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ALTSTÄTTEN/MARBACH: Die Rheintaler Melioration als Vorbild

In Brüttelen im Berner Seeland steht eine grosse Melioration an. Dabei stehen die Bauern vor Herausforderungen, für die sie auf Erfahrungen zurückgreifen wollen, die man im Rheintal gemacht hat.
Aufschlussreich: Ein Blick in den Schacht einer Drainage-Sammelleitung, die von der Melioration kürzlich bei Norbert Schicks Siedlung Wegweiser im Isenriet bei Marbach neu verlegt wurde. (Bild: Max Tinner)

Aufschlussreich: Ein Blick in den Schacht einer Drainage-Sammelleitung, die von der Melioration kürzlich bei Norbert Schicks Siedlung Wegweiser im Isenriet bei Marbach neu verlegt wurde. (Bild: Max Tinner)

Steht man vor einem Entscheid, der einen mutmasslich einen Haufen Geld kosten wird, ist es keine schlechte Idee, sich ein Bild davon zu machen, wie man das Problem anderswo löst. Dazu fahren nicht nur Rheintaler Entscheidungsträger anderswohin, man kommt auch von auswärts hierher: So bekam am Mittwoch die Melioration der Rheinebene Besuch von Bauern aus Brüttelen im Berner Seeland. Dort steht man vor einer grossen Zweitmelioration: Rund 200 Hektaren Boden drohen zu vernässen und sollen neu drainiert werden.

Die Rheintaler Melioration hat ein langes Gedächtnis

Dass Peter Hutzli, der Technische Leiter des Vorprojekts zur Brütteler Zweitmelioration, gleich mit einem ganzen Car voller Bauern ins Rheintal fuhr, hat gute Gründe. Die Böden seien ähnlich; hier wie dort bewirtschafte man grosse Flächen Halbmoorböden mit tiefgründigen Torfschichten, erklärt er. Von früheren Begegnungen mit Matthias Kreis, dem Technischen Leiter der Melioration der Rheinebene, weiss er ­zudem, dass man im Rheintal das eine oder andere Problem, das den Brütteler Bauern Kopfzer­brechen bereitet, nicht oder nicht im selben Ausmass hat. Weil die Melioration der Rheinebene ausserdem als Organisation seit den 1940er-Jahren besteht, sind hier Erfahrungen aus Jahrzehnten gut dokumentiert und damit verfügbar.

Sorgen bereitet den Bauern von Brüttelen im Besonderen das Grundwasser, das in ihren Böden bereits bei etwa einem Meter ansteht. Ausserdem verstopft Ocker (Eisenoxidausfällung) die Schlitze der Sickerrohre, was das Problem noch verschärft.

Der Grundwasserspiegel steht im Rheintal zwar tiefer, etwa drei Meter unter der Grasnarbe. (Die gleichwohl oft beobachtete Nässe ist meist Niederschlagswasser, das noch nicht versickert ist.) Ocker fällt aber auch in den Rheintaler Böden aus – es bereitet aber nicht dermassen Probleme wie im Seeland. Das liegt möglicherweise am unterschiedlichen Aufbau der Drainagen. Zum einen werden andere Rohre verwendet. Zum anderen werden im Rheintal als Sickermaterial die Drainagerohre mit Holzhackschnitzeln überdeckt, während im Seeland bislang eine Sickerschicht aus Kies über die Rohre geschüttet wird.

Sollten die Hackschnitzel tatsächlich der Verockerung der ­Sickerrohrschlitze entgegenwirken, wäre die Umstellung darauf für die Berner gleich doppelt interessant: «Kies kostet deutlich mehr und wird laufend noch teurer», sagt Peter Hutzli.

Auch die hiesige Vorgehensweise beim Verlegen von Sickerleitungen interessierte die Seeländer. Der Partnerunternehmer der Melioration fräst die Gräben nämlich mit einer selbst modifizierten Maschine, womit er unter Umständen effizienter arbeitet, als dies mit den Geräten möglich ist, die in Brüttelen verwendet werden.

Gespannt, wie der Rhein die Böden verbessert

Die Melioration hätte den Besuchern gerne demonstriert, wie sie arbeitet. Weil die Böden nach dem vielen Regen noch völlig durchnässt sind, verzichtete man gestern aber darauf, um keinen Schaden anzurichten. Stattdessen stellte Matthias Heeb, Bodenkundler am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez, den Bernern das Bodenerhaltungsprojekt im Isenriet vor. Denn auch in Brüttelen hat man das Problem, dass sich die oberen Torfschichten abbauen, wenn durch das Entwässern und das Umpflügen der Äcker Luft in den Boden gelangt. Über die Jahre schrumpft so die Erdschicht über den Drainagen, was langfristig die Bewirtschaftung erschwert und zuletzt massiv einschränkt, weil man sonst die Sickerleitungen beschädigen würde.

Beim Pilotprojekt im Isenriet hat man Schwemmmaterial vom Rhein auf dem Boden verteilt und mit dem Oberboden vermengt. Die bisherigen Erfahrungen sind vielversprechend. Man zieht deshalb eine grossflächige Anwendung mit Material aus dem bevorstehenden Rhein-Hochwasserschutzprojekt Rhesi in Betracht.

Die Seeländer haben keinen mit dem Rhein vergleichbaren Fluss in ihrer Nähe, aus dem sich vergleichbares Material gewinnen liesse. Dort wird bei Bodenerhaltungsprojekten Bauaushub verwendet. Entscheidend für die Tauglichkeit ist die Kornverteilung des verwendeten Materials. Hier gibt es Unterschiede bei den Vorgaben der Kantone. Die Brütteler Bauern werden deshalb gespannt mitverfolgen, welche Erfolgsbilanz die Rheintaler aus ihren Bodenerhaltungsprojekten im Riet ziehen werden.

Max Tinner

Hinweis

Mehr zur Melioration der Rheinebene auf www.rheinebene.ch

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