ALTSTÄTTEN: Samy zeichnet das Herz im Gesicht

Die Rheintal Medien AG ist mit einem Stand an der Rhema vertreten. Am Donnerstag hatte sie einen besonderen Gast: Samy. Er ist Karikaturist, porträtiert Gesichter und löst damit viel Freude aus.

Monika von der Linden
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Elisabeth Piuk lässt sich voller Ruhe und erwartungsvoll von Samy karikieren. (Bilder: Monika von der Linden)

Elisabeth Piuk lässt sich voller Ruhe und erwartungsvoll von Samy karikieren. (Bilder: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Eine Zeitung ohne Fotografien kann und will sich wohl kein Leser vorstellen. Sie stellen einen Teil dessen dar, was der Journalist im Artikel beschreibt – und sie regen dazu an, sich ein Bild vom behandelten Thema zu machen. Fotos setzen visuelle Akzente der jeweils erzählten Geschichte. Sie bilden Szenen genau so ab, wie das Auge sie sieht und die Kamera sie eingefangen hat.

Samy macht auch Bilder. Er bildet Gesichter ab, macht Por­träts. Sein Werkzeug ist nicht die Kamera, es ist ein Stift. Mit seiner Hilfe bringt er Karikaturen auf Papier.

Was eine Karikatur von einer Fotografie unterscheidet, erleben die Rhema-Besucher, die am Donnerstag auf ihrem Rundgang durch die Messe am Stand der Rheintal Medien AG innehalten und auf dem Stuhl gegenüber von Samy Platz nehmen.

Sie sieht nur die Mimik der Beobachter

Elisabeth Piuk aus Höchst wagt es, sich von Samy zeichnen, karikieren zu lassen. Sie ist ruhig und erwartungsvoll. Sie kann nicht sehen, was all die anderen Menschen am Stand beobachten. Sie sieht zwar, wie Samy ihr Gesicht studiert, nach dem Stift greift und zu zeichnen beginnt. Sie muss aber warten, bis das Werk vollendet ist.

In diesen wenigen Minuten kann Elisabeth Piuk nur das Mienenspiel der Beobachter verfolgen. Dann endlich legt Samy den Stift zur Seite, nimmt die Zeichnung von der Staffelei und zeigt sie seinem Model. Jetzt bekommt auch Elisabeth Piuk einen anderen Gesichtszug: Sie lächelt, freut sich über das Ergebnis. «Die Zeichnung schmeichelt mir. Es würde mich nicht stören, wenn ich wirklich so aussähe wie hier», sagt sie. «Das Porträt ist witzig. Samy hat meine Charakterzüge gut ausgearbeitet.» Ihr gefalle das verschmitzte Lächeln und der schlanke Hals. «Die Frisur hat er schöner gezeichnet, als sie ist.»

Verschenken möchte Elisabeth Piuk die Karikatur ihres Gesichtes nicht. Wahrscheinlich wird sie sie in ihrer Wohnung im Gang an die Wand hängen. «Dann sehe ich sie sofort, wenn ich nach Hause komme. Ihr Anblick wird mich daran erinnern, dass ich fröhlich sein möchte.» Das sei natürlich nicht immer der Fall.

Worauf schaut Samy, bevor seine Hand den Stift über das Papier tanzen lässt?

«Auf Augen, Nase, Mund und Herz», sagt er. Er bilde in seinen Karikaturen das Herz seines Gegenübers im Gesicht ab. «Ich sehe in den Augen und im Lächeln alles, was die Seele ausdrückt.»

«Spontanität schafft die bessere Realität»

An die vierzig Personen karikiert Samy am Donnerstag. Jedes Gesicht ist anders und er stellt auch jedes in ganz eigener Weise dar. Dabei kommt ihm seine jahrzehntelange Erfahrung zugute. Er überlegt nicht lange, denkt nicht strategisch, sondern legt schnell los. «Spontanität schafft die bessere Realität.» Das zu beherrschen, sei die grosse Kunst, meint er. «Zeichne ich spontan, wird das Werk stärker und schöner im Ausdruck.»

Gerne hat Samy es, wenn ein Gesicht nicht dem Standard, dem allgemein gültigen Schönheitsideal entspricht. «Dann habe ich etwas Neues zu zeichnen.» Je markanter ein Gesicht ist, je mehr es erzählt, desto lustiger wird das Porträt.

So wie Samy die Menschen sieht und sie zeichnet, gefällt den am Stand porträtierten Menschen sehr. Sie lächeln, strahlen, umarmen den Künstler. Hier und da bekommt er sogar ein Küsschen. «Die Freude der Leute gibt mir viel Energie», sagt er. Dann setzt er sich wieder auf seinen Hocker, greift zum Stift, schaut in ein Gesicht und zeichnet die nächste Karikatur.

Die Reporterin greift zur Kamera und fotografiert – für den Zeitungsartikel.