ALTSTÄTTEN/REBSTEIN: Mehr Patron als Direktor

Die Mitarbeiterzahl hat sich auf 250 vervierfacht, der Fahrzeugbestand auf 95 verdreifacht. Eine «gewaltige Veränderung» hat Walter Dierauer als Verkehrsbetriebsdirektor in 15 Jahren erlebt.

Gert Bruderer
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Das Kunstwerk in Walter Dierauers Büro hat sein Onkel Walter Jüstrich erschaffen. Der Vater des scheidenden Bus-Ostschweiz-Chefs (der frühere Bernecker Gemeindepräsident Walter Dierauer) hatte das Werk von seiner Frau zum Fünfzigsten geschenkt bekommen und gab es dem Junior weiter – als Geschenk zu dessen Fünfzigstem. (Bild: Gert Bruderer)

Das Kunstwerk in Walter Dierauers Büro hat sein Onkel Walter Jüstrich erschaffen. Der Vater des scheidenden Bus-Ostschweiz-Chefs (der frühere Bernecker Gemeindepräsident Walter Dierauer) hatte das Werk von seiner Frau zum Fünfzigsten geschenkt bekommen und gab es dem Junior weiter – als Geschenk zu dessen Fünfzigstem. (Bild: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Es war im Sommer 2014, in Romanshorn auf dem Bahnhof. Walter Dierauer, der schon lange vor seiner Berufung zum RTB-Chef regelmässig mit Bus und Bahn gereist war, wurde von einem fremden Gesicht mit einem freundlichen Hallo und seinem Namen begrüsst, doch er konnte das Gesicht keinem Namen und keiner Umgebung zuordnen und bat deshalb sein Gegenüber, ihm auf die Sprünge zu helfen.

Die Antwort lautete: «Du bist seit drei Monaten mein Chef», was dem Direktor einen Stich ins Innerste versetzte.

Das Schlüsselerlebnis ermunterte ihn, dem hohen Anspruch an sich selbst noch mehr Beachtung zu schenken und sich um Folgendes mit Nachdruck zu bemühen: die vielen Mitarbeiter der Bus Ostschweiz AG bei einer Begegnung möglichst ausnahmslos zu erkennen und beim Namen nennen zu können.

Der Betrieb wurde rasch viel grösser

Als Walter Dierauer im September 2002 Direktor von Rheintal Bus geworden war, erreichte er das gleiche Ziel in zwei, drei Wochen, wobei es ihm sogar gelang, sich zu jedem Mitarbeiter auch zwei, drei persönliche Dinge zu merken. Doch zwölf Jahre später war aus dem leicht überschaubaren Betrieb ein stattliches Unternehmen mit mehreren Standorten geworden. 2004 entstand aus vier kleinen, gekauften Firmen das Unternehmen Wil Mobil mit städtischem und Regionalbus-Betrieb. Drei Jahre danach wurde aus Wil Mobil und RTB Rheintal Bus der neue Verkehrsbetrieb Bus Ostschweiz, und das im gleichen Jahr übernommene, ehemalige Postauto-Liniennetz Sarganserland-Werdenberg führte 2011 aufgrund der Fusion zur weite­-ren Vergrösserung der Bus Ostschweiz AG.

Zwischen Entscheiden bleibt wenig Zeit

In den bewegten Jahren gab es kulturelle Unterschiede zunächst innerhalb von Wil Mobil auszugleichen und sodann die regionalen Ungleichheiten und Ansprüche unter ein Dach zu bringen. Im Rückblick nimmt Walter Die­rauer von einem Klischee ausdrücklich Abstand, indem er sagt: «Man sollte ja nicht sagen, früher sei alles einfacher gewesen.» Aber es sei vieles anders heute, und zum Teil vermisst der Chef die Klarheit, die es gab.

Nur schon die Fahrzeuge!

Hybridantriebe, Elektromotoren und diverse Kombinationen – da ist man gefordert.

Der Takt, dem im Berufsalltag zu folgen ist, sei heute schneller, die Zeit zwischen Betriebsentscheiden merklich kürzer geworden.

Die Tage sind spannend und lang

Walter Dierauer spricht gern ausführlich über den öffentlichen Verkehr, über Probleme und Wünsche, aber immer kreisen die Gedanken um die Menschen, die das Wesen des Betriebs ausmachen. Denn «geht es den Mitarbeitern gut, spüren das auf angenehme Weise auch die Fahrgäste».

Andererseits belastet den Chef nichts mehr als schwere Zeiten eines Mitarbeiters, eine Krankheit beispielsweise. «Geschäftliche Probleme sind zu lösen, es gibt immer einen Weg», sagt Dierauer, aber jemandem nicht helfen zu können, tue weh.

Dass im Büro am Abend oft das Licht brennt, sehen auch die Buschauffeure – und tatsächlich nutzten sie, falls etwas sie beschäftigt, die Gelegenheit, den Chef zu sprechen.

Seine Tage «sind spannend und lang», sagt er mit einem Lächeln.

Die Mitarbeiter haben die besonders langen Wochen hinter sich – und diese langen Wochen kannte der Betrieb fünf Jahre lang: Von 2005 bis 2009 wurde die Pensionskasse saniert, mit einer einschneidenden Massnahme. Zwei Stunden dauerte die Arbeitszeit pro Woche länger, fast 500 Stunden insgesamt waren bei gleichem Lohn abzuarbeiten. Was Walter Dierauer nachhaltig beeindruckte, ist das gespürte Vertrauen.

Mit nur einer Gegenstimme habe die Belegschaft die Entscheide mitgetragen, man habe zusammengestanden und gemeinsam etwas durchgezogen.

Mit gutem Netzwerk geht alles besser

Als Höhepunkte, die ihn gefreut haben, nennt Walter Dierauer die Eröffnung der Bahnhof-Bushöfe in Altstätten und Rheineck, der Busdepots in Wil und Sargans, überhaupt die «gewaltig verbesserte Infrastruktur», die auch dem Personal Vorteile bringe, was wiederum vorteilhaft sei für den Fahrgast.

Dass Politik zermürbend sein könne, ist keine Aussage, der Walter Dierauer widerspricht. Anstatt zu jammern, nutzte er jedoch sein Netzwerk.

Wo immer er eine Chance gewittert habe, für den Busbetrieb (und somit den Fahrgast) etwas herauszuholen, habe er sich eingebracht.

«Dass wir vernetzt sind», sagt Walter Dierauer, «ist eine der Stärken unseres Betriebes», wobei er stets einem klaren Grundsatz verpflichtet war. Ihm ging es immer um das gegenseitige Verständnis, denn es sei die beste Basis für bessere Lösungen.

Ein Problem sei die Einhaltung der Fahrzeiten und rechtzeitige Ankunft bei Anschlüssen geblieben.

Fortsetzung auf Seite 25

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