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ALTSTÄTTEN: Stickereigeschichte erleben

Viele Besucher fanden am Samstagabend den Weg ins Museum Prestegg, wo die Ausstellung «Grenzland – Jacob Rohner und die Stickereizeit im Rheintal» eröffnet wurde.
Gerhard Huber
Viele kunsthistorisch interessierte Rheintaler besuchten die Ausstellungseröffnung im Museum Prestegg. (Bilder: Ulrike Huber)

Viele kunsthistorisch interessierte Rheintaler besuchten die Ausstellungseröffnung im Museum Prestegg. (Bilder: Ulrike Huber)

Gerhard Huber

Es tut sich was im altehrwürdigen Museum Prestegg in Altstätten. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts «iigfädlet» sind acht Museen in den Kantonen Ausserrhoden und St. Gallen das Thema «Schweizer Textilgeschichten» angegangen. Jede dieser Ausstellungen erzählt aus ihrer regionalen Perspektive. Schliesslich war die Ostschweiz über Jahrhunderte die führende Region der schweizerischen Textilindustrie. «Gerade die Stickereiwaren waren über viele Jahre hinweg der wichtigste Exportartikel der Schweiz. Da hat es sich angeboten, hier im Museum Prestegg mitten im Rheintal die Ausstellung über die grossen Sticker und ihre Zeit zu gestalten», wie der Präsident der Museumsgesellschaft Altstätten, Paul-Josef Hangartner, in seiner Begrüssungsrede feststellte.

Stadtpräsident Ruedi Mattle schloss sich dem an und erläuterte die engen Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Stadt Altstätten und der Stickerei. So war es eine gegenseitige Befruchtung, als Altstätten rund um 1860 innerhalb von fünf Jahren sowohl durch die Eisenbahn als auch durch die Zahnbahnlinie nach Gais und ein Strassentram, das bis nach Berneck führte, ­erschlossen wurde. Die baugeschichtlichen Zeugen dieser Zeit seien bis heute in der Altstadt sichtbar. Eine kleine Einführung in die vielschichtige, gut gestaltete und viel Wissenswertes vermittelnde Ausstellung gab Kurator Marcel Zünd. Schauwände, Bilder, viele Ausstellungsgegenstände von alten persönlichen Schreiben des Jacob Rohner bis zu Alltagsgegenständen des Stickerproletariats und Kochvorschriften für die Arbeitergattin und facettenreiche Videoinstallationen vermögen ein klares Bild vom Leben der einfachen Sticker, der Entwicklung der Industrie und der Geschichte der Familie Rohner-Geser zu zeichnen.

Das Leben damals aus der Sicht der kleinen Sticker

«Am meisten habe ich aus der Lektüre des Buches ‹Die Sticker› von Elisabeth Gerter gelernt», bekannte Kurator Zünd freimütig in seiner Einführungsrede, «denn dort werden die Geschichte der Stickerei und die Umstände eines meist kargen Lebens aus der Sicht der kleinen Sticker und nicht aus jener der Fabrikanten erzählt.»

Überhaupt zeigt sich dem Betrachter bei näherem Hinsehen ein durchaus kritischer Blick auf die Fabrikantenfamilie Rohner-Geser, die man heute mit Sicherheit nicht mehr als «gütige Patriarchen» bezeichnen würde. Vielmehr zeigen sich Risse in der Fassade des grossbürgerlichen und eng mit der Kirche verbandelten Jacob Rohner und der bis ins hohe Alter als Firmenchefin agierenden Josy Geser-Rohner. Denn schliesslich finanzierten sie sich ihre Riesenwohnsitze und Reisen aus Kriegsgewinnen und der Ausbeutung ihrer zwischen zwölf und 14 Stunden täglich schuftenden Arbeiter.

Die Ausstellung wird noch bis zum 29. Oktober jeweils von Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr, geöffnet sein. Ein reichhaltiges Begleitprogramm informiert über viele Facetten der Geschichte der Stickerei im Rheintal.

Mehr Bilder auf rheintaler.ch unter Bilderstrecken

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