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ALTSTÄTTEN: Lieber flicken als wegwerfen

700 Gegenstände sind dem Repair Café Rheintal seit der Eröffnung vor zwei Jahren zum Flicken gebracht worden. In zwei von drei Fällen waren die Reparateure erfolgreich, ganz oder teilweise.
Gert Bruderer
So viele Besucher wie am Eröffnungstag vor gut zwei Jahren kommen zwar nicht immer, aber dreissig sind es jeweils mindestens. (Bilder: Gert Bruderer)

So viele Besucher wie am Eröffnungstag vor gut zwei Jahren kommen zwar nicht immer, aber dreissig sind es jeweils mindestens. (Bilder: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Der Schwung aus der Anfangszeit ist noch vorhanden, es fehlt nicht an fleissigen, geübten Händen. Ihre Erfolgsquote ist ordentlich: Von 700 Artikeln konnten über 400 vollständig geflickt werden, der Schaden an weiteren 60 Artikeln liess sich wenigstens teilweise beheben.

Im Repair Café nehmen rund zwanzig Elektriker, Schreiner, Mechaniker, Schneiderinnen und andere Fachleute kaputte Gebrauchsgegenstände entgegen, um sie zu flicken. Es ist ein vergnüglicher Einsatz gegen die Wegwerfmentalität.

Als die Altstätter Roman Thurnherr und Hansjörg Graf das Repair Café im November 2015 eröffneten, wurde man regelrecht überrannt. Siebzig Besucher nutzten die Dienstleistung, auch im darauffolgende Herbst, am 2. Schweizer Reparaturtag, war der Besuch besonders gut. Schlecht ist er nie. Dreissig Gegenstände und mehr werden jeweils gebracht. Die durchschnittliche Zahl liegt bei 40.

Spenden sind willkommen

Die ehrenamtliche Arbeit unterstützt der Konsumentenschutz. Auch nach Altstätten floss anfangs ein bisschen Geld, doch das ist nicht mehr nötig. Die unaufdringlich bereit stehenden Kässeli, die es erlauben, die gute Sache zu unterstützen, werden stets angenehm voll. Pro Reparatur werden durchschnittlich etwa zehn Franken gespendet. Aber es gibt immer wieder Besucher, die den nicht selbstverständlichen Einsatz der Reparateure mit einem grösseren Nötchen belohnen.

Die Spenden verwendet das Repair Café für Drucksachen und Kleinmaterial, ausserdem wird für das Restaurant eingekauft, wo der Gast sogar für den Konsum nichts zu bezahlen hat. Der Schule Wiesental, in deren Werkstatt das Repair Café jeweils stattfinden darf, wird ein symbolischer Jahresbeitrag von 150 Franken entrichtet. Ein besonderer Ausgabenposten ist die Verdankung der ehrenamtlichen Arbeit: Einmal pro Jahr gehen die rund zwanzig Helferinnen und Helfer gemeinsam essen, verbringen sie einen schönen Abend zusammen.

Auf dem aktuellen Flugblatt mit den Terminen für 2018 findet sich die fett hervorgehobene Bemerkung, Kaffeemaschinen seien von der Reparatur ausgeschlossen. Das hat mit der Konstruktion dieser Geräte zu tun, die eine Reparatur schier unmöglich machen. So lässt sich etwa das Gehäuse oft nicht öffnen, oder Ersatzteile sind nicht erhältlich.

Arbeit dient auch Konsumentenschutz

Erfahrungen dieser Art begründen das Interesse des Konsumentenschutzes an Repair Cafés. Diese erfassen die Reparaturen und schicken die Daten nach Bern. Fällt ein Gerät dadurch auf, dass es oft auf die gleiche Weise den Dienst versagt, ist es dem Konsumentenschutz möglich, sich an den Hersteller zu wenden.

Die Zahl der erhobenen Daten aus den Repair Cafés ist zwar zu klein für die systematische Überwachung des hierfür viel zu grossen Produktangebots. Hie und da jedoch ist es dem ­Konsumentenschutz möglich, erfolgreich einzugreifen.

Vor wenigen Jahren habe ein Toaster-Modell die Aufmerksamkeit des Konsumentenschutzes erregt, weil bei normalem Betrieb der Schalter oft durchgebrannt sei, sagt Raffael Wüthrich vom Konsumentenschutz Schweiz. Die Intervention bei der Herstellfirma habe bewirkt, dass diese den Repair Cafés die Ersatzteile kostenlos zukommen liess.

Neu mit eigener Webseite

Das Altstätter Repair Café Rheintal war 2015 zweimal geöffnet, 2016 neunmal, 2017 achtmal und ebenso oft wird es 2018 geöffnet sein. Seit einem Jahr sind die Termine in den Gemeinden von Au bis Rüthi auf den Gemeinde-Webseiten erfasst, und neuerdings hat das Repair Café eine eigene Webseite.

Roman Thurnherr sagt, die Besucher kämen auch zahlreich von ausserhalb, aus Oberriet etwa, und verhältnismässig viele stammten aus dem Mittelrheintal. Sei eine Reparatur aufwendig, könne man das kaputte Gerät auch zum Flicken zurück­lassen und beispielsweise beim nächsten Mal abholen.

Das anhaltende Interesse am Rheintaler Repair Café freut Roman Thurnherr und Hansjörg Graf. Ebenso froh stimmt sie die Freude der Reparateure, die mit Leidenschaft unnötigen Abfall vermeiden helfen. Und bringt zwischendurch mal jemand einen Uralt-Gegenstand vorbei, an dem er hängt, und lässt sich dieser nicht mehr flicken, liegt ein Kommentar wie dieser nahe: «Aber ‘s isch guet, han i ‘s probiert, jetz chan i ‘s wenigschtens mit guetem Gwüsse fortwörfe.»

Hinweis Repair Café Rheintal, Schulhaus Wiesental in Altstätten (Werkraum), 2018 an folgenden Tagen jeweils von 13.30 bis 16.30 Uhr geöffnet: 27. Januar, 24. März, 5. Mai, 23. Juni, 18. August, 22. September, 27. Oktober, 8. Dezember.

www.repair-cafe.ch

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