Altstätten
«Ich lade sie zu mir auf die Bank ein»: Auf dem neuen Plauderbänkli spontan aus dem Leben erzählen

Mit fremden Menschen zu sprechen, ist nicht jedermanns Sache. In Altstätten helfen drei Bänkli, das Eis zu brechen.

Hildegard Bickel
Merken
Drucken
Teilen
Christa Bachmann (rechts) mit einer Gesprächspartnerin auf dem Plauderbänkli in der Obergasse.

Christa Bachmann (rechts) mit einer Gesprächspartnerin auf dem Plauderbänkli in der Obergasse.

Bild: hb

Christa Bachmann merkt sofort, ob jemand bereit ist für einen Austausch. «Es gibt jene, die mit gesenktem Kopf oder mit dem Blick auf die Schaufenster gerichtet vorbeihuschen. Und es gibt solche, die den Blickkontakt erwidern.» Dann wird sie aktiv.

«Ich winke, grüsse sie und lade sie zu mir auf die Bank ein.»

Manche kämen von sich aus näher und erkundigten sich nach der Idee des Plauderbänklis. Sie ist simpel: Menschen vernetzen und Gemeinschaft fördern, etwas, das während der Pandemie fehlte.

Christa Bachmann aus Berneck sitzt mit einer Tasse Kaffee unter einem Sonnenschirm auf dem Bänkli an der Obergasse im Städtli.

«Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt, als ich in der Zeitung von den Plauderbänkli gelesen habe.»

Sie habe sich beim Verein Treffpunkt gemeldet und ist nun eine der sechs Personen, die abwechslungsweise dienstags zwischen 14 und 16 Uhr bei schönem Wetter auf einen Schwatz anzutreffen sind.

Gespräche gehen auch in die Tiefe

Wer sich auf ein Bänkli setzt, nimmt sich Zeit, das zeigt die Erfahrung von Martina Stieger. Die Ideengeberin der Altstätter Plauderbänkli erzählt von einer Frau, die ohne Eile sitzen blieb, obwohl 16 Uhr vorbei war. Auch kürzlich bei drückend heissem Wetter, als sie dachte: «Heute kommt wohl niemand, ich nehme meine Häkelsachen mit», hatte sie immer jemanden zum Plaudern.

«Manche kannte ich, andere gesellten sich dazu.»

Es seien vorwiegend ältere Menschen mit gemütlichem Tagesablauf. Man höre interessante Lebensgeschichten und was die Menschen gerade bewegt. Vielen Menschen falle es schwer, selber die Initiative zu ergreifen, obwohl sie gern Anschluss hätten. Bei einer Gesprächseinladung erhalten sie Gelegenheit, sich zu öffnen.

Ingrid Bickel ist ebenfalls eine der Mitarbeiterinnen, die dazu ermutigt, auf einem Bänkli ins Gespräch zu kommen. Die Seniorin übte sogar abseits des Plauderbänklis, Leute anzusprechen. In einem Café fragte sie zwei Frauen, ob sie sich zu ihnen gesellen dürfe. Sie blieb und das Gespräch nahm seinen Lauf. Solche bereichernden Begegnungen machen allen Beteiligten Freude. Bis Ende September sind Vereinsmitglieder bei den Bänkli an der Obergasse, an der Heidenerstrasse, beim Friedhof und beim «Claro» anzutreffen. Der Verein Treffpunkt wurde im April gegründet und bietet nebst den Plauderbänkli ein vielfältiges Angebot für alle, die Gleichgesinnte und Gemeinschaft finden möchten.

www.verein-treffpunkt.ch