ALTSTÄTTEN: Massiv mehr Mandate

Die Sozialen Dienste Oberes Rheintal (SDO) haben ein bewegtes Jahr hinter sich. Der Beitritt der Gemeinde Oberriet zum Zweckverband machte eine Personalaufstockung und den Wechsel in neue Räume nötig.

Max Tinner
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Endlich mehr Platz: SDO-Leiter René Breu (rechts) und Berufsbeistand Patrick Gall in den neuen Räumen der Sozialen Dienste Oberes Rheintal an der Rorschacherstrasse 1. (Bild: Max Tinner)

Endlich mehr Platz: SDO-Leiter René Breu (rechts) und Berufsbeistand Patrick Gall in den neuen Räumen der Sozialen Dienste Oberes Rheintal an der Rorschacherstrasse 1. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Seit Anfang 2016 sind die SDO auch für Oberriet zuständig und damit seitdem für alle Gemeinden des früheren Bezirks Oberrheintal. 400 Beistandschaften weisen die SDO für 2016 aus, gegenüber noch 313 im Jahr zuvor. Um die mit der Übernahme der Oberrieter Mandate anfallende zusätzliche Arbeit bewältigen zu können, wurde der Personalbestand der SDO um einen Berufsbeistand und eine Sachbearbeiterin aufgestockt.

Damit wurde es in den bis­herigen Räumen im ehemaligen Josefsheim definitiv zu eng. Die SDO hatten bereits zuvor für ­einzelne Mitarbeitende Arbeitsplatzprovisorien eingerichtet; für Sitzungen hatte man ausserdem seit Herbst 2014 ein Zimmer der benachbarten Suchtberatung zugemietet. «Die Platzverhältnisse und Arbeitsbedingungen waren mittlerweile prekär», stellt SDO-Leiter René Breu fest.

Dies hat sich Mitte letztes Jahr mit dem Umzug an die Rorschacherstrasse 1 geändert. Hier stehen den SDO nun über der UBS die Büros und Nebenräume zweier ganzer Etagen zur Verfügung. Auch die Anforderungen an die Sicherheit der SDO-Mitarbeitenden und an die Vertraulichkeit für die Klientel konnte so wieder auf einen zeitgemässen Standard gebracht werden.

Der Beitritt Oberriets zum SDO-Zweckverband der übrigen Oberrheintaler Gemeinden war zu Beginn der letzten Legislaturperiode noch nicht absehbar. Die 2012 für die Jahre 2013 bis 2016 gemachte Planung ist dadurch ­total über den Haufen geworfen worden. René Breu geht aber davon aus, dass die aktuelle mittelfristige operative und strategische Planung wieder verbindlicher sein wird und sich lediglich durch die Entwicklung der Mandatszahlen Abweichungen ergeben werden, die eben auch nur mit Vorbehalt kalkulierbar sind.

Schwankungen in der Statistik der SDO sind normal. Zugenommen haben aber nicht nur die im gesetzlichen Bereich geführten Mandate (Beistandschaften), sondern auch die von Einwohnern in einer Notlage freiwillig in Anspruch genommenen Betreuungen. Dies sind etwa freiwillige (nicht durch Gericht oder Kesb angeordnete) Besuchsrechtsregelungen für Eltern, die sich trennen, oder Budgetberatungen und Schuldensanierungen. Das freiwillige Dienstleistungsangebot ist vielfältig. 107 solcher Betreuungen wurden letztes Jahr verzeichnet gegenüber 101 im Vorjahr. Zum Vergleich: 2012 und 2013 waren es noch rund 70. Zu den Betreuungen hinzu kommen rund 150 Kurzberatungen, welche von 66 Einwohnern in Anspruch genommen worden sind. 27-mal waren dies Einmalberatungen; 39 Ratsuchende haben sich mehrmals beraten lassen.

Über 1 Mio. Franken Alimente bevorschusst

Deutlich zugenommen haben nach dem Anschluss der Gemeinde Oberriet auch die Alimentenbevorschussungen und Alimenteninkasso. Kamen in den zehn Jahren zuvor jährlich etwa 25 bis 30 Mandate neu dazu, betrug letztes Jahr der Zuwachs gleich 62 neue Mandate. Der Abgang blieb mit 17 Fällen hingegen deutlich unter den Vorjahren. Letztes Jahr mussten die SDO erstmals über 1 Mio. Franken an Alimenten für Kinder bevorschussen. Immerhin 61 % davon konnten aber auch wieder eingefordert werden.

Eine Veränderung ergibt sich mit dem Rücktritt Thomas Ammanns als Gemeindepräsident von Rüthi auch im Verwaltungsrat des SDO-Zweckverbands. Neuer Präsident wird per 1. April der bisherige Vizepräsident, Alexander Breu, Gemeindepräsident von Marbach. Neuer Vize wird der neue Rüthner Gemeindepräsident Philipp Scheuble.

Wenn alle Stricke reissen

Im Jahresbericht gehen die SDO jeweils auch auf einen Fachbereich vertiefter ein, um die Adressaten des Berichts – Behörden, Anwälte, Ärzte, andere soziale Institutionen und am Thema Interessierte – für die oft schwierige Arbeit der Berufsbeistände zu sensibilisieren. Im Bericht für das Jahr 2016 geht Berufsbeistand Patrick Gall auf die Fürsorgerische Unterbringung ein, also auf die Zwangseinweisung in eine Klinik oder in ein Heim.

Dies sei der schwerwiegendste Eingriff in die Freiheit eines Menschen und dürfe darum nur letztmögliche Massnahme sein: bei einer schweren psychischen Störung und wenn keine andere Betreuung mehr möglich ist und eine Verwahrlosung droht.

Fürs Umfeld – für Familienangehörige, aber auch Nachbarn – sei es zuweilen schwer verständlich, dass nicht zügiger interveniert werde. Ein Berufsbeistand könne aber eine Fürsorgerische Unterbringung nicht einfach von sich aus veranlassen, betont Patrick Gall. Die Zuweisung dürfe ausschliesslich von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), einem Amtsarzt oder vom Psychiatriezentrum Rheintal in Heerbrugg angeordnet werden. Und die erforderlichen Abklärungen brauchten ihre Zeit.

Mit der Einweisung sind die Probleme freilich nicht gelöst. Ziel sei stets, die betroffene Person so weit zu stabilisieren, dass sie nach Hause zurückkehren kann. Das Gefühl, wieder gut ­beieinander zu sein, könne aber trügerisch sein, sagt Patrick Gall. Immer wieder komme es vor, dass verschriebene Medikamente eigenwillig abgesetzt würden und es zu einer erneuten Eskalation komme. Schlimmstenfalls komme es zum Drehtüreffekt: Rein in die Klinik, raus und wieder rein …

Für die Berufsbeistände seien solche Mandate schwierig und auch persönlich belastend. Die SDO haben es fünf- bis zehnmal im Jahr mit solchen Mandaten zu tun. (mt)