ALTSTÄTTEN: Betrachten, lauschen und beten

Unter dem Titel «Kunst in der Kirche» sind Besucher der evangelischen Kirche eingeladen, einen Moment innezuhalten. Eine Bilderausstellung begleitet sie dabei. Ein Augenschein.

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Eine Kirche ist ein Ort der Ruhe. Wer mag, kann hier mit seinen Gedanken alleine sein. Der Raum eignet sich auch ausserhalb der Gottesdienste ideal dazu, um Zuspruch oder Trost im Zwiegespräch mit Gott zu suchen.

Es ist Donnerstagmorgen. Im Städtli gehen die Menschen nach dem Allerheiligentag wieder ih­ren gewohnten Beschäftigungen nach. In der evangelischen Kirche ist etwas anders als sonst. Die übliche Stille ist gewichen.

Obwohl die Bänke leer sind, wird der Besucher bereits beim Öffnen des Portals von Musik begrüsst. Die sanften Klänge kommen aus einem Lautsprecher. Sie laden ein, ganz einzutreten und bis zum Altar vorzugehen. Dort projiziert ein Beamer Bilder auf die Wände rechts und links der Orgel.

Es sind Fotografien von einzelnen Bäumen und von ganzen Wäldern. Sie leuchten auf im Wechsel mit Sprüchen. Es sind kurze Verse, Zitate, Sprichwörter und auch Gebete, die zum Nachdenken über den Glauben animieren. Die in kurzen Sätzen formulierten Weisheiten sind teils ermutigend, manchmal mahnend gemeint, aber immer möchten sie dem Leser helfen, scheinbar Alltägliches bewusster wahrzunehmen. Zum Beispiel wird der Reformator Martin Luther zitiert. Er soll einst gesagt haben: «Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.»

Die Musik – mal instrumental, mal mit Gesang – erleichtert es dem Besucher, innezuhalten, sich hinzusetzen, zu lauschen, sich von seinen Gedanken oder Eindrücken treiben zu lassen und die Bilder anzuschauen.

Im Spiel von Licht und Schatten

An der rechten und linken Seite des Kirchenschiffs ziehen zwölf weitere Bilder die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich. Es sind Fotografien zum Thema «Wald ond Bömm», die Peter Moser aus Altstätten von Bäumen gemacht hat. Mit einer analogen Kamera und mit Schwarz-Weiss-Filmen hat er die Gewächse in Details oder als Teil eines Waldes oder Parkes abgelichtet. Es sind nicht Farben, die auf den Betrachter wirken, sondern das Zusammenspiel von Licht und Schatten.

Wenige Meter neben dem Altar steht ein Tisch mit einem Gästebuch. Einige Besucher haben darin ihre Gedanken zur Austellung niedergeschrieben. Jemandem ist aufgefallen, dass Licht und Schatten in den einzelnen Bildern unterschiedlich und doch so untrennbar sind wie ein Liebespaar. Ein anderer Besucher lobt die «super Bilder!», die ihn «spirituell» berühren. Er bezeichnet es ausserdem als toll, dass «Kunst in der Kirche» gemacht werde. Ein dritter Kommentator bedankt sich für das «Festhalten der wunderbaren Schöpfung in einem herrlichen Raum».

Monika von der Linden

Die Ausstellung «Wald ond Bömm» mit den analogen Fotografien von Peter Moser dauert bis 24. November. Die Kirche ist täglich von 8 bis 17 Uhr offen, von 10 bis 15 Uhr wird die Tonbildschau gezeigt.