ALTSTÄTTEN: Kulturen verbinden

Der Altstätter Arzt Kuswara Halim blickt auf ein reiches und erfülltes Berufsleben zurück. Er blieb Indonesier und ist doch Ostschweizer geworden.

Max Pflüger
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Dr. med. Kuswara Halim ist ein Altstätter aus Indonesien. (Bild: Max Pflüger)

Dr. med. Kuswara Halim ist ein Altstätter aus Indonesien. (Bild: Max Pflüger)

Dr. med. Kuswara Halim, Spezialarzt für Chirurgie FMH, gab dieses Jahr seine Praxis in Altstätten auf. Am 14. November eröffnete sein Nachfolger, Dr. med. Michael Kodsi, die neue Praxis im Freihof-Komplex an der Churerstrasse. In einem Gespräch erzählte Kuswara Halim aus seinem Leben: «Mein Weg war ein Geschenk Gottes: Immer wieder hat er mich geführt und geleitet, mein Leben war bestimmt von glücklichen Zufällen und Fügungen. Ich bin dankbar»

In der Schweiz und in Indonesien zu Hause

Der Indonesier ist längst in der Schweiz angekommen. Er hat in der Stadt St. Gallen das Bürgerrecht erworben und später auch das Altstätter Bürgerrecht erhalten. Mit einem Bein ist er allerdings immer Indonesier geblieben. «In meiner Brust schlagen zwei Herzen», meint Kuswara Halim. Es war ihm daher auch immer ein Anliegen, zwischen den beiden Ländern Brücken zu schlagen. Zum Beispiel durch die Vermittlung von Besuchen der indonesischen Botschafterin in Altstätten 2009 und 2016. Ebenso durch die Organisation einiger Konzerte mit dem indonesischen Chor Mia Patria im Rheintal. Brücken schlug er aber auch, in dem er immer wieder Freunde und Bekannte aus der Schweiz auf Reisen in seine Heimat mitnahm. Wirtschaftliche Fäden knüpfte Halim zwischen der Schweizerischen Hotelkette Mövenpick und seinem Bruder, der auf Bali ein Hotel eröffnete.

Der Weg nach Europa und Altstätten

Kuswara Halim ist Indonesier, geboren und aufgewachsen in der Hauptstadt Jakarta. Er besuchte dort die Schulen und schloss seine Schulausbildung mit der Matura ab. Dann schickte ihn sein Vater zum Studium nach Europa, zuerst nach Deutschland zum Erlernen der Sprache und dann an die Universität Wien. Dort schloss er in den Siebzigerjahren sein Medizinstudium ab.

Vor seiner eigentlich geplanten Rückkehr nach Indonesien wollte Halim vorerst noch praktische Erfahrungen sammeln. Doch seine erste Zeit in Wien enttäuschte ihn. «Ich durfte zu wenig selbst machen und beschloss daher, meine praktische Ausbildung in der Schweiz abzuschliessen. Denn die Schweiz kannte ich von den Geschäftsbeziehungen meines Vaters her als zuverlässiges und seriöses Land. Ich dachte: Ich probiere es und bewarb mich aktiv am Kantonsspital St. Gallen.» Dieses Bewerbungsschreiben war übrigens das einzige in seinem Leben. Alle weiteren Wege und Stationen ergaben sich für ihn eines aus dem anderen und fügten sich nahtlos aneinander.

«1985, nach der Assistentenstelle am Kantonsspital St. Gallen beim hervorragenden Chirurgen Professor Dr. Rudolf Amgwerd, wollte ich dann endgültig heim nach Indonesien. Doch Professor Amgwerd hatte andere Pläne für mich. Zusammen mit Dr. Wolfgang Kessler sollte ich die damals noch unbedeutende Chirurgie am Spital Altstätten weiterentwickeln. Aufbauarbeit, das erschien mir eine wertvolle Erfahrung für meine künftige Tätigkeit in Süd-Ostasien. Für zwei Jahre sagte ich daher zu. Und daraus wurden dann sechs Jahre.»

Neue Lebenssituation führt zur eigenen Praxis

Inzwischen hatte sich die Lebenssituation verändert. Kuswara Halim hatte 1970 die Ärztin Anindita Djuanda geheiratet und in der Stadt St. Gallen das Schweizer Bürgerrecht erworben sowie die medizinischen Fachprüfungen nachgeholt. Denn damals waren die Wiener Universitätsabschlüsse in der Schweiz noch nicht anerkannt.

Engagement in der Berit Klinik, Niederteufen

Kuswara und Anindita Halim wurden Eltern von vier Kindern. Der jüngste Sohn David verstarb bereits im Alter von fünf Wochen. Die Tochter Sarah, die 2002 an der Universität Zürich ihr Medizinstudium mit dem Staatsexamen abgeschlossen hatte und als Assistenzärztin am Kantonsspital Aarau tätig war, verstarb im Alter von 27 Jahren nach einem Skiunfall ebenfalls allzu früh. Samuel ist promovierter Nanotechnologe ETH und führt eine eigene Firma, Deborah wurde Krankenschwester und arbeitet heute in Los Angeles.

Damals, 1991, waren die Kinder noch klein und standen am Anfang ihrer Ausbildung. Sie waren alle in der Schweiz geboren und in der Schweiz zu Hause. So beschloss Kuswara Halim, doch nicht in die Heimat zurückzugehen, sondern eröffnete in Altstätten eine eigene Praxis. Seine Gattin, sie stammt aus einer Ärztefamilie, begleitete ihn dabei und eröffnete in den gleichen Räumlichkeiten ihre eigene Praxis als Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Gynäkologie. Als Chirurg operierte Kuswara Halim viele Jahre an der Berit Klinik in Niederteufen. Operationen, die keine Vollnarkose benötigen, führte er in seiner Praxis in Altstätten durch.

Aber auch in seiner Tätigkeit in der Berit Klinik sah sich Halim als Brückenbauer zwischen den Kulturen. Hier begründete er 1999 ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin TCM. Akupunktur, Akupressur und Heilkräutertherapie sah Halim jedoch nicht als allheilende Wunderwaffe, sondern als wertvolle Ergänzung zur westlichen Schulmedizin, insbesondere bei der Schmerzbehandlung.

Patienten sind zu Freunden geworden

Seine eigene Praxis hat Kuswara Halim aufgegeben. Er hilft jedoch zurzeit noch dem Altstätter Orthopäden Felix Buschor bei dessen Operationen mit.

Ein grosses Anliegen ist ihm heute, seinen ehemaligen Patienten für das entgegengebrachte Vertrauen zu danken: «Aus vielen Arzt-Patienten-Verhältnissen sind Freundschaften entstanden. Und die darf ich nun im meinem dritten Lebensabschnitt weiterhin geniessen und pflegen.»