ALTSTÄTTEN: Gemeinsam für ein gutes Zukunftskonzept

Im Kloster Maria Hilf leben sieben Schwestern im Alter zwischen 63 und 93 Jahren. Seit längerer Zeit macht sich die Gemeinschaft zusammen mit verschiedenen Personengruppen intensiv Gedanken um die Zukunft.

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Das Kloster ist bald 500 Jahre alt und es stehen grosse Veränderungen an. (Bild: Max Tinner)

Das Kloster ist bald 500 Jahre alt und es stehen grosse Veränderungen an. (Bild: Max Tinner)

Die Schwestern wissen, dass in den nächsten Jahren grosse Veränderungen anstehen. Persönlichkeiten aus den Bereichen Kultur, Bildung, Soziales, Politik, Gewerbe, Kirche, Stiftungen und weiteren Personen sind für die Schwestern Gesprächspartner, um die Zukunft des bald 500-jährigen Klosters zu planen.

«Obwohl dies eine sehr schwierige Aufgabe ist, sind alle Beteiligten überzeugt, das Kloster Maria Hilf – wenn auch in anderer Form – in eine wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltige Zukunft führen zu können», sagt Klosterberater Walter Hess, Oberriet. Frau Mutter, Sr. M. Angelika, hält fest: «Natürlich haben wir den Wunsch, den Rest der verbleibenden Lebensjahre im Kloster verbringen zu können – solange es verantwortbar ist.»

Arbeit an der Zukunft

Die Schwesterngemeinschaft diskutiert oft miteinander über bevorstehende Veränderungen. «Das ist ein wichtiger Anfang», betont Sr. M. Angelika. Sie ist sich bewusst, dass das Umsetzen von Zukunftskonzepten nicht einfach sein wird. Loslassen, Überlassen ist für die betagten Schwestern schwer, und trotzdem wagen sie es, gemeinsam eine gute Lösung anzustreben für das bald 500-jährige Kloster.

Die Schwestern und die erwähnten Personen haben sich bereits etliche Male zu intensivem Gedankenaustausch in verschiedenen Gruppen getroffen. Konkrete Resultate liegen noch nicht vor. Die Überlegungen gehen in die Richtung, die Klosteranlage in Zukunft vor allem auch mit karitativen, sozialen, kulturellen, ökologischen Angeboten weiter zu nutzen. Dabei ist es allen Beteiligten ein grosses Anliegen, dass das Kloster weiter nachhaltig wirken kann. Der Klostergarten soll auch in Zukunft als Juwel für Altstätten erhalten bleiben.

Alles begann mit Beginenvereinigung

Die Geschichte des Kloster Maria Hilf in Altstätten beginnt schon vor dem Jahr 1228. Bei der Alt-stätter Pfarrkirche war damals eine «Beginenvereinigung», das waren Frauen, die miteinander lebten, beteten und während des Tages einer Arbeit meist im sozialen-karitativen Bereich nachgingen. Alles, was ihnen als Dank für ihren Einsatz geschenkt wurde, teilten sie untereinander. Die verschriftlichte Klosterchronik reicht zurück bis ins Jahr 1486 mit der Erwähnung der ersten Frau Mutter, Anna Toutlin. Zwischen 1518 und 1522 wurden die ersten Klostergebäude gebaut. Der Konvent übernahm die Regel des regulierten Ordens des Heiligen Franziskus von Assisi. Die Arbeit zu unterbrechen für das gesungene Chorgebet gehört seit bald 500 Jahren selbstverständlich zum Lebensrhythmus der Schwestern.

Siebenmal am Tag beten oder singen die Schwestern stellvertretend für alle Mitmenschen, die nächtliche Anbetung ist nicht mehr möglich. Seit 1838 waren die Schwestern des Klosters Maria Hilf im Schuldienst tätig. Sie unterrichteten an der Unter- und Oberstufe und an der Arbeitsschule; später an der Mädchenschule.

Heiligsprechung in Rom

1870 gründete das Kloster das eigene Institut und man darf ab 1880 von einer eigentlichen Blüte des Klosters reden. Es lebten damals 53 Schwestern in den klösterlichen Räumen.

Ein wichtiges Jahr in der Klostergeschichte ist das Jahr 1888, als die damalige Frau Mutter, Sr. M. Bernarda Bütler, mit einigen Schwestern nach Südamerika reiste. Die Gründung der Kongregation der Franziskaner Missionsschwestern von Maria Hilf und das äusserst segensreiche Wirken der Schwestern für die Ärmsten in Lateinamerika blieb nicht unbemerkt. Im Jahr 1995 wurde Mutter Maria Bernarda Bütler selig- und im Herbst 2008 heiliggesprochen. Sr. M. Caritas Brader, die mit ihr nach Südamerika gezogen war, wurde im Frühjahr 2003 seliggesprochen.

Immer weniger Schwestern

Das Kloster Maria Hilf teilte dasselbe Schicksal wie die meisten Klöster in Zentraleuropa: Mit dem Mitgliederschwund in den christlichen Kirchen Europas blieb immer mehr auch der Nachwuchs bei den Klöstern aus. Die Gemeinschaften wurden gleichzeitig und logischerweise immer älter.

So blieb dem Kloster im Jahr 1973 keine andere Wahl, als den Schulbetrieb zu schliessen; die Kapuzinerinnen konnten nicht mehr genügend Lehrerinnen zur Verfügung stellen. Vor 25 Jahren lebten noch 23 Schwestern im Kloster Maria Hilf.

Zusammen bewältigten sie Haus-, Wald-, und Gartenarbeit, pflegten die kranken und betagten Mitschwestern, arbeiteten in der Küche, in der Wäscherei, bügelten, flickten und nähten. Heute sind es wie eingangs erwähnt noch sieben, die meisten hochbetagt. (pd)