ALTSTÄTTEN: Geld verantwortlich anlegen

Nicht nur Grossaktionäre sondern auch private Anleger sollten ihr Stimmrecht wahrnehmen. Sie haben Einfluss auf die Nachhaltigkeit und Rendite ihrer Anlage. Dieses Fazit ergibt sich am Kundenanlass der Rheintaler Raiffeisenbanken an der Rhema.

Monika von der Linden
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470 Personen sind zum Kundenanlass der Rheintaler Raiffeisenbanken an der Rhema gekommen. (Bilder: Monika von der Linden)

470 Personen sind zum Kundenanlass der Rheintaler Raiffeisenbanken an der Rhema gekommen. (Bilder: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Es ist nicht leicht, sein Geld richtig anzulegen und dabei auch noch eine Rendite zu erwirtschaften. Das ist sicher ein Grund, warum das Interesse an entsprechenden Informationen unter den Kundinnen und Kunden der Rheintaler Raiffeisenbanken so gross ist. Am Mittwoch kamen 470 von ihnen in die Eventhalle der Rhema. Es war das erste Mal, dass die Bank beide Anlässe miteinander verband.

Mit Dominique Biedermann (Präsident der Ethos Stiftung) und Erwin W. Heri (Fintool) traten zwei hochkarätige Redner auf. «Beide haben eine klare Meinung, Prinzipien und geben den Anlegern eindeutige Informationen», stellte Norbert Lüchinger (Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank Oberes Rheintal) die Herren vor.

Beide Redner hielten sich an das Versprechen ihres Gastgebers. Mit klaren Worten besprachen sie jene Kriterien, mit denen private Anleger Einfuss nehmen können. Einfluss auf die Unternehmen, denen sie Kapital zur Verfügung stellen, und Einfluss auf die Höhe ihrer Rendite.

Finanzielle und soziale Anlagekriterien

Zunächst führte der Robin Hood der Aktionäre – so wird Dominique Biedermann genannt – aus, wie man sich für die richtige Geldanlage entscheidet. Dies erreicht man, indem man darauf achtet, dass das Unternehmen der Wahl nicht in Rüstung investiert, keine gravierenden Umweltschäden verursacht, keine Menschenrechtsverletzungen begeht und Korruption nicht unterstützt.

«Nachhaltige Anlagen bringen einen doppelten Mehrwert», sagte Dominique Biedermann. Natürlich ist es ein finanzieller, aber auch ein nicht in Geld zu bewertender Wert. Wer in ein Unternehmen investiert, das sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist und eine entsprechende Strategie verfolgt, erzielt diesen zweiten Mehrwert. «Den kann man nicht in Franken messen, aber in Tonnen CO2-Ausstoss.» Die Performance einer nachhaltigen Anlage sei also finanzieller und sozialer Art. «Wir können mit unseren Spargeldern etwas bewirken», sagte Dominique Biedermann. Man habe sogar die Pflicht. «So gestalten wir eine bessere Welt für unsere Kinder und Grosskinder.»

Die Verantwortung des Käufers gehe über die Auswahl der Anlage hinaus. «Es genügt nicht, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Auch als privater, kleiner Aktionär muss man unbedingt stimmen», sagte Dominique Biedermann. Man könne etwas bewirken, denn ein Verwaltungsrat lasse sich stark beeinflussen, wenn es kritische Stimmen gebe. Dass inzwischen über Vergütungen abgestimmt werde, habe vieles verändert. Auch die Zusammensetzung des Verwaltungsrates oder die Wiederwahl einer Revisionsstelle solle vom Aktionär kritisch hinterfragt werden, meinte Biedermann. «Gegenstimmen lösen einen Dialog aus.»

Ein Hin und Her macht Taschen leer

Ein dreissigjähriger Mann. Er hat einen langfristigen Anlagehorizont und denkt über seine AHV nach. Sein Plan: 10000 Franken jährlich an seinem Geburtstag auf die hohe Kante legen.

Mit dem konkreten Beispiel erklärte Erwin W. Heri (Fintool), welche Rolle Disziplin, Psychologie und Kostenbewusstsein bei einer guten Anlagestrategie spielen. Setzt der Mann seinen Plan diszipliniert um und investiert die Dividende erneut, kann er nach dreissig Jahren mit 1,35 Mio. Franken Vermögen rechnen. Die Vermehrung beruht auf der Kraft des Zinseszinses. Die Ertragskurve ist zwar zwischendurch eingebrochen, weil der Mann aber diszipliniert geblieben ist, ist sie wieder angestiegen.

«Disziplin und Sturheit sind der Kern einer erfolgreichen Geldanlage», meinte Heri. Wer sich von kurzfristigen Kursentwicklungen leiten lässt, kauft und verkauft meist zum falschen Zeitpunkt, zu früh oder zu spät. «Ein Hin und Her macht die Taschen leer.» Je mehr Umschichtungen man vornimmt, desto niedriger ist die Rendite.