ALTSTÄTTEN: Kunst begreifen im Frachtcontainer

Urs Felber ist Lehrer und Holzbildhauer. Am Wochenende vom 25. und 26. November stellt er seine Werke in seiner eigenen transportablen Galerie aus – in einem ausrangierten Schiffscontainer, den er umgebaut hat.

Max Tinner
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«Man muss sie berühren – sonst begreift man sie nicht.» Urs Felber mit Holzskulpturen in seinem Ausstellungscontainer. (Bild: Max Tinner)

«Man muss sie berühren – sonst begreift man sie nicht.» Urs Felber mit Holzskulpturen in seinem Ausstellungscontainer. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Berühren verboten? Im Gegenteil! Urs Felber fordert sogar auf, seine Werke anzufassen und die Form der Skulpturen und die Struktur des Holzes zu erfühlen. «Tut man es nicht», sagt er, «nimmt man eine wesentliche Dimension der Figuren nicht wahr.»

Felber ist Sekundarlehrer. Eigentlich Mathematiker. In Altstätten ist er aber seit seiner Anstellung vor bald einmal 20 Jahren Werklehrer. Seinen Schülern bringt er durchaus auch bei, wie man Metall bearbeitet. Wenn er aber privat seine künstlerische Ader auslebt, arbeitet er am liebsten mit Holz. An die 30 Skulpturen wird er am 25. und 26. November zeigen. Entstanden sind sie über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Sie stellen überwiegend Menschen dar. Einzeln oder auch als Gruppe, ein Frauentorso ist dabei, ein tanzendes Paar – «es tanzt einen Tango», präzisiert Felber – oder eine Gruppe aus drei Frauen, eine «Dreisamkeit» dreier Schwestern. Speziell an diesen Werken, die Gruppen darstellen, ist: Es sind keine zueinander gestellten Einzelskulpturen, sondern aus einem einzigen Stamm herausgearbeitete, sozusagen zusammengewachsene Figuren.

Kunst, die vor allem eines soll: Freude bereiten

Bei der Arbeit mit dem Holz lässt sich Urs Felber oft von der gewachsenen Form leiten, die er abwandelt und zu dem macht, was er im jeweiligen Werkstück sieht. Manchmal zwingt er dem Holz aber auch eine neue Form auf. Etwa beim «Gefalteten Brett», bei dem es ihn reizte, etwas Unmögliches Realität werden zu lassen. Grundsätzlich ist es keine provozierende Kunst, stellt Felber fest. «Ich will Freude bereiten, nicht aufregen», sagt er.

Urs Felber hat zwar eigenen Wald. Für seine Werke verwendet er aber meist Holz von Bäumen, die irgendwo weg mussten. Weil sie einer Überbauung im Weg standen. Oder weil sie im Zuge einer Durchforstung gefällt wurden. Eingewachsene Äste oder Verletzungen wie Frostrisse, wegen denen man das Holz sonst lediglich noch als Brennholz nutzen könnte, freuen ihn. Sie geben dem Werkstück Struktur und Charakter. Und sie regen die Fantasie des Künstlers an – und wohl auch jene der Betrachtenden.

Ausstellen wird Urs Felber seine Werke in seiner eigenen kleinen Galerie: in einem ausrangierten Frachtcontainer, den er auf dem Areal der PWB abstellen durfte. Es ist ein 40-Fuss-High­cube-Container, rund zwölf Meter lang, zweieinhalb Meter breit und mit 2,9 Metern etwas höher als ein üblicher Standardcontainer. Er hat ihn vor einiger Zeit von einer Firma auf dem Viscose­areal kaufen können. Als die Firma dort einzog, stand der Container als Hinterlassenschaft früherer Nutzer noch rum.

Faszinierend multifunktional

Felber fasziniert es, wie mit diesen genormten Stahlboxen weltweit Güter verschoben werden, wie stabil und dauerhaft sie sind – und wie vielfältig sie noch genutzt werden können, selbst wenn sie irgendwann einmal so lädiert sind, dass sie für den ­Gütertransport nicht mehr zu ­gebrauchen sind. Als Lager. Oder ausgebaut sogar gar als Wohnraum. Oder eben als Galerie. Dafür hat Urs Felber eine Seitenwand aufgetrennt und eine Pa­noramascheibe eingebaut.

Bei dieser ersten Ausstellung in seiner Frachtcontainergalerie – der ArtCor17, wie er sie nennt –soll es nicht bleiben. Die 17 deutet bereits an, dass jährliche Folgeausstellungen angedacht sind. Felber lässt dabei offen, wer künftig ausstellt. Er stellt den Container gern auch andern Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung. Ausstellungen müssen nicht einmal zwingend in Altstätten stattfinden. Der Container taugt zwar nicht mehr für den internationalen Warentransport – als Galerie ist er aber immer noch transportabel.

Hinweis

Die Ausstellung mit Holzskulpturen von Urs Felber ist am Samstag, 25. November, von 16 bis 22 Uhr sowie am Sonntag, 26. November, von 14 bis 18 Uhr an der Unterfeldstrasse zu sehen. (Die Unterfeldstrasse zweigt zwischen der Zünd Systemtechnik und dem Fitnesscenter Nöllen von der Industriestrasse ab.)