ALTSTÄTTEN: Hausbesitzer hat sich durchgesetzt

Der Oberrieter Emanuel Stieger hat in Altstätten doch noch bekommen, was er als Schutz gegen Hochwasser für nötig hält. Aber es kostet ihn einiges. Die Stadt ist inzwischen auch einen Schritt weiter.

Gert Bruderer
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Bei seinem Mehrfamilienhaus an der Ringgasse kann Emanuel Stieger nun doch eine Mauer bauen, die ihm als zusätzlicher Schutz vor Hochwasser dient. Entlang dem Stadtbach hat die Stadt auf Intervention des Bauingenieurs eine Verschalung angebracht, so dass das Wasser nicht mehr übers Ufer treten sollte. (Bild: Gert Bruderer)

Bei seinem Mehrfamilienhaus an der Ringgasse kann Emanuel Stieger nun doch eine Mauer bauen, die ihm als zusätzlicher Schutz vor Hochwasser dient. Entlang dem Stadtbach hat die Stadt auf Intervention des Bauingenieurs eine Verschalung angebracht, so dass das Wasser nicht mehr übers Ufer treten sollte. (Bild: Gert Bruderer)

Gert Bruderer

Zieht Emanuel Stieger Bilanz, so hat die Sache ihn bisher vor allem eines gekostet: Nerven. Denn erstens war er beim Hochwasser im Sommer 2014 besonders betroffen, zweitens hat er sich zunächst vergeblich um einen besseren Schutz seines Mehrfamilienhauses an der Ringgasse bemüht.

Schwachstelle war bei Stiegers Haus

Die Schäden im Jahr 2014 hatten zwar vorbeugende Massnahmen zur Folge. Doch ausgerechnet bei Stiegers Haus Nr. 27 befand sich die Schwachstelle des provisorischen Hochwasserschutzkonzepts der Stadt Altstätten. Das zeigte sich Anfang September des letzten Jahres. Bei Stiegers Haus konnte das Wasser den Stadtbach ungehindert verlassen, über den Platz zwischen Bach und Haus sowohl in das Gebäude als auch zur Ringgasse fliessen und in weiteren Häusern erheblichen Schaden anrichten.

Der 33-jährige Bauingenieur und Baumeister war aufgebracht. Er drängte auf ein unverzügliches Gespräch bei einem Augenschein vor Ort. Stadtpräsident Ruedi Mattle höchstpersönlich war zugegen. Nun konnten sich die Vertreter der Stadt davon überzeugen, dass der Schutz auf Stiegers Stadtbach-Seite ungenügend war. Mit einem rot-weissen Band hatte der Baufachmann die Linie gekennzeichnet, bis zu der eine schützende Wand hätte reichen müssen, damit die Ringgasse den gleichen Schutz gehabt hätte wie das Wohnquartier auf der anderen Seite des Bachs. Es fehlten 23 Zentimeter am westlichen Ende des unzureichend geschützten Abschnitts – und 45 Zentimeter an der heikelsten Stelle.

Intervention brachte den erhofften Erfolg

Die Stadt versprach, sich des Problems anzunehmen, was dank Stiegers Intervention zügig geschah. Tatsächlich wurde bald darauf eine Holzverschalung angebracht, die dem Bachufer entlang führt. Auch eine Mauer beim Haus darf nun gebaut werden, im März traf die Bewilligung ein, bald ist das Bauwerk fertig. Was noch fehlt, ist unter anderem die Tür, in einem Monat dürfte Stiegers Liegenschaft vollauf geschützt sein.

Nicht nur der Liegenschaftsbesitzer ist einen grossen Schritt weiter, auch die Stadt kommt voran. Ihr Stadtbachprojekt, bei dem es um Verbreiterungen und Vertiefungen geht, lag bis letzte Woche zur Vorprüfung beim Kanton, inzwischen hat die Stadt ihr Projekt zurückerhalten. Nun gehe es darum, die Rückmeldungen zu prüfen und einzuarbeiten, sagt Stadtpräsident Ruedi Mattle. Das Bachprojekt soll alles Provisorische ersetzen. Wo allenfalls eine Mauer oder sonst Bauliches nötig sein sollte, würden neu fixe Bauteile montiert. Das Ziel ist die Auflage des Bachprojekts noch in diesem Jahr. Die sodann nötige Volksabstimmung dürfte allerdings kaum mehr in diesem Jahr durchführbar sein. Im Februar war von besonders viel Schnee in den Bergen die Rede. Experten, hiess es, warnten nun vor Überschwemmungen im Frühling.

Stiegers Unmut ist inzwischen Zuversicht gewichen. Nun zufrieden mit der Stadt, hofft der Bauingenieur, dank der getroffenen Schutzmassnahmen vor noch mehr Wasser verschont zu bleiben. Dass er dafür mehrere zehntausend Franken aufzuwenden hat, nimmt Emanuel Stieger zwangsläufig und etwas zähneknirschend in Kauf. Immerhin wird die Gebäudeversicherungsanstalt sich an den Kosten beteiligen.