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ALTSTÄTTEN: Bauer will vom Anwalt eine halbe Million

Ein Rheintaler Landwirt will von seinem Rechtsanwalt eine halbe Million Franken. Wegen der mangelhaften Arbeit des Anwaltes sei ihm grosser Schaden entstanden. Gestern kämpften die beiden vor dem Kreisgericht. Das Urteil steht noch aus.
René Schneider
Erntemaschinen (hier ein Zuckerrübenernter) sind komplex und mehr oder weniger Einzelanfertigungen. (Bild: Reto Martin)

Erntemaschinen (hier ein Zuckerrübenernter) sind komplex und mehr oder weniger Einzelanfertigungen. (Bild: Reto Martin)

ALTSTÄTTEN. Der Gemüsebauer war ein regelmässiger Kunde des Rechtsanwalts gewesen. In Verfahren der Baupolizei, der Fremdenpolizei oder der Haftpflicht. Jetzt haben sich die beiden zerstritten. Den Landwirt vertrat vor Gericht ein anderer Rechtsanwalt. Der Beklagte trat mit einem Verteidiger auf.

Auslöser des schon seit mehreren Jahren dauernden Rechtsstreits war eine neue Erntemaschine. Der Bauer hatte sie in Frankreich bestellt. Sie wurde aber von der Herstellerfirma nie geliefert. Der Bauer erwartete von seinem Rechtsanwalt ursprünglich zweierlei: Er solle sicherstellen, dass die Maschine bis zum Erntebeginn im Herbst geliefert wird oder aber die Herstellerfirma auf Schadenersatz verklagen, falls die Erntemaschine nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Das Advokaturbüro konzentrierte sich juristisch auf den Hauptklagepunkt, die vertraglich zugesicherte Lieferung der Maschine. Dann änderte der Landwirt seine Strategie: Er behalf sich mit einer Occasions- und beschaffte dann woanders eine neue Maschine. Vom Advokaturbüro (das er erst hinterher über die Beschaffung einer anderen Maschine in Kenntnis setzte) erwartete er jetzt die Sistierung von Klagepunkt eins, aber das Eintreiben von Schadenersatz aus Frankreich. Das sei juristisch aussichtslos, wurde ihm beschieden. Das Advokaturbüro trat bald darauf vom Mandat zurück.

Vieles war widersprüchlich in der Verhandlung vor der Zivilabteilung des Kreisgerichts Rheintal. Der Kläger behauptete, durch den Rücktritt des Rechtsanwalts vom Mandat sei ihm ein grosser Schaden entstanden. Der beklagte Rechtsanwalt sagte, er habe die nach seinem Ermessen aussichtsreiche Hauptklage (in der es um die Lieferung der Maschine ging) auf Wunsch seines Mandanten zurückgezogen. Ohne den Hauptklagepunkt sei aber die Klage auf Schadenersatz juristisch aussichtslos geworden. Darum und weil das Vertrauensverhältnis zwischen ihm, seinen Mitarbeitenden und dem Mandanten zunehmend gelitten habe, sei er von diesem Mandat und allen anderen bei ihm laufenden Mandaten dieses Kunden zurückgetreten.

Widersprüchlich blieb in der Verhandlung auch die angebliche Schadenshöhe sowie deren Berechnung. Der Landwirt rechnete dem Gericht vor, wie viele Hektaren und wie viele Tonnen pro Hektar zu welchem Preis er nicht habe ernten und verkaufen können. Der Beklagte stellte in Abrede, für allfällige Ernte-Ausfälle verantwortlich zu sein. Er bzw. eine bei ihm angestellte Rechtsanwältin hätten den Bauern während der Dauer des Mandates getreu und sorgfältig beraten und vertreten.

Die vor Gericht häufig erwähnte Rechtsanwältin (damals Angestellte im Advokaturbüro des Beklagten) nahm an der Verhandlung nicht teil. Die Klägerseite betonte, wie wichtig die Aussagen dieser Zeugin wären. Der Beklagte erklärte, seine Kollegin sage als Zeugin nicht aus, weil die Gegenseite sie nicht vom Anwaltsgeheimnis habe entbinden wollen.

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