ALTSTÄTTEN: Brendenbach bekommt neues Bett

Das Hochwasserschutzprojekt «Brendenbach Unterlauf» liegt vom 13. Februar bis 14. März öffentlich auf, der Bevölkerung wird es am kommenden Donnerstag, 15. Februar, um 19.30 Uhr im «Sonnen»-Saal vorgestellt.
Der Brendenbach während des Hochwassers 2014: Die Rampe vor der Brücke soll einem gleichmässigen Gefälle weichen, die Sohle wird verbreitert. (Bild: sk)

Der Brendenbach während des Hochwassers 2014: Die Rampe vor der Brücke soll einem gleichmässigen Gefälle weichen, die Sohle wird verbreitert. (Bild: sk)

Am 28. Juli 2014 haben intensive Niederschläge im Einzugsgebiet des Brendenbachs zu massiven Überschwemmungen im Stadtgebiet geführt. Die seitdem umgesetzten Massnahmen wie Erhöhung Kiesfang Obermüli, hy­draulische Verbesserung beim Einlauf Durchlass Frauenhofplatz, provisorische Ufererhöhungen und überströmbare Brücken im Bereich Spangeln sowie das Alarmierungssystem haben sich beim Hochwasser am 2. September 2017 bewährt und noch grösseren Schaden verhindert. Die beiden Ereignisse zeigten eindrücklich, dass am Brenden- und am Stadtbach erhebliche Schutzdefizite bestehen. Das bestehende Gerinne des Brendenbachs im Abschnitt vom Kiesfang Obermüli bis zum Frauenhofplatz vermag bei einem grösseren Ereignis die Wasser- und Geschiebemenge nicht abzuführen. Beispielsweise müssen die Abflusskapazitäten bei den Brücken Halden und Mühlackerweg mehr als verdoppelt werden.

Brückenneubau beim Mühlackerweg

Die Bestvariante zur Erhöhung der Abflusskapazität ist am Brendenbach ein Ausbau durch punktuelle Ausweitungen und Sohlenabsenkungen. Die Rampe vor dem Durchlass Frauenhofplatz wird eliminiert und weicht einem gleichmässigen Gefälle von der Brücke Mühlackerweg bis zum Einlauf des Durchlasses. Im gleichen Abschnitt findet eine Ausweitung der Sohlenbreite von heute zirka 3,5 auf 4,5 Meter statt. Die Sohlenbreite im Bereich der Brücke Mühlackerweg wird eben-falls ausgeweitet, was einen Brückenneubau erforderlich macht. Der Abschnitt von der Brücke Mühlackerweg bis zur Brücke Halden genügt den Anforderungen an den Hochwasserschutz weitgehend. Es sind nur punktuelle Ertüchtigungen erforderlich. Im Bereich der Brücke Halden sind durch die erforderliche Sohlenabsenkung, die Anpassung der Kurvengeometrie und dem Neubau der Brücke markante Eingriffe vorgesehen. Der Abschnitt oberhalb der Brücke Halden bis zum Kiesfang Obermüli genügt den Anforderungen an den Hochwasserschutz. Es sind daher keine Massnahmen vorgesehen.

Kosten für die Stadt bleiben unter einer Million

Die Kosten für das Hochwasserschutzprojekt «Brendenbach Un­terlauf» belaufen sich gemäss Beitragsplan auf 3,135 Mio. Franken und werden durch Bund, Kanton, Schweizerische Mobiliar Genossenschaft, Bern, und die Stadt Altstätten getragen. Die Schweizerische Mobiliar wird sich mit rund 300000 Franken an den Kosten beteiligen. Nach Abzug der Beiträge ergeben sich für die Stadt Altstätten Restkosten von 914000 Franken. Es ist vorgesehen, nach erfolgter Auflage des Hochwasserschutzprojektes «Brendenbach Unterlauf» und Bereinigung allfälliger Einsprachen zeitnah eine Urnenabstimmung durchzuführen.

Gestaltung und Ökologie sind Projektbestandteile

Der Brendenbach ist heute trotz vorhandenen Ufermauern weitgehend naturnah gestaltet. Ein wichtiges Projektziel ist es, die­se Vielfalt beizubehalten. Aufgrund der engen Platzverhältnisse und der Strömungsgeschwindigkeit im Hochwasserfall sind jedoch Ufermauern und eine Sohle aus Blocksteinen in Beton nötig. Diese werden so angeordnet, dass sich eine mäandrierende, möglichst natürliche Niederwasserrinne einstellen kann. Somit werden verschiedene Tiefen- und Strömungsverhältnisse gefördert.

Zur Entwicklung von unterschiedlichen Bachlebensräumen werden wo möglich Böschungen und Übergangsbereiche mit standortheimischen Gehölzen bepflanzt. Um die Durchlässigkeit für Klein- und Kriechtiere zu gewährleisten, sind in steilverbauten Bereichen Kleintierwege geplant. Der Ausbau des Brendenbachs verbessert durch die Eliminierung der Absturzbauwerke den Lebensraum für Tiere und Pflanzen im Siedlungsgebiet und wertet ihn auf.

Ziel des Gestaltungskonzeptes ist es, die baulichen Massnahmen des Hochwasserschutzes gut in den Stadt- und Landschaftsraum einzubinden und gleichzeitig den öffentlichen Raum aufzuwerten. Die steilen Betonufermauern im städtischen Bereich werden durch ihre Körnung und ihre Struktur ähnlich dem Nagelfluh ausgebildet. Mit ihren rauen Oberflächen sowie den unregelmässigen Faltungen, Rillen und Rippen integrieren sich die neuen Mauern besser ins Stadtge­füge und verstärken die visuelle Verbindung zum Wasser. Die Pflanzen und Tiere finden besseren Halt und eher Unterschlupf. Die Veränderung durch Hoch- und Niedrigwasser wird sichtbar. Der Brendenbachweg führt wie heute als Kiesweg entlang des Baches. Die neuen Brücken und die Ufermauern im Bereich der Brücken thematisieren einerseits die Dynamik des Baches und schaffen andererseits attraktive Aus- und Einblicke für Fussgänger.

Die eidgenössische Gewässerschutzgesetzgebung verlangt die Festlegung des Gewässerraums. Diese erfolgt durch einen Baulinienplan, der gleichzeitig mit dem Hochwasserschutzprojekt «Brendenbach Unterlauf» öffentlich aufgelegt wird. Rechtlich handelt es sich um zwei separate Auflagen. (sk)

Das Hochwasserschutzprojekt Brendenbach und der Baulinienplan werden am 15. Februar um 19.30 Uhr von den Projektverfassern im «Sonnen»-Saal vorgestellt. Fragen beantworten auch Fachleute der kantonalen Amtsstellen und der Stadtrat.

Weitere Bachprojekte

Altstätten Der «Brendenbach Unterlauf» ist Bestandteil eines Gesamtkonzeptes zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Das Projekt zur Instandsetzung der Sperren am Oberlauf wurde im letzten Herbst öffentlich aufgelegt. Derzeit werden die Einsprachen bereinigt. Mit der Realisierung soll dann zeitnah begonnen werden. Ein wichtiges Schutzelement ist der neue Geschieberückhalt im Weidest. Die Planungsarbeiten zur Ausarbeitung des Bauprojektes werden im Februar durch den Stadtrat vergeben. Das Hochwasserschutzprojekt am Stadtbach wurde Ende Dezember beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Die Rückmeldungen werden dann in das Bau- und Auflageprojekt eingearbeitet. Das Stadtbachprojekt soll in diesem Jahr öffentlich aufgelegt werden. (sk)

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