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ALTSTÄTTEN: Ein Hut ist oft mehr als ein Hut

Was das Museum zeigt, soll keinesfalls ein alter Hut sein. Deshalb handelt die nächste Ausstellung von Hüten und anderen Kopfbedeckungen. Verschiedenes wird unter einen Hut gebracht.
Gert Bruderer

Kurator Marcel Zünd hat keinen Schirm. Regnet es, ist er immer mit Hut unterwegs. In der museumseigenen Sammlung hat Zünd zum Teil wertvolle Damenhauben und Militärhüte aufgespürt, er sucht aber nach sehr viel mehr, nach packenden Geschichten mitten aus dem Leben, Anekdoten oder Wissenswertem in Verbindung mit Kopfbedeckungen. Die Ausstellung «Kopfgeschichten» soll nicht in der Vergangenheit stecken bleiben, sie soll bewegen, also auch das Heute einbeziehen.

Ein Wort genügt.

«Kopftuch», sagt Marcel Zünd. Und schon werden Assoziationen geweckt, wird es politisch, vielleicht emotional.

Erfolg macht offenbar mutig

Die letzte grosse Ausstellung – «igfädlet» mit Rheintaler Textilgeschichten – kennzeichnet eine Art Wendepunkt. Die Öffnungszeiten während der Dauer von sechs Monaten waren markant erweitert worden, an fünf Tagen war die Ausstellung zugänglich, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Schon fünf Wochen vor Schluss war man bei tausend Besuchern angelangt, dann zog es nochmals richtig an. Am Ende hatten über 1500 Menschen die Ausstellung gesehen.

Erfolg macht offenbar mutig. Denn der Vorstand entschied: Auch für die nächste Ausstellung wird die Zahl der Ausstellungsstunden pro Woche mit fünfzehn gleich hoch sein. Allerdings wird die leicht merkbare klare Regelung (Mi bis So, immer 14 bis 17 Uhr) der Experimentierlust geopfert.

Weil Altstätten ja nicht mit besonders vielen Touristen gesegnet ist, fasst man andere Zielgruppen ins Auge. Neu soll das Museum unter anderem donnerstags, also am Markttag, von 10 bis 12 Uhr geöffnet sein, ausserdem freitags von 17 bis 20 Uhr, also am Feierabend.

Viele Gründe für Kopfbedeckungen

Marcel Zünd hat bei sich selbst festgestellt: Seit er sich mit Kopfbedeckungen beschäftigt, ist ­seine Wahrnehmung geschärft. Zum Beispiel fiel ihm beim Betrachten alter Hochzeitsfotos auf, dass nach 1900 jeder Bräutigam einen Hut in der Hand hielt. Und im Gespräch mit Hutträgern hat er festgestellt, dass niemand mit der Wahl der eigenen Kopfbedeckung (beispielsweise eines Berets) eine bestimmte Lebenshaltung verbindet, obschon solche Verbindungen durchaus bestehen. Denn Menschen bedecken ihre Köpfe nicht nur zum Schutz, sondern ebenso «aus religiösen oder gesellschaftlichen Motiven, als Ausdruck einer Zugehörigkeit, eines Status oder einer Funktion, einer Mode oder eines Protests», wie es im Text zur bevorstehenden Ausstellung heisst. So spürt die Ausstellung unter anderem der Frage nach, ob auch heute kulturelle Codes bestehen, die mit unseren Kopfbedeckungen einhergehen.

Es wird gehofft, dass viele sich beteiligen

Der Kurator hofft auf eine ebenso eifrige Mitwirkung der Bevölkerung wie beim «igfädlet»-Projekt. Vor allem denkt Zünd an Menschen, die ein Kopftuch tragen und eine Geschichte zu erzählen haben. Es gebe ja viele verschiedene Kopftuchkulturen, sagt der Kurator, auch hierzulande seien schon vor Jahrzehnten Kopftücher getragen worden. Eingeladen, sich mit interessanten Objekten und anregendem Erzählstoff zu melden, sind auch jene Männer, die als dezidierte Hutträger in Erscheinung treten.

Wie schon bei «igfädlet» hat Marcel Zünd einen hohen Anspruch. Auch die Sonderausstellung, die Kopfbedeckungen vom 18. Jahrhundert bis heute punktuell und assoziativ versammelt, soll das Museum beleben helfen und es weiterbringen. Im besten Fall werden erneut 1500 Menschen und mehr die Ausstellung besuchen und sie am Ende mit zwei kurzen Wörtern beurteilen können: Hut ab!

Gert Bruderer

Museum Prestegg: 6. Mai bis 28. Oktober. Kontakt für alle, die etwas zur Ausstellung beizusteuern haben: 071 755 20 20, info@museum-altstaetten.ch bzw. museum-altstaetten.ch (Klick auf «Kopfgeschichten»).

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