Altlasten beispielhaft saniert

RÜTHI. Die Altlasten-Rückstände sind weg, der Boden ist wieder sauber und der landwirtschaftlichen Nutzung steht nichts mehr im Weg. In Rüthi wurden vergrabene Abfälle fachgerecht entsorgt. Ein Projekt mit Vorbildcharakter.

Meinrad Gschwend
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Nach der Rekultivierung steht der Boden wieder für die landwirtschaftliche Nutzung bereit. (Bild: mg)

Nach der Rekultivierung steht der Boden wieder für die landwirtschaftliche Nutzung bereit. (Bild: mg)

Die Gunst der Stunde genutzt und mindestens drei Fliegen auf einen Schlag erwischt: Dies trifft auf die Altlasten-Sanierung in Rüthi zu. Vergrabene Abfälle, die immer mehr zu einem Problem zu werden drohten, wurden fachgerecht entsorgt. Zweitens kann nun die Nutzung des landwirtschaftlichen Bodens für die Zukunft gewährleistet werden. Drittens konnte Aushubmaterial einer nahe gelegenen Baustelle sinnvoll eingesetzt werden. Rechtzeitig vor dem Wintereinbruch wurden die Arbeiten abgeschlossen.

«Aus den Augen, aus dem Sinn.» So ging man lange mit Abfällen aller Art um. Kehricht aus den Haushalten, Abfälle aus Gewerbe und Industrie wurden einfach verscharrt. Man glaubte, wenn die Gruben gefüllt und mit Erde zugedeckt seien, hätte man Ruhe. Inzwischen ist man gescheiter geworden. Denn die vergrabenen Abfälle lösen sich nicht einfach im Nichts auf. Da und dort erweisen sich die ehemaligen Deponien als tickende Zeitbomben.

Das hat Bund und Kanton auf den Plan gerufen. Das Ziel ist klar, die Gefährdungen müssen beseitigt werden. Das heisst, dass die ehemaligen Deponien zuerst genau bestimmt und je nach Belastung saniert werden müssen. In teils aufwendiger Recherchenarbeit wird genau erfasst, wo die grössten Altlasten sind. Doch mit der Sanierung scheint es kaum jemand pressant zu haben. Das ist auch nicht erstaunlich, denn diese Sanierungen können sehr teuer werden. Irgendwann wird es aber soweit sein. Das gilt vor allem dort, wo Verunreinigungen des Grundwassers drohen.

Von blossem Auge erkennbar

In Rüthi war seit langem bekannt, dass es im Gebiet Sand mehrere Stellen mit Altlasten gab. Es war auch klar, dass genau in diesem Gebiet eine Sanierung nicht auf die lange Bank geschoben werden konnte. Dies zeigten nicht nur Messungen, sondern war auch von blossem Auge sichtbar – etwa dann, wenn bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung Reste von Batterien und anderen Gegenständen an die Oberfläche befördert wurden. Es gab Bereiche in der Wiese, wo kaum noch etwas gewachsen ist.

Mehrfache Belastung

Ein Blick zurück zeigt, woher die Belastungen rühren. Bis in die 60er-Jahre betrieb die Gemeinde zwischen dem Windschutzstreifen und dem Wäldchen im Gebiet Sand eine Deponie für Kehricht und Industrieabfälle. In der Umgebung wurden auch Gräben und Löcher mit Abfällen gefüllt. Im gleichen Gebiet befand sich damals auch die Schiessanlage. Der Kugelfang, aus einem Erdwall bestehend, war mit Schwermetallen belastet. Als zuerst die Autobahn und später die Werkstrasse gebaut wurden, sah man von einer fachgerechten Entsorgung des belasteten Erdreichs ab. Man wählte die einfachste und billigste Lösung, bei der das Material über den früheren Deponieablagerungen verteilt wurde.

Erste Messungen ergaben, dass nicht nur der Boden mit Schwermetallen belastet war, sondern auch im Grundwasser konnten Antimon, Blei, Nickel und Zink nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Feststellungen wurden vom Kanton Nutzungseinschränkungen für den Boden angedroht. Damit war der Handlungsbedarf ausgewiesen.

Schon länger war bekannt, dass mit dem Bau der Unterwerke der SBB und der Swissgrid viel sauberes Aushubmaterial anfallen würde. Dieses hätte eigentlich weggeführt und für teures Geld deponiert werden müssen. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? «Dieses unbelastete Material soll nicht auf einer Deponie entsorgt werden und dort wertvollen Deponieraum füllen, sondern in der Gemeinde wieder verwendet werden», liess der Rüthner Gemeinderat verlauten. Kurzum wurde beides an die Hand genommen: einerseits die Wiederverwendung des Aushubmaterials und andererseits die Sanierung der Altlast im Gebiet Sand. Und so ging es nun Hand in Hand. Unter der Leitung von David Imper, der in Mels ein Büro für Geologie und Umweltfragen betreibt, wurde der Boden untersucht. An einzelnen Stellen war dies einfach – beispielsweise dort, wo bereits beim Pflügen Batterien zum Vorschein gekommen waren. An anderen Stellen musste tiefer gegraben werden.

Gute Zusammenarbeit

Man nahm eine Vielzahl von Proben, um über die Art und das Ausmass der Belastungen Kenntnisse zu erhalten. Diese Untersuchung wurde von den kantonalen Fachstellen eng begleitet. Sie führten zur Erkenntnis, dass mehr Erdreich als angenommen belastet war. Und dass die Blei- und vor allem die Zinkrückstände höher waren als erwartet.

Das Erdmaterial Schritt um Schritt zu untersuchen und fast baggerschaufelweise zu bestimmen, was damit geschehen darf, erforderte eine hohe Sorgfalt. Geologe David Imper lobt denn auch die gute Zusammenarbeit: mit der Gemeinde, mit dem Kanton, den Bodeneigentümern, der Swissgrid und der SBB sowie den Bauern. Ein besonderes Lob spricht er auch der ausführenden Firma Dietsche Strassenbau AG aus. Die grosse Sorgfalt, mit der gearbeitet wurde, machte es möglich, die Sanierung termingerecht abzuschliessen.

Das am stärksten belastete Material wurde sorgfältig ausgebaut und zu einer Spezialfirma im Kanton Zürich transportiert. Diese verfügt über eine sogenannte Bodenwasch-Anlage. Weiteres verunreinigtes Material wurde in eine Deponie, die für solche Stoffe vorgesehen ist, geführt. Das nur leicht belastete Material konnte wieder eingebaut werden. «Alles Material, auch dasjenige mit nur geringer Belastung, wegzuführen, wäre unverhältnismässig gewesen», erklärt Imper. Vor allem wären diese Kosten, an denen sich weder der Bund noch andere beteiligt hätten, ins Unermessliche gestiegen. Für die nun ausgeführten Arbeiten wird mit Kosten von über 500 000 Franken gerechnet, davon werden vom Bund 40 Prozent übernommen. Vom Verursacher der Batterienablagerung, der Säntis AG, wurde ein Kostenbeitrag erhoben. Der Rest geht zulasten der Politischen Gemeinde Rüthi.

Vom Wetter begünstigt

Zum Schluss wurde als neuer Oberboden Aushubmaterial der Baustelle für die neuen Unterwerke verwendet. Der saubere Humus kann nun wieder angesät werden. Mit grosser Zufriedenheit weist der Geologe auch auf die Wettersituation vor allem im November hin: «Das milde Wetter hat uns sehr geholfen. Nur so war es möglich, die Arbeiten vor dem Wintereinbruch zu Ende zu bringen.» Zufriedenheit auch bei Stefan Kopp, dem Bewirtschafter des Bodens. Er zeigt sich erleichtert, dass dieses Pachtland nun wieder uneingeschränkt der landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung steht.

In dieser Art und in diesem Umfang ist die Sanierung in Rüthi wohl das bisher grösste Projekt im Rheintal. Mit Sicherheit wird es nicht das letzte sein. Denn Altlasten gibt es in jeder Gemeinde. Beispielhaft ist das Rüthner Projekt, weil eine Gefahr für die Umwelt beseitigt wurde und dank der Kombination mit einem anderen Bauprojekt Ressourcen geschont und Kosten gespart werden konnten.