, unterschriftsreif ist allerdings noch nichts», sagt Lothar Bandel. Beim Interessenten handle es sich um ein börsenkotiertes Unternehmen, in dem man zunächst kalkuliere und aus dem Gestaltungsplan ein Konzept entwickle. «Sollte sich der Investor entschliessen, auf unserem Land zu bauen, folgen Gespräche, zu welchen Konditionen das Baurecht abgegeben wird», sagt der Rheintaler Administrationsrat.