ALTSTÄTTEN: «Prestegg»-Geheimnis gelüftet

Zwei Fachleute auf dem Gebiet der Namensforschung haben herausgefunden, weshalb die «Prestegg» so heisst, wie sie heisst: Es ist eine schlichte Geländebezeichnung durch die damaligen Bewohner.

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Die historischen Räume der «Prestegg» verbergen einige Geheimnisse. Nun wurde die Herkunft des Namens geklärt. (Bild: Archiv/Gert Bruderer)

Die historischen Räume der «Prestegg» verbergen einige Geheimnisse. Nun wurde die Herkunft des Namens geklärt. (Bild: Archiv/Gert Bruderer)

Zu den ältesten und spannendsten Gebäuden in Altstätten gehört die «Prestegg». Die frühesten Bauteile stammen noch aus dem Mittelalter. Durch ein baugeschichtliches Gutachten konnten viele Geheimnisse rund um das Haus geklärt werden und der geplante Umbau wird sicher noch weitere Erkenntnisse liefern. Noch nicht gelöst wurde bisher die Herkunft und die Bedeutung des Gebäudenamens «Prest­egg».

Erstmals erwähnt wird der Hausname «Prestegg» von Hans Vogler dem Jüngeren. Er schreibt auf Seite 252 seines Hausbuchs, im Jahr 1531 – nach dem Sieg der katholischen Innerschweizer in der zweiten Schlacht bei Kappel – sei einer zum Obertor in Alt­stätten auf einem Pferd hereingeritten mit einem grossen Rosenkranz um den Hals «by minem hus, Prestegg, genant» und habe geschrien «Wo ist der Vogler, der strick ist im gemacht, daran er hangen muss».

Der Name blieb, doch die Bedeutung war stets unklar

Der Name «Prestegg» ist geblieben. Was er bedeutet, wussten die Leute jedoch nicht mehr. So führt Jakob Ritter in seinem Buch «Historische Bauten in Altstätten», aus: «Gehen wir zur Prest­egg hinauf. Woher ihr Name stammt, kein Archiv gibt darüber Auskunft». Andere spekulierten darüber, ob «Prestegg» allenfalls mit einer «presthaften, kranken Ecke der Stadtmauer» zu tun haben könnte oder mit einem Krankenhaus.

Sowohl Thomas Arnold Hammer als auch Stefan Sonderegger, zwei ausgewiesene Fachleute im Bereich der Namenforschung, führen den Namen «Prestegg» auf das althochdeutsche Wort «brestan» in der Bedeutung von «bersten, zerbrechen» und «egg» für «erhöhter Geländeteil, Berg, Burg» zurück.

Somit bedeutet «Prestegg» nichts anderes als ein auf verschiedenen Seiten abschüssiger, zum Teil erdbrüchiger Geländerücken. Diese Deutung des Ortsnamens entspricht auch der ­Topografie des Gebäudes. Auch wenn es wegen der Geschiebefracht des Brendenbachs in den letzten Jahrhunderten und Ge­ländeanpassungen zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Strassenbau oder der Zuschüttung der «Krottenmette», des früheren Feuerwehrweihers oberhalb der «Prest­egg», nicht mehr so gut erkennbar ist, fällt das ­Gelände vom Gemüsemarkt zur Obergasse deutlich ab.

Prestegg ist eine schlichte Geländebezeichnung

Das ist auch in der «Prestegg» und den Häusern in der Obergasse deutlich erkennbar, wo vom Niveau des Innenhofs der «Prestegg» beziehungsweise der Obergasse jeweils eine Treppe auf das Niveau des Gemüsemarktes führt.

Der Hintergrund des heutigen Gebäudenamens «Prestegg» ist also eine ganz schlichte Geländebezeichnung durch die damaligen Bewohner und Besiedler von Altstätten. Ursprünglich liegt vielleicht auch ein alter Flurname «egg» vor, der später mit dem ­Zusatz «Prest-» erweitert wurde und so zum Namen des dort 1488 errichteten Herrensitzes der Kaufmannsfamilie Mötteli von Rappenstein oder allenfalls bereits der vorher schon dort stehenden Stadtburg wurde.

Wann der Name genau entstanden ist und ob es sich zuerst um einen Flurnamen und dann um den Namen der Stadtburg und nachher des Herrensitzes der Mötteli von Rappenstein handelt oder ob er von Anfang an als Gebäudenamen diente, lässt sich derzeit mangels entsprechender Urkunden oder allenfalls archäologischer Befunde nicht klären.

Ein schickes Kleinod im Dornröschenschlaf

Auch die Herkunft und die Bedeutung des Namens würden zeigen, dass Altstätten mit der «Prestegg» über ein historisches und baugeschichtliches Kleinod verfügt, das unbedingt aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden sollte, schreibt die Museumsgesellschaft Altstätten: «Mit einer Nutzung als Zentrum für Geschichte und Kultur und für das Diogenes-Theater könnte dieses Ziel erreicht werden». (pd)