ALTSTÄTTEN: Noch nie Gezeigtes im Museum

Seit den Sommerferien zeigt das Museum Prestegg neue Auslagen. Es sind Objektgruppen aus dem Fundus, die bisher noch nie gezeigt wurden: Geräte und Apparate aus dem frühen bis mittleren 20. Jahrhundert, die Eingang in die Sammlung fanden.

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Im Museum werden Gerätschaften gezeigt, die noch nie zu sehen waren. (Bild: PD)

Im Museum werden Gerätschaften gezeigt, die noch nie zu sehen waren. (Bild: PD)

In dieser Museumssammlung sind über 20 Schreibmaschinen, diverse Rechenmaschinen, Radiogeräte, Plattenspieler, Fotokameras usw. Man stellt sich spontan die Frage: Muss, soll, will das Museum Altstätten diese Dinge sammeln? Ergibt sich eine Schreibmaschinen-Systematik wie in einem Schreibmaschinenmuseum (solche gibt es wirklich!)? Eine Radio-Apparate-Entwicklungsreihe? Aus technischer Sicht bleibt es aber doch immer Stückwerk, zufällige Beispiele aus der Entwicklung einer jeweiligen Apparatur. Ihr Eingang in die Museumssammlung war mehr dem Zufall als einer Sammelstrategie geschuldet.

Wiesmann-Nachlass im Museum Prestegg

Ein anderes Beispiel (in Raum 2) ist der beruflich-materielle Nachlass des Altstätter Arztes und Internisten am Spital Altstätten, Dr. Wiesmann (1925 – 2015). Seine Hinterlassenschaft ist im Museumsarchiv in mehreren originalen Arzt-Köfferchen aufbewahrt und wurde vom früheren Custos Peter Schaps fein säuberlich inventarisiert, Stück für Stück: Scheren, Klemmen, Pinzetten, Knochensägen, … Im Gegensatz zu den anonymen Schreibmaschinen untermalt dieser Bestand an Instrumenten – die an sich ebenfalls neutral, das heisst industriell gefertigt und damit völlig anonym sind – eine Biografie. Die Tatsache, dass der vormalige Besitzer der Objekte bekannt ist, verleiht den Dingen Bedeutung. Für das Museum ist dies sehr relevant. Eine Schreibmaschine Baujahr 1912 der Marke «Monarch» ist für ein Ostschweizer Museum nur interessant, wenn man weiss, dass sie (dieses reale Exemplar) dem Polizeikommandanten Grüninger im Jahre 1939 dazu diente, Dokumente zur Einreise jüdischer Flüchtlinge zu fälschen, oder so: Das Beispiel ist fiktiv. Die Ausstellung thematisiert also das Sammeln, stellt die Frage in den Raum, was ein Regionalmuseum sammeln soll und was nicht. Diese Frage wird auch an einem öffentlichen Podium gestellt werden: Anlässlich einer Matinée «Sammeln – wohin?» am 18. September, ab 10.30 Uhr.

Was soll ein Regionalmuseum sammeln?

Unter der Gesprächsleitung von Hanspeter Spörri diskutieren Thomas Fuchs, Kurator Museum Herisau, Birgit Langenegger, Kuratorin Museum Appenzell, Achim Schäfer, Sammlungsleiter des Historischen- und Völkerkundemuseums St. Gallen sowie Beat Gugger, internationaler Ausstellungsmacher (Vorarlberg Museum, Schlangenhaus Werdenberg u. a.) über Grundfragen des musealen Sammelns – mit einer Perspektive auf die Sammlungspolitik des Museums Prestegg in Altstätten. Eingeladen sind alle, die sich für das Museum – früher, heute, morgen – interessieren. Das Museum ist im Aufbruch und freut sich an allen, die begleiten und mittragen. (pd)

Sonntag, 18. September, 10.30 Uhr; Museum Prestegg, Altstätten: «Sammeln – wohin?» Ein öffentliches Podiumsgespräch mit Fachleuten für alle Museumsinteressierten.