ALTSTÄTTEN: «Leben ist, wo Licht reinkommt»

Die Forstequipe der Melioration der Rheinebene hat den Windschutzstreifen am Stadtbach ausgeholzt. Viel zu radikal, findet Max Matt. Er sieht eine naturnahe Bachlandschaft zerstört. Die Melioration verneint dies.

Max Tinner
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Im Windschutzstreifen am Stadtbach hat es nach der Durchforstung einige grössere Lücken. Sie werden bald wieder zuwachsen, verspricht Simon Zürcher, Leiter Kulturen der Melioration der Rheinebene. (Bild: mt)

Im Windschutzstreifen am Stadtbach hat es nach der Durchforstung einige grössere Lücken. Sie werden bald wieder zuwachsen, verspricht Simon Zürcher, Leiter Kulturen der Melioration der Rheinebene. (Bild: mt)

Max Matt ist schockiert. «Es sieht aus, als hätten am Stadtbach Vandalen gewütet», schreibt er der Redaktion unserer Zeitung. Die Rede ist vom Windschutzstreifen entlang des Stadtbachs zwischen der Bahnlinie und dem Kiessammler Widen, kurz bevor der Stadtbach bei der Altstätter Kläranlage in die Rietaach mündet. Die Forstequipe der Melioration der Rheinebene hat den Windschutzstreifen auf diesem Abschnitt durchforstet.

Nach Ansicht Max Matts freilich viel zu rabiat. «Hier ist ein kleines Naturparadies – eine selten schöne, naturnahe Bachlandschaft – praktisch auf einen Schlag zerstört worden», meint er und spricht von einer «radikalen Rodung», die nicht mehr rückgängig zu machen sei. Der Windschutzstreifen ist allerdings nicht komplett abgeholzt worden. Er weist aber tatsächlich einige grössere Lücken auf. Förster Simon Zürcher, Leiter Kultur bei der Melioration der Rheinebene, versteht darum, dass man den Eindruck haben kann, hier sei zu radikal eingegriffen worden. Das scheine schnell einmal so, sei aber nicht so, sagt er. Üblicherweise werde ein Windschutzstreifen so alle zehn bis 15 Jahre durchforstet. Hier sei dies aber schon viel länger nicht mehr geschehen. Die letzte Durchforstung liege Jahrzehnte zurück. Deswegen seien die Bäume mittlerweile sehr dicht gestanden. An einer Stelle wurde eine Stromleitung freigestellt. Ausserdem habe man sämtliche Bäume gefällt, die im Hochwasserprofil des Bachs gewachsen sind; hauptsächlich waren dies Weiden und Erlen. An einigen Stellen benötigte man auch Platz, um gefälltes Schwachholz zwischenzulagern, das in den nächsten Wochen vor Ort zu Hackschnitzeln für die Altstätter Fernheizung verarbeitet werde. Beim Anzeichnen habe er ausserdem besonders darauf geachtet, den ökologisch wertvollen Eichen wesentlich mehr Platz zu verschaffen, erklärt Simon Zürcher. Ihnen seien teils später aufgekommene Bäume bereits in die Kronen hinein gewachsen.

Hier beim Durchforsten zaghaft in einen Baumbestand einzugreifen, nütze nur wenig. Nach zwei, drei Jahren bestünde bereits wieder Handlungsbedarf. Zürcher erinnert auch daran, dass der Natur lichte Flächen viel mehr nützen als dicht zugewachsene: «Leben entsteht dort, wo Licht reinkommt», erklärt er.

Der Eingriff wirke für Laien auch deshalb so stark, weil er in der Vegetationsruhe ausgeführt wurde. Sobald Bäume und Sträucher wieder austreiben würden, werde der Eindruck ein anderer sein, verspricht der Förster. In den offenen Flächen werde sich im Verlauf des Sommers bald wieder eine Strauchschicht bilden. In den grössten Lücken werde man zudem vereinzelt Jungbäume setzen, eventuell Wildkirsche, die nicht nur ökologisch wertvoll, sondern wegen ihrer frühen Blütezeit auch fürs Auge besonders attraktiv sei, was gerade an einem viel begangenen Weg wie hier entlang der Schrebergärten geschätzt werden dürfte.

Max Tinner