Altstätten
Misstrauen, Emotionen und Menschenkenntnis: Unternehmerinnen geben spannende Inputs für Frauen in Führungspositionen

Rund 90 Frauen nahmen im Altstätter WZR am Netzwerk-Event für Rheintaler Unternehmerinnen teil. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung lautete «Was lohnt sich?». Drei Vortragende erzählten von ihren Erfahrungen bei der Leitung ihrer Geschäfte, bei der sie sich teils in Männerdomänen behaupten müssen.

Cécile Alge
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Auf dem Podium waren (v.l.) Tina Gautschi, Bettina Zinnert, Priska Jansen und Simone Mächler, die den Event initiierte.

Auf dem Podium waren (v.l.) Tina Gautschi, Bettina Zinnert, Priska Jansen und Simone Mächler, die den Event initiierte.

Bild: PD

Viele Rheintaler Unternehmen werden von Frauen geführt. Wie gross die Zahl ist, zeigte sich am fünften Event für Unternehmerinnen im Rheintal, der im WZR Rorschach-Rheintal in Altstätten stattfand und mit rund 90 Teilnehmerinnen aus den verschiedensten Branchen ausgebucht war.

Diesmal stand die Frage «Was lohnt sich?» im Zentrum des Events, der 2016 von Simone Mächler-Fehr initiiert wurde. Sie führt in Altstätten seit 15 Jahren die Fehr Agentur für Marketing GmbH und ist nicht nur im Rheintal bestens vernetzt. Auch diesmal hat sie drei Referentinnen mit fordernden beruflichen Aufgaben fürs Podium gewonnen.

Gefühle gehören im Unternehmertum dazu

Zu Gast war Priska Jansen, die zusammen mit ihrem Cousin das im Jahr 1923 gegründete Oberrieter Familienunternehmen führt. Sie berichtete unter anderem über das vergangene intensive Jahr, in dem sich die Jansen AG strategisch neu ausgerichtet hat und sich von der Autobranche verabschiedete. Jansen hat aber auch eine neue Firma gekauft und ist nun ganz auf die Baubranche ausgerichtet. Dazu sagt Priska Jansen:

«Für mich waren diese Schritte mit vielen Emotionen verbunden.»

Aber Emotionen gehören im Unternehmertum auch dazu und es lohne sich, diese zuzulassen. Ausserdem betonte sie, dass bei ihr – auch in schwierigen Zeiten – die Freude an der Arbeit und dem Unternehmen stets überwiege.

Frauen, die sich in Männerdomäne behaupten

Auf dem Podium zu Gast war auch Tina Gautschi, die in der sechsten Generation die St.Margrether Bauunternehmung Gautschi führt, Milizoffizierin in der Schweizer Armee ist und vor einem Monat erstmals Mutter wurde. Die 33-Jährige hat bereits ein weiteres Berufsfeld erschlossen, nämlich die Schadstoffsanierung. Dazu sagt sie:

«Auf dem Bau herrscht ein so enormer Preisdruck, da muss man sich spezialisieren.»

Und weil im Kanton St.Gallen erst drei Firmen in diesem Bereich tätig sind, rechnet sie sich für ihr Unternehmen gute Entwicklungschancen aus. Tina Gautschi ist die erste Frau an der Spitze der Gautschi Gruppe. Sie könne sich aber in dieser Männerdomäne gut behaupten. «Ausserdem habe ich im Militär praktische Dinge wie Menschenkenntnis und Anpassungsfähigkeit gelernt, die mir auch im Berufsleben zugutekommen.»

Geschäftsführerin von Hotels erlebt Misstrauen

Überraschungen gab es auch mit Bettina Zinnert aus Wengen. Die Berner Oberländerin war mit Leib und Seele Investmentbankerin, als ihr Vater vor sechs Jahren starb und sie – zusammen mit der Mutter – in seine Fussstapfen treten sollte. Und zwar als Geschäftsführerin von zwei Viersternehotels und einem Dreisternehotel – alle in Familienbesitz.

Sie erzählte von der Achterbahn der Gefühle, über die misstrauischen Mitarbeitenden, die plötzlich eine junge Chefin aus einer ganz anderen Branche hatten und wie sie mit den Jahren doch sehr gut in diese Rolle hineingewachsen sei.

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