ALTSTÄTTEN/ALTENRHEIN: Über dem Rheintal

An der Rhema steigen ab heute Nachmittag immer wieder Helikopter in den Himmel. Gesteuert von Messebesuchern. Was gefährlich klingt, sei halb so wild, sagt der Fluglehrer. Stimmt das? Ein Selbstversuch.

Seraina Hess
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Die erste Lektion im Helikopter gleicht der ersten Fahrstunde. Die Aussicht ist aber deutlich besser als auf der Quartierstrasse: Blick aufs Rheintal über St. Margrethen. (Bilder: Seraina Hess/Yves Berlowitz)

Die erste Lektion im Helikopter gleicht der ersten Fahrstunde. Die Aussicht ist aber deutlich besser als auf der Quartierstrasse: Blick aufs Rheintal über St. Margrethen. (Bilder: Seraina Hess/Yves Berlowitz)

Seraina Hess

Wer erinnert sich nicht an seine erste Fahrstunde. Als es plötzlich galt, Kupplung, Schalthebel und Steuerrad gleichzeitig zu bedienen und dabei den Verkehr nicht zu vernachlässigen. Und dann waren da so viele neue Schalter, Knöpfe und Hebel, die einem als Beifahrer gar nie aufgefallen waren.

Verglichen mit der Ausstattung des Robinson R22, der an diesem Abend vor dem Hangar der Helialpin AG in Altenrhein darauf wartet, dass ich den (Chef!-)Pilotensitz einnehme, war das Armaturenbrett des Autos ganz leicht zu verstehen. Denn je mehr Fluglehrer Yves Berlowitz erklärt und ins Detail geht, desto stärker wird die Befürchtung, mich schon nach fünf Minuten nicht mehr daran erinnern zu können. Die wichtigste Information bleibt aber hängen: Der Kolbenmotor des weltweit meistgeflogenen Helikopters besitzt zwei Zündkerzen pro Zylinder. Ginge unterwegs eine kaputt, würde der Motor dank zweiter Zündung nicht ausfallen. Yves Berlowitz prüft das, während wir darauf warten, dass der Robinson die gewünschte Temperatur erreicht – und der Motor läuft tadellos, sodass wir uns schon jetzt nur noch über Mikrofon und Kopfhörer unterhalten können. Bevor es tatsächlich in die Lüfte geht, hört Berlowitz ein letztes Mal den Wetterbericht und funkt mit dem Tower des Flugplatzes.

Steuern im Millimeterbereich

Meine linke Hand am Collective (Steigen/Sinken), die rechte am Steuerknüppel (Kurven/Fluglage) und mit den Füssen dank doppelten Rückenpolsters knapp die Pedalen erreichend, heben wir etwa einen Meter ab, schweben über die Wiese des Flugplatzes, bis der Helikopter schliesslich in den Himmel steigt. Es dauert keine halbe Minute, bis wir uns über dem Bodensee befinden, in einer Höhe von 700 bis 800 Metern. Bis hierhin habe ich gar nichts ­getan, ausser mit schwitzigen Händen die Steuerelemente zu umklammern. Die Pedalen überfordern mich ohnehin – sie sind dazu da, den Heckrotor zu steuern, der nötig ist, um Gegendruck zu erzeugen, damit sich die Ka­bine in der Luft nicht um sich selbst dreht.

Eine letzte Frage vor der ­ersten selbstgeflogenen Kurve, direkt über der Rheinmündung, bleibt zu klären: Ist sich Yves ­Berlowitz sicher, dass ich nicht aus Versehen etwas zu stark am Steuerknüppel ziehen und uns ins Unglück stürzen könnte? «Ja», sagt der Fluglehrer, «nur die Kurve würde ein bisschen steiler ausfallen.» Er behält recht, als sich der Heli sanft zur Seite neigt. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass ich das unmöglich selbst getan haben konnte, liegt die Hand des Fluglehrers doch unentwegt auf dem Steuerelement. «Doch», sagt Berlowitz, «manchmal ist es eher ein Da-ran-Denken, und schon bewegt sich der Helikopter. Den Robinson steuert man im Millimeterbereich, weshalb er ideal ist für angehende Piloten.» Trotzdem schätze der ehemalige Gleitschirmfluglehrer die Persönlichkeit des Schülers immer ein, noch bevor er auf dem Sitz Platz nimmt – und Personen, die Respekt vor dem Fliegen haben, seien ihm lieber als Selbstüberschätzung.

Deshalb ist Berlowitz auch zufrieden mit mir, als wir bei St. Margrethen der Autobahn entlang zurück nach Altenrhein fliegen und langsam an Höhe verlieren. Ein bisschen mehr Selbstvertrauen am Steuer stünde mir zwar gut, verfolgte ich die Fliegerei weiter – aber um dieses aufzubauen, hätte ich abzüglich der ersten 27 Minuten im Helikopter noch mindestens 44 Stunden und 33 Minuten Zeit.

Die Helialpin AG ist mit einem Stand an der Rhema vertreten. Hinter dem Messegelände stehen zwei Maschinen für Rund- und Schulungsflüge bereit.