ALTSTÄTTEN: Ein Sommer auf der Alp

Stefanie Manser, diplomierte Milchtechnologin, verbrachte diesen Sommer zum ersten Mal auf einer Alp. Dabei lernte sie das Alpleben kennen und produzierte ihren eigenen Käse.

Benjamin Schmid
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Stefanie Manser mit ihrem prämierten Alpkäse und dem Diplom. (Bild: Benjamin Schmid)

Stefanie Manser mit ihrem prämierten Alpkäse und dem Diplom. (Bild: Benjamin Schmid)

Vor einem Jahr bestand die gelernte Käserin die Meisterprüfung. Kaum hatte Manser das Diplom erhalten, zog es sie auf die Alp Sücka im Liechtensteiner Berggebiet. «Seit meiner Kindheit bin ich vom Leben auf der Alp fasziniert.» Diesen Sommer hat sie den lang gehegten Wunsch in die Tat umgesetzt. Je höher ihr Fachwissen wurde, desto seltener übte sie ihr Handwerk noch aus. Um das zu ändern, entschloss sie sich, eine Auszeit auf der Alp zu nehmen.

7,5 Tonnen Halbhartkäse und 1,5 Tonnen Sauerkäse

Dass die Arbeit auf der Alp anstrengend ist, habe sie bereits gewusst. Neu war für sie allerdings, dass das Sennen mit derart langen Arbeitstagen verbunden ist. Zwischen vier und sechs Uhr standen Manser und ihr dreiköpfiges Team auf, arbeiteten den ganzen Tag bis gegen acht Uhr abends und fielen dann erschöpft ins Bett. Am Anfang sei sie etwas überfordert gewesen. Kein Wunder, hatte sie zuvor noch nie die Verantwortung für eine ganze Alp getragen. Stehen Manser in der Lebensmittelindustrie unzählige Hilfsmittel sowie ein Labor zur Verfügung, musste sie sich auf der Alp auf ihr Bauchgefühl verlassen. Sie wusste zwar, wie das Endprodukt aussehen sollte. Alles andere eignete sie sich durch Übung und Erfahrung an.

Zuweilen sei das Leben auf der Alp hart gewesen. Gelegentlich stiess sie an ihre Grenzen, dann zog sie Kraft aus der Natur. «Es gibt kaum eine grössere Motivationsspritze, als einen Sonnenaufgang auf der Alp zu erleben», sagt Manser. Auch wenn der Alltag von Entbehrungen gekennzeichnet sei, gebe es kaum ein besseres Gefühl, als am Abend zu sehen, was geleistet wurde.

Tatsächlich stellte die Käsermeisterin während der drei Monate, in denen sie auf der Alp lebte, über 7,5 Tonnen Halbhartkäse, 1,5 Tonnen Sauerkäse, fast fünf Tonnen Joghurt und an die 730 Kilogramm Butter her.

Auszeichnung für eigenen Käse

Nicht nur als Sennin feierte Manser ihr Debüt, auch bei der Almkäse-Olympiade in Galtür im Tirol war sie zum ersten Mal dabei. Im Vorfeld des Wettkampfes liess sie ihren Käse testen. Ihr Produkt schnitt dabei ausgezeichnet ab. Mit der hervorragenden Bewertung in der Tasche, meldete sie sich für den Wettbewerb an. Mit dem ersten Platz in der Kategorie «Schnittkäse über 45 Prozent F. i. T» hätte Manser dann aber doch nicht gerechnet: «Das Ergebnis hat mich überrascht. Schliesslich bin ich ohne grosse Erwartungen angetreten.» Doch Stefanie Manser bleibt bescheiden: «Selbstverständlich geniesse ich die Anerkennung. Aber der Dank gebührt dem ganzen Team.» Ein derart glänzendes Resultat wäre ohne die tatkräftige Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen nicht möglich gewesen. Auf dem Erfolg ausruhen ist nicht Mansers Art. Stattdessen verkauft sie den selbst gemachten Sücka-Alpkäse jetzt in der elterlichen Käserei in Altstätten.

Benjamin Schmid