ALTSTÄTTEN: Kleiner gehts nicht

Die Diskussion während einer Begehung zum Tobelbachprojekt zeigte, dass manch einer bereit wäre, auf Schutz zu verzichten, wenn nur der Waldpark bliebe, wie er heute ist. Doch das ist für Planer und Behörden nicht diskutabel.

Max Tinner
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Bauvisiere und Pläne zeigen momentan vor Ort, was gebaut werden soll. Und ja: Auch der eine oder andere Baum wird für den Bau der Bachsperren und der Unterhaltsstrasse gefällt werden müssen. (Bild: Max Tinner)

Bauvisiere und Pläne zeigen momentan vor Ort, was gebaut werden soll. Und ja: Auch der eine oder andere Baum wird für den Bau der Bachsperren und der Unterhaltsstrasse gefällt werden müssen. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Nach der Abstimmung vom 21. Mai liegt das Wasserbauprojekt für den Tobelbach nun bis 11. Juli im Rathaus auf. So lange bleiben im Waldpark auch die Bauvisiere stehen, die kurz vor der Abstimmung ausgesteckt worden sind. Orange gekennzeichnete Pflöckli markieren Veränderungen am Geländeverlauf, rote die Linienführung der Naturstrasse für den Unterhalt, grüne Visiere die Baulinien der neuen Bachsperren und blaue den Verlauf von Leitwerken, die nötig sind, um ein seitliches Unterspülen der Sperrenflanken zu verhindern.

Ebenfalls ausgesteckte Pläne veranschaulichen zwar, wie die Bauten aussehen sollen. Bekommt man das Projekt aber vor Ort erklärt, kann man es sich besser vorstellen. Das ging auch jenen so, die am Donnerstag an der Begehung teilnahmen, zu der die Stadt eingeladen hat. Unter ihnen waren auch Gegner des Projekts. Zumindest einige von ihnen liessen sich mit den Erklärungen aber nicht umstimmen, sondern wurden eher noch in ihrer Meinung bestärkt.

Zu gross, zu hässlich

Nach wie vor sind ihnen die neuen Betonsperren, mit denen man die heutigen Bruchsteinsperren ersetzen will, zu hässlich und zu gross – im Besonderen die hinterste, die 30 Meter breit und über sechs Meter hoch wird, damit sie 6000 m3 Kies und Holz zurückhalten kann. Nach Ansicht der Gegner sollte man den Geschieberückhalt statt mit einer Sperre mit einem Rückhaltenetz realisieren, wie man es zur Erhöhung der Rückhaltekapazität auch am Brendenbach montiert hat. Und die andern Sperren sollte man ihrer Meinung nach wieder aus Bruchsteinen bauen.

Für Ingenieur Reto Walser ist weder das eine noch das andere eine vernünftige Option. Bruchsteinmauern für dieselbe Leistung würden doppelt so dick. Als Folge falle auch doppelt so viel Aushub an, was in der Folge während der Bauzeit mehr Platz zum Zwischenlagern vor Ort erfordere. Und ein Rückhaltenetz ist für Walser hier «aus verschiedenen Gründen» keine Lösung. Namentlich nannte er die seitliche Abspannung, die nötig sei, aber im Weg wäre; nicht zuletzt der Zufahrt hinters Netz, die nötig ist, um es nach einem Unwetterereignis auch wieder zu leeren.

In Frage stellten die Gegner weiter sowohl das Ausmass eines Hochwassers an diesem Bach als auch das Schadensausmass. Anders als beim Brendenbach, unter dem die ganze Altstadt liege, seien hier doch wesentlich weniger Liegenschaften betroffen, argumentierten sie. Ob es denn nicht nur um den Schutz von Sachwerten gehe und Menschenleben gar nicht gefährdet seien. Und ob die Annahmen für ein 100-jähriges Hochwasser nicht zu streng angesetzt seien. All dies würde nach Ansicht der Gegner für eine kleinere Verbauung sprechen.

Doch das ist weder für Planer Reto Walser noch für Stadtpräsident Ruedi Mattle diskutabel. Die Bemessung auf ein statistisch alle 100 Jahre auftretendes Hochwasser sei vom Kanton vorgegeben.

Bachputzeten reichen nicht aus

Das Unwetter von 2014 habe zudem gezeigt, dass die Gefahrenkarte zumindest für den Brendenbach recht genau stimmt. Und jenes sei lediglich ein etwa 35-jähriges Hochwasser gewesen. Das Problem sei auch nicht das Wasser gewesen, sondern das vom Bach mitgeführte Holz. Am Tobelbach wäre Ähnliches möglich, meinte Reto Walser. Dann müssten doch nur die Bäche häufiger von Holz geräumt werden, wurde entgegnet. Es würde nur wenig bringen, antwortete Walser: «Sämtliche Bachputzeten nützen wenig, wenn Böschungen samt Bäumen in den Bach abrutschen.»

Ziemlich genau 50 Interessierte kamen an die Begehung. Manch einer meinte, die Verantwortlichen der Stadt hätten gescheiter schon früher dazu eingeladen, sprich vor der Abstimmung vom 21. Mai. Ruedi Mattle betonte, dass das Vorgehen der Stadt rechtens war. Bei den weiteren, noch bevorstehenden Bachprojekten werde man aber wohl umgekehrt vorgehen und zunächst das Bauprojekt auflegen und dann erst über dessen Finanzierung abstimmen lassen.

Im Fall des Tobelbachprojekts hätte auch dieser Verfahrensablauf kaum etwas geändert. «Für einige wenige Parzellen im Gefahrenbereich macht man den ganzen Waldpark kaputt», hiess es auch nach der Begehung noch. Man darf also davon ausgehen, dass nebst der angekündigten Abstimmungsbeschwerde auch noch die eine oder andere Baueinsprache eingereicht wird.

Hinweis

Informationen zum Tobelbach-Projekt und weiteren vorgesehenen Bachausbauten findet man auf der Homepage der Stadt Altstätten unter www.altstaetten.ch> Altstätten Aktuelles > Projekte > Bachprojekte