Altstätten

Stadt gibt digitalen Dorfplatz auf: «Crossiety» konnte sich nicht als Plattform für Gedankenaustausch etablieren

Altstätten schliesst seinen digitalen Dorfplatz Crossiety wieder, Balgach lässt sich für eine Beurteilung noch Zeit.

Gert Bruderer
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Nur noch bis Ende Mai hat die Stadt Altstätten einen digitalen Dorfplatz.

Nur noch bis Ende Mai hat die Stadt Altstätten einen digitalen Dorfplatz.

Bild: Gert Bruderer

Bereits im Herbst 2019 hat Altstätten die digitale Plattform eingeführt und sich somit an einem Projekt des Start-up- Unternehmens Crossiety beteiligt. Die Plattform bietet die Möglichkeit, Einwohnerinnen und Einwohner, Vereine, Institutionen und Gewerbe besser zu vernetzen. In einer Medienmitteilung der Stadt hiess es bei der Einführung der Plattform, das Ziel von Crossiety sei es, das Engagement und die Partizipation in Gemeinden zu fördern und den Zusammenhalt zu stärken.

Diskussionsforen gibt es keine

Der Reiz des Neuen bewirkte, dass ein gewisses Interesse speziell auch der Vereine grundsätzlich vorhanden war und auf dem digitalen Dorfplatz entsprechend Präsenz markiert wurde. Die Bereitschaft zu dauerhafter Mitwirkung erwies sich aber als bescheiden. Es entstand kein nennenswertes gesellschaftliches Leben auf dem neuen digitalen Dorfplatz.

Anfang März des letzten Jahres titelte diese Zeitung: «Ein Dorfplatz mit noch wenig Leuten.» Zwar hatten sich etwa 70 Gruppen in Stellung gebracht, aber eigentliche Diskussionsforen bildeten sich nicht. Die meisten, die ein Login hatten, waren sozusagen Passivmitglieder, die sich nicht oder nur selten (vor allem anfangs) zu Wort meldeten. Selbst die Zahl der Likes zu einzelnen Beiträgen blieb sehr bescheiden und lag nahe bei Null.

Das Ziel von Crossiety, «das wertvolle Potenzial innerhalb der lokalen Gemeinschaft besser zu nutzen», wurde nicht erreicht. Auch die politischen Parteien nutzten Crossiety praktisch nicht.

Zu finden sind fast nur Verlautbarungen

Die Gemeinde Balgach nutzt Crossiety seit dem 9. April des letzten Jahres ebenfalls. Auch hier sollte «das Zusammenleben in Balgach und Umgebung aktiver und attraktiver werden», wobei der digitale Dorfplatz angesichts von Corona als besonders hilfreich dargestellt wurde.

Es sind denn auch 254 Nutzerinnen und Nutzer eingetragen, doch die Inhalte erschöpfen sich in Verlautbarungen. Zum Beispiel sind die evangelische Kirchgemeinde oder die politische Gemeinde recht aktiv, indem sie über ihre Tätigkeiten oder über sonst Wissenswertes berichten. Zu einem lebendigen Gedankenaustausch, wie er auf einem realen Dorfplatz stattfindet, ist es aber bisher ebenso wenig gekommen wie in Altstätten.

Anfängliche Flamme ist bald erloschen

Altstättens Stadtpräsident Ruedi Mattle stellt ernüchtert fest, dass eine anfangs ansehnliche Flamme bald erloschen sei. Weil die erhoffte Nutzung ausblieb, hat der Stadtrat entschieden, Crossiety nach eineinhalb Jahren wieder aufzugeben. Der digitale Dorfplatz ist somit in Altstätten nur noch bis Ende Mai in Betrieb. Die in diesem Jahr noch anfallenden Kosten betragen knapp 10'000 Franken, für das letzte Jahr war eine Gebühr von 23'300 Franken zu bezahlen.

Balgach: «Zu früh für Standortbestimmung»

In Balgach sei es für eine Standortbeurteilung noch zu früh, sagt Gemeindepräsidentin Silvia Troxler, weil die Plattform hier erst letztes Frühjahr eingeführt worden sei. Die Zahl der eingetragenen Nutzerinnen und Nutzer ist mit 254 (Region: 1364) ansehnlich.

Silvia Troxler sagt, aufgrund der Einschränkungen wegen Corona habe sich noch kein Workshop zu Crossiety durchführen lassen, der es den Vereinen ermöglicht hätte, Crossiety und die mit diesem digitalen Dorfplatz verbundenen Möglichkeiten näher kennenzulernen. Für eine objektive Beurteilung, ob Crossiety in Balgach einem Bedürfnis entspreche und als hilfreiches Instrument genutzt werde, sei mehr Zeit nötig. Aus diesem Grund wird das Projekt in diesem Jahr fortgesetzt.