Altstätten
Improvisationsworkshop im Diogenes-Theater – ein Augenschein

Am Improvisationsworkshop im «Diogenes» lernten die Teilnehmerinnen auch viel über sich selbst.

Reto Wälter
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Bild: Reto Wälter

Samstagnachmittag, Augenschein im Atelier des Diogenes-Theaters. Ein Mädchen steht in der Mitte des Raumes: Unschwer ist zu erkennen, dass sie vor einem imaginären Spiegel steht und sich die Haare kämmt. Ein zweites Mädchen kommt dazu und will ihr etwas verkaufen: Nicht nur der Ort ist jetzt ein anderer, auch das erste Mädchen hat jetzt eine andere Rolle zu spielen und entsprechend zu reagieren. Das dritte Mädchen bringt wieder eine neue Geschichte in einer an­deren Szenerie, mit wiederum neuen Charakteren ins Spiel. Schnelles Umdenken und Einstellen auf die neuen Situationen sind gefragt.

So entstehen, bis sieben Mädchen dabei sind, sieben neue Geschichten. Indem die Mädchen in der gleichen Reihenfolge den Schauplatz wieder verlassen, werden die Handlungen von der vorhergehenden Geschichte wieder aufgenommen und ein weiteres Kapitel hinzugefügt, bis am Schluss das erste Mädchen wieder alleine in der Mitte des Raumes vor dem imaginären Spiegel steht.

«Jeder trägt was zur Geschichte bei»

«Die Mädchen machen das sehr gut», lobt Claudia Ehrenzeller. Sie leitete am Samstag erstmals im «Diogenes» einen eintägigen Improvisationsworkshop für Jugendliche. Die Heerbrugger Oberstufenlehrerin, die zurzeit eine Theaterpädagogik-Ausbildung absolviert, also auch mit dem klassischen Theater vertraut ist, sagt: «Ins Impro-Theater bin ich sozusagen hineingestolpert.» Seit 2014 ist sie Mitglied des Improvisationstheaters «tiltanic» St. Gallen: «Es macht einfach sehr viel Spass. Ich staune immer wieder, wie viele Ideen und Geschichten in uns stecken.» Das schöne am Impro-Theater sei, dass jeder zur Geschichte beitrage und der Verlauf nicht von einer Person gesteuert werde.

Im Workshop gibt sie Tipps und Tricks, wie man Handlungen vorwärtstreiben und wie man etwas verständlich darstellen kann. Am morgen wurde zuerst ohne Sprache gearbeitet. Das erhöht die Aufmerksamkeit gegenüber dem Mitspieler, weil man sich auf dessen Körpersprache einlassen muss. Dass man wegen der Maske die Mimik nicht sehen kann, ist für Ehrenzeller nicht entscheidend: «Man muss einfach etwas konzentrierter bei der Sache sein, besser hinschauen.» Aber klar freue sie sich, wenn man einst die Mimik der Mitspieler wieder sehen könne.

Ein gängiger Spruch ist: Scheiter heiter

Am Nachmittag war dann auch die Sprache Bestandteil der Übungen. Die Kursleiterin vermittelte Techniken, die helfen, dass flüssige Geschichten entstehen. «Es geht ums Ausprobieren, dass man sich wagt. Funktioniert etwas nicht, ist das egal und man probiert es nochmals. Scheitern kann eine Chance sein», sagt Claudia Ehrenzeller. Ein gängiger Spruch im Impro-Theater sei: «Scheiter heiter.» – «Wichtig ist, dass man einander in der Gruppe vertraut und niemanden an den Pranger stellt», sagt Claudia Ehrenzeller und weiter: «Und das hat bei diesen dreizehn Mädchen sehr gut geklappt, obwohl sie sich teilweise untereinander nicht kannten.» Die Teilnehmerinnen selber wussten in der Schlussrunde nur Positives zu berichten – sprachen dabei aber ganz unterschiedliche Punkte an.

Irene Weder, die im «Diogenes»-Vorstand das Freizeit-Programm betreut, freute sich, dass sich auf Anhieb dreizehn Mädchen meldeten. «Buben wären natürlich auch willkommen gewesen. Vielleicht das nächste Mal», lacht sie. «Dass wir Angebote für alle Altersgruppen im Programm haben, ist mein Ziel», sagt Weder. Und wenn 11- bis 16-Jährige in einer Gruppe so viel Spass miteinander haben, wie es in der letzten Übung ersichtlich war, dann gefiel das Angebot definitiv.


Nachgefragt

Bild: Reto Wälter

Anna Sophia Chayenne Nagel/ Vetsch, St.Margrethen

«Was wir im Impro-Workshop lernten ist für viele Lebenssituationen nützlich, nicht nur für Film und Theater, sondern auch allgemein im Umgang mit Menschen. Man lernt auf Leute einzugehen und sie besser zu verstehen. Ganz gut gefiel mir auch, wie wir mit einzelnen Spielen lernten und ein Thema nahtlos ins nächste überging.»

Bild: Reto Wälter

Hana Huskic, St. Margrethen

«Ich möchte mit Anna Sophia einen Film drehen, einfach so aus Spass an der Sache. Wir sind den jetzt am Planen und dachten, dass uns der Workshop hilft. Ich lernte, dass wir auch mit der Handlung eine Aussage transportieren können und nicht nur mit Wörtern. Der Kurs zeigte mir meine Stärken auf und war auch gut fürs Selbstbewusstsein.»

Bild: Reto Wälter

Céline Heeb, Sax

«Ich kannte Claudia von der Freilichtbühne Rüthi und wusste, dass sie Kurse cool gestaltet. Wenn man einfach loslegt und sich dann immer wieder etwas Unerwartetes und Neues ergibt, ist das ganz anders, als wenn man einen Text auswendig lernt und den spielt. Die Theorie tönte oft kompliziert, in der Praxis lief es dann aber jeweils ganz toll.»

Bild: Reto Wälter

Sinja Forster, Sax

«Mich hat Céline gefragt, ob ich mitkomme. Da mir Theater schon immer Spass machte, sagte ich zu. Meine Erwartungen wurden übertroffen. Für den Alltag habe ich gelernt, dass ich mehr spontan sein und einfach improvisieren sollte, statt immer zu analysieren und zu überlegen, was jetzt wohl mein Gegenüber von mir erwartet.»

Mehr Bilder: www.rheintaler.ch