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ALTSTÄTTEN: «Jedes Problem ruhig angehen»

Die neue Kesb-Chefin heisst Judith Schneider, wohnt in Chur und nennt es als ein Ziel, «so wenig Massnahmen wie möglich ergreifen zu müssen».
Gert Bruderer
Judith Schneider, die neue Leiterin der Kesb Rheintal, nennt eine menschenfreundliche Haltung als Grundvoraussetzung für die Arbeit ihrer Behörde. (Bild: Gert Bruderer)

Judith Schneider, die neue Leiterin der Kesb Rheintal, nennt eine menschenfreundliche Haltung als Grundvoraussetzung für die Arbeit ihrer Behörde. (Bild: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Die 56-Jährige ist die Nachfolgerin von Christina Manser, die seit letztem Monat das kantonale Amt für Soziales leitet. Judith Schneider ist zwar in Mels auf­gewachsen, hat jedoch – wie ihr Nachname vermuten lässt – ei­- ne enge Beziehung zu unserer Region. Sie ist eine gebürtige Rüthnerin, die Mutter kommt von Oberriet, weshalb die neue Kesb-Leiterin im Rheintal viele Verwandte hat.

Fast drei Jahrzehnte lang unterrichtete Judith Schneider als Volks- und Berufsschullehrerin. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte sie Erziehungswissenschaft an der Uni Zürich, ausserdem Soziologie und Philosophie.

Im Sarganserland bei der Kesb begonnen

Zur Kindes- und Erwachse­nenschutzbehörde kam Judith Schneider im Jahr 2013 – mit der Gründung der Kesb Sarganserland. Sie war dort Vizepräsidentin und wurde dieses Jahr zum Behördenmitglied für den Kinderschutz der Kesb Rheintal gewählt. Den Bewerbungsprozess für die Stelle als neue Kesb-Leiterin hatte sie «ganz normal» zu durchlaufen – das sei nur fair, sagt Judith Schneider. Die Kesb Rheintal, die ihre Büros im Alt-stätter Rathaus hat, wird von ihr seit 1. Dezember geführt.

Die Arbeit der Kesb beschreibt Judith Schneider, um Reduktion aufs Wesentlichste gebeten, kurz und bündig so (nachdem sie vorausgeschickt hat, dass sie auf Fachbegriffe wohl besser verzichte): Aufgrund einer Gefährdungsmeldung oder durch eine Fachperson werde geklärt, was jemand in einer schwierigen Situation brauche. Je nach Fall würden zum Beispiel die Sozialen Dienste oder eine Beratungsstelle einbezogen – oder die Kesb beschliesse, falls es nicht anders gehe, eine Massnahme, für deren Durchführung dann aber nicht mehr die Kesb zuständig sei.

Besuchsrecht ist gerade grosses Thema

Von Judith Schneiders neuem Büro fällt der Blick auf die Hauptstrasse, auf die katholische Kirche und den Rathausplatz mit dem weihnachtlich geschmückten Tannenbaum. Gerade jetzt, vor den Festtagen, hat die Kesb oft mit der Frage zu tun, wo ein Kind diese Tage verbringt.

Generell sei das Besuchsrecht eines der hauptsächlichen Themen. Vor Weihnachten drängt zwangsläufig die Zeit – Vater, Mutter, Rechtsvertreter und Verwandte wenden sich an die Kesb, telefonieren, schicken E-Mails, oft sehr emotional. Bleibt die von der Kesb erhoffte Einigung aus, hat die Behörde einen Entscheid zu fällen und eine Verfügung zu schreiben.

Dies nicht tun zu müssen, sei der Kesb immer lieber, sagt Judith Schneider.

Die Chefin leistet selbst auch Fallarbeit

Judith Schneider liegt daran, jedes Problem ruhig anzugehen. Sie sagt, was jeder sagt, der Menschen mit Problemen hilft: dass es um diesen Menschen und um seine Interessen gehe, die zu wahren seien.

Neben Besuchsrechtskonflikten sind jene Lebenssituationen ein typisches Kesb-Thema, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt, wobei vielleicht auch Suchtprobleme eine Rolle spielen. Ausserdem kann elterliche Überforderung zum Einbezug der Behörde führen.

Erwachsene können auf Kesb-Hilfe angewiesen sein, wenn sie ihre Urteilsfähigkeit verlieren (etwa bei Demenz) oder psychisch erkranken. Besonders wichtig sei Einfühlungsvermögen, sagt Judith Schneider. Respekt und das Verständnis für bestimmte Lebensumstände verbindet sie ebenfalls zwingend mit der Arbeit ihrer Behörde, die vorbehaltlos mit einer menschenfreundlichen Haltung einher zu gehen habe. Als jemand, der sehr gern mit Menschen zu tun hat, verband Judith Schneider bereits ihre Bewerbung mit dem ausdrücklichen Wunsch, selbst auch mit konkreten Fällen betraut zu sein und Probleme zu lösen.

Vertrauen ist Grundvoraussetzung

Wer Fallarbeit leiste, bleibe am Ball und gewinne neue Erfahrungen, sagt Judith Schneider. Das schärfe das Bewusstsein und führe letztlich zu besseren Lösungen.

Zu stärken sei auch das Bewusstsein der Bevölkerung. Nicht wenig Kinder und Erwachsene gerieten in schwierige Situationen, Gewalt in der Familie zum Beispiel sei verbreiteter, als viele dächten, sagt sie.

Wegen häufig negativer Berichterstattung über die Kesb habe das Image der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gelitten. Judith Schneider nimmt einen Vertrauensverlust wahr, was sie für umso bedauerlicher hält, als für die Arbeit der Kesb Vertrauen eine Grundvoraussetzung sei.

Drohungen widerstehen

«Wenn es uns gelingt, das Vertrauen der Beteiligten zu gewinnen, gelingt die Zusammenarbeit besser», sagt die neue Leiterin; es sei dann «eher eine Lösung im Sinne jenes Menschen erreichbar, um den es geht und der Hilfe braucht».

Die teils gegen die Kesb geschürte Stimmung erschwert zwangsläufig die Arbeit. Unter Umständen geht es in einem konkreten Fall auch darum, als Kesb-Mitarbeiter einer Drohung mit dem Einbezug der Medien zu widerstehen und sich ebenso wenig von Verlautbarungen in Sozia­- len Medien oder von Gewaltandrohungen einschüchtern zu lassen. Solche Vorfälle, sagt Judith Schneider, habe sie selbst schon vereinzelt erlebt.

Bei der Kesb Rheintal, die für den Wahlkreis und somit die Gemeinden von Rüthi bis Rheineck zuständig ist, arbeiten 16 Personen, deren Pensen insgesamt elfeinhalb Vollzeitstellen entsprechen. Zusätzlich beschäftigt die Kesb jedes Jahr zwei Praktikanten (je einen oder eine in der Kanzlei bzw. als Auditor) sowie – im halbjährlichen Wechsel mit der Stadt Altstätten – einen Lernenden bzw. eine Lernende.

Die Kesb-Chefin kommt mit dem Zug

Judith Schneider, die in einer Partnerschaft lebt und zwei eigene Töchter im Alter von 26 und 28 Jahren hat, lebt in Chur seit acht Jahren. Von dort kam auch die ehemalige Altstätter Stadtschreiberin, die sich nach einigen Jahren in der Nähe ihres Wohnorts nach einem neuen Job umsah.

Auf den Arbeitsweg angesprochen, sagt Judith Schneider, sie benütze stets den Zug und sei jeweils in einer guten Dreiviertelstunde am Ziel. Sie lächelt und erklärt: Auch der Stadtpräsident habe sie gleich auf den Arbeitsweg angesprochen.

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