ALTSTÄTTEN: Warum kluge Köpfe sich schützen

700 Jugendliche erleben die nächsten Tage im «Brain-Truck», wie kompliziert das Leben mit einer Hirnschädigung wird. Das Programm soll sie unter anderem animieren, beim Velofahren Helm zu tragen.

Max Tinner
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Max Tinner

Mit einer Hirnschädigung wird das alltägliche Leben zu einer Aneinanderreihung unzähliger Schwierigkeiten. Im Brain-Truck, der momentan auf dem Pausenplatz des Schulhauses Bild steht, erleben im Verlauf der nächsten zwei Wochen rund 700 Kinder und Jugendliche, wie es ist, wenn man nach einem Schlaganfall oder einem Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma nur noch eingeschränkte motorische Fähigkeiten hat oder man die Welt plötzlich ganz anders wahrnimmt.

«Wär’s immer so mühsam, würde ich aggressiv»

Als eine der ersten Schulklassen absolvierte gestern die erste Oberstufenklasse von Monika Glass das Erlebnisprogramm vor und auf dem Sattelschlepperauflieger. Dabei wird beispielsweise eine veränderte Sehwahrnehmung simuliert. Brillen lassen einen seine Umgebung doppelsichtig wahrnehmen. So eine Postkarte zu schreiben oder sich einen Tennisball zuzuwerfen, will kaum gelingen. Nur schon einen simplen Stern auf einer Vorlage nachzuzeichnen, wird schier unmöglich, sieht man die Kontur (wie mittels eines Spiegels simuliert) seitenverkehrt. Als weitere Aufgabe soll man sich einen Kittel mit nur einer Hand anziehen und zuknöpfen. Eine Kniffelei! «Müsste ich das jeden Tag machen – ich bekäme Aggressionen», meint eine Schülerin. «Genau so geht es Betroffenen auch», erklärt Instruktor Franz Müller, «für uns einfache Dinge wie sich die Zähne zu putzen, sich die Schuhe zuzubinden, sich anzukleiden – oder nur schon zu sprechen, wird zur Herausforderung und braucht viel mehr Zeit.»

Müller macht den Jugendlichen aber auch klar, dass solches jeden treffen kann, etwa durch einen Velo- oder Skiunfall. Er appelliert darum, sich den Kopf zu schützen und im Besonderen beim Velofahren einen Helm zu tragen. Einen solchen hatte gestern zwar fast jeder Schüler dabei. Allerdings trägt ihn nicht jeder konsequent, wie zugegeben wurde – weil man ihn uncool findet, weil er die Frisur durcheinanderbringt oder auch nur, weil Kollegen ihn auch nicht tragen. Ein Verhalten, das fatal enden kann: Wir meinten nur, «härti Grinde» zu haben, tatsächlich seien sie gar nicht so hart, meint Franz Müller. Ein aus zwei Meter Höhe fallen gelassenes Ei dient ihm als Anschauungsobjekt für die Schutzwirkung eines Helms bzw. für die Folgen eines Sturzes ohne Helm. Er macht aber auch deutlich, dass ein Helm sitzen muss. «Sonst nützt er kaum etwas», betont er.

Betroffenen mit Respekt begegnen

Nebst der Prävention dient das Erlebnisprogramm im Brain-Truck auch der Sensibilisierung für hirngeschädigte Mitmenschen. «Wenn ihr Betroffenen begegnet, lacht nicht über sie, sondern zeigt Verständnis und helft, wenn sie es möchten», bittet Franz Müller die Jugendlichen.

Nebst den Jugendlichen hat auch jedermann sonst Gelegenheit, sich im Brain-Truck zu informieren und die angebotenen Experimente auszuprobieren: am Mittwoch, 15. März, zwischen 13.30 und 17 Uhr.

www.brain-truck.ch