ALTSTÄTTEN: Alles? Nein, nichts!

Nein zur Autofrei-Initiative, Nein zum Gegenvorschlag der Stadt: Die Marktgasse bleibt, wie sie ist. Auch ein Parkleitsystem wird es nun also nicht geben.

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Die Altstätter Marktgasse der Vergangenheit ist auch die Altstätter Marktgasse der Zukunft: Die Autos bleiben, die Parkplätze auch, es gibt nicht mehr Grün, keine zusätzlichen Veloabstellplätze und kein Parkleitsystem. Denn nicht nur die Autofrei-Initiative, sondern auch der Gegenvorschlag der Stadt ist von der Bürgerschaft abgelehnt worden. (Bild: Gert Bruderer)

Die Altstätter Marktgasse der Vergangenheit ist auch die Altstätter Marktgasse der Zukunft: Die Autos bleiben, die Parkplätze auch, es gibt nicht mehr Grün, keine zusätzlichen Veloabstellplätze und kein Parkleitsystem. Denn nicht nur die Autofrei-Initiative, sondern auch der Gegenvorschlag der Stadt ist von der Bürgerschaft abgelehnt worden. (Bild: Gert Bruderer)

Das Nein zu einer autofreien Marktgasse überrascht keineswegs, das Nein zum Gegenvorschlag schon eher.

Das Herz sage Ja, der Verstand Nein: So haben sich in den letzten Monaten viele Altstätter gegen eine autofreie Marktgasse ausgesprochen. Sie wollten den Hauseigentümern und Ladenbesitzern keine von ihnen verabscheute Einschränkung zumuten. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb weiterhin Autos die Marktgasse durchqueren.

Der Gegenvorschlag der Stadt ist zwar zahm, aber die Alt­stätter mögen auch kein gemässigtes Fortschreiten. Oder differenzierter gesprochen: Viele wollen den Status quo, ausserdem haben viele der Autofrei-Fans den Gegenvorschlag abgelehnt. Was allerdings wie Trotz anmutet – oder von einer Fehleinschätzung zeugt. Die im Gegenvorschlag beschriebenen Massnahmen hätten der Stadt (im Sinne minimalen Fortschritts) gutgetan. Sie abzulehnen in der Meinung, ein Nein ebne weitergehenden Massnahmen den Weg, ist an politischer Realität leider vorbeigedacht.

Hoffentlich gibt es trotz des doppelten Neins auch in Zukunft eine gewisse Entwicklung. Dass ein grosser Teil der Bevölkerung dies wünscht, hat die Abstimmung halt schon auch klar gezeigt.

Gert Bruderer

gert.bruderer@rheintalmedien.ch

Die Marktgasse bleibt, wie sie ist

Gert Bruderer

Anton Studach, der Initiant der Autofrei-Initiative, ist enttäuscht, aber auch erleichtert. Nun sei wenigstens Klarheit geschaffen worden.

Im Initiativkomitee wird das Ergebnis so gedeutet: Weil man ein Ja zur Initiative und ein Nein zum «zu wenig weit gehenden Gegenvorschlag der Stadt» empfohlen habe, könne man von einer deutlichen Mehrheit ausgehen, die eine Veränderung wünsche. Eine Veränderung, die zwischen dem Gegenvorschlag und der Autofrei-Variante liege. Die Aufgabe der Stadt sei es nun, mehrheitsfähige Massnahmen vorzuschlagen, die etwas mehr böten als jene des Gegenvorschlags.

Stadtpräsident sieht keinen neuen Auftrag

Mit dieser Sichtweise mag Stadtpräsident Ruedi Mattle sich nicht anfreunden. Das Ergebnis sei klar: Sowohl die Initiative als auch der Gegenvorschlag seien abgelehnt worden.

Aus diesem Resultat leite er keinen Auftrag ab, den die Stadt nun zu erfüllen hätte. Gleichwohl werde das Ergebnis vom Stadtrat natürlich erörtert, um allfällige Schlüsse zu ziehen.

Stadt bedauert Nein zum Gegenvorschlag

Unmittelbar nach dem Auszählen der Stimmen hatte die Stadt am frühen Sonntagnachmittag eine Medienmitteilung verschickt. In ihr wird zweierlei als positiv hervorgehoben. Den Stadtrat freut die hohe Stimmbeteiligung, zudem findet er gut, dass «die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über das seit vielen Jahren schwelende Thema des Verkehrs in der Marktgasse abstimmen konnten». Dass der Gegenvorschlag keine Mehrheit erreichte, bedauert die Stadt. Aus ihrer Sicht nahm der Gegenvorschlag zur Initiative «auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Marktgasse ausgewogen Rücksicht», und der Vorschlag «hätte Verbesserungen bezüglich Verkehrsführung und Gestaltung gebracht».

Autofrei-Komitee hatte starke Gegner

Die grösseren Altstätter Parteien hatten die Autofrei-Initiative abgelehnt, einzig die Gruppierung a plus und die Grünen hatten sich mit Nachdruck für eine Marktgasse ohne Autos ausgesprochen. In einer besonderen Situation sah sich a plus, zumal der Vizepräsident der Gruppierung, Stadtrat Ruedi Dörig, bei der Ausarbeitung des Gegenvorschlags federführend gewesen war.

Im Hinblick auf die Abstimmung war im Frühjahr eigens eine starke Gegenorganisation zum Autofrei-Komitee gegründet worden, die Arbeitsgruppe Spielraum Altstadt.

Dieser Gruppe, der Laden­besitzer und Hauseigentümer angehören, gelang es, prominente Persönlichkeiten zu gewinnen, die sich gemeinsam für ein Nein zur Autofrei-Initiative stark gemacht haben.