ALTSTÄTTEN: Ein auf die Bühne geschneites Talent

Vor zehn Jahren sass Kevin Oeler als Lehrling in den Büros der Stadtverwaltung und der Schulverwaltung Altstätten. Heute produziert er kurze Filme für Werbung und Lokalfernsehen. Und er schauspielert – mit beachtlichem Talent, findet der Filmemacher und Theaterproduzent Kuno Bont.

Max Tinner
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Wandelbar: Verlangt ein Regisseur von ihm, zu weinen, kann Kevin Oeler dies auf Kommando. Will man, dass er verträumt drein schaut, blickt er scheinbar gedankenverloren zum Kirchturm hinauf. (Bild: Max Tinner)

Wandelbar: Verlangt ein Regisseur von ihm, zu weinen, kann Kevin Oeler dies auf Kommando. Will man, dass er verträumt drein schaut, blickt er scheinbar gedankenverloren zum Kirchturm hinauf. (Bild: Max Tinner)

ALTSTÄTTEN. Manchmal findet man seine Bestimmung nicht grad auf Anhieb. In jugendlichem Alter ohnehin nicht. Möglicherweise hätte es für Kevin Oeler die Leichtathletik sein können. Dort brachte er es im KTV Altstätten als Trainingspartner Yves Zellwegers immerhin zu zwei Podestplätzen in den Schweizer Meisterschaften der Jugendlichen. Es verschlug ihn dann aber zunächst in die Büros der Stadt Altstätten und der Altstätter Schulverwaltung, wo er eine Verwaltungslehre machte. Dass ein solcher Bürojob nicht seine Zukunft sein würde, war ihm aber auch dort gleich einmal klar. «Ich wollte eigentlich viel lieber etwas Kreatives machen», erzählt der mittlerweile 27-Jährige bei einer Apfelschorle in der Gartenwirtschaft der Altstätter Rathausbar.

Medieningenieur mit Bestnoten

Nach der Lehre schrieb sich Oeler darum – nach einjährigem Berufsmatura-Lehrgang – an der Fachhochschule in Chur ein, wo er letzten Herbst sein Studium als Medieningenieur mit Vertiefung in Film- und TV-Produktion mit hervorragenden Noten abschloss. Für die Abschlussarbeit gab es sogar eine doppelte 6. Heute arbeitet er als Videoproduzent für die Südostschweiz-Medien in Chur und realisiert dort kurze Filme fürs Regionalfernsehen, aber auch Produktvideos, Werbespots und Imagefilme für externe Auftraggeber.

Das Studium brachte es mit sich, dass man auch mal selbst dem einen oder anderen Kommilitonen vor die Kamera stand. Schliesslich hat man ja nicht grad ein paar Schauspieler zur Hand, die man für die übungshalber zu produzierenden Kurzfilme einsetzen könnte, noch dazu zu einer Gage, die ein Student zu zahlen imstande wäre. Kevin Oeler fand Gefallen daran. Dermassen sogar, dass er sich auf den Aufruf zu einem Vorsprechen für Kuno Bonts Film «Das Deckelbad» meldete. Und Bont war dann ganz überrascht über das Talent, das es ihm sozusagen ins Casting geschneit hat. Oeler stellte sich nämlich dermassen gut an, dass Bont ihm statt einer Statistenrolle, für die er ja eigentlich Leute gesucht hatte, eine bedeutende Nebenrolle gab, die er zuvor mit jemandem mit Schauspielausbildung hatte besetzen wollen. «Kevin eignete sich eindeutig besser», sagt Bont, «er hat eine besondere Gabe, sich in eine Rolle einzufühlen.» Oeler sei enorm wandlungsfähig, «und man merkt, dass er das will».

Ein Tal schlummernder Talente

Kuno Bont betont aber, dass Kevin Oeler nicht das einzige vielversprechende Talent im Tal sei. In der Theater Company, quasi das Ausbildungstheater der Freilichtbühne Rüthi, hat Bont momentan eine ganze Truppe unverbrauchter Talente um sich geschart, denen er allesamt einiges zutraut. Im September führt er mit ihnen in zwei Besetzungen (einer aus Männern und einer aus Frauen) im «Krempel» in Buchs das Stück «Einer flog über das Kuckucksnest» auf. Die Handlung, die in einer psychiatrischen Anstalt spielt, verlangt von den Darstellern viel ab. Auch von Kevin Oeler, dem Kuno Bont und seine Mitregisseurin Elena Colaianni die zweite Hauptrolle gegeben haben.

Parallel zu den Vorbereitungen auf diese Inszenierung der Theater Company spielte Oeler diesen Frühling auch noch in der letzten Eigenproduktion des Diogenes-Theaters in Altstätten, «Giulias Verschwinden». Auch im Schweizer Fernsehen ist er momentan gelegentlich zu sehen, in einem Werbespot zur Umstellung der Radio-Übertragungstechnik von UKW auf DAB+. Zuvor hatte er letztes Jahr schon in Kuno Bonts Imagefilm «Guter Job, gutes Leben» für den Arbeitsplatz St. Galler Rheintal mitgewirkt.

Offen für alles

Kuno Bont sieht durchaus noch Potenzial für mehr. «Kevin steht so gut wie alles offen», ist er überzeugt, «wenn er nur will.» Kevin Oeler selbst ist ein wenig peinlich berührt ob so viel Lob. Er gibt sich bescheiden. «Ich habe mir keine grossen Ziele gesetzt», meint er. Vorerst will er sich beruflich weiter entwickeln und die Schauspielerei als Hobby weiter pflegen. Gezielt auf eine Karriere auf der Bühne oder beim Film hinzuarbeiten, scheut er sich. Schliesslich habe er die Schauspielerei nicht gesucht, sondern sei nur so zufällig hineingerutscht. So wie sich für ihn bislang eben alles mehr oder weniger zufällig ergeben habe, meint er. Falls sich aber ebenso zufällig mehr ergibt: «Mal schauen», meint Kevin Oeler nur, «ich bin offen für alles.»

kevinoeler.wordpress.com theatercompany.ch