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ALTERSVORSORGE: Künstler gehen nie in Rente

Kunstschaffende wollen oftmals bis ins hohe Alter kreativ arbeiten. Viele tun es aber, weil sie sich ein Leben in Pension ohne den Zusatzverdienst gar nicht leisten könnten.
Susi Miara
Jürg Jenny (80) arbeitet immer noch. Mit der AHV-Rente käme er nicht über die Runden. (Bild: Archiv/mia)

Jürg Jenny (80) arbeitet immer noch. Mit der AHV-Rente käme er nicht über die Runden. (Bild: Archiv/mia)

Susi Miara

Weil nicht alle Kunstschaffenden von der Kunst allein leben können und sie aus diesem Grund keine Möglichkeit haben, eine Altersvorsorge anzulegen, leistet Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur seit 2013 bei Vergaben von Fördergeldern einen Beitrag an die Altersvorsorge der Künstler. Was für den Bund gilt, ist auf kantonaler und kommunaler Ebene nicht gesetzlich geregelt.

Eine Studie von Suisseculture Sociale belegt, dass für die Hälfte aller Kulturschaffenden in der Schweiz die finanzielle Lage prekär ist. Sie verfügen über keinerlei Altersvorsorge, die über die AHV hinausgeht. Das bedeutet, sie müssen bis ins hohe Alter arbeiten.

Die AHV-Rente würde nicht genügen

Der Balgacher Künstler Jürg Jenny hat ein Leben lang sparsam gelebt. Pensionskasse oder 3. Säule hat er nicht. Er lebt mit seiner Frau von der AHV-Rente. «Ich komme gut durch, aber nur, weil ich noch arbeite», sagt der 80-Jährige. In den 1970er- und 1980er-Jahren hätten viele seiner Künstlerkollegen ihre Rente abgesichert, indem sie neben der Künstlertätigkeit als Lehrer arbeiteten. Er habe sich aber voll und ganz für die Kunst entschieden. Auch Peter Federer arbeitet mit 75 Jahren immer noch in seinem Atelier. «Wenn ich krank bin, überlege ich mir, ob ich zum Arzt gehe», sagt der Widnauer Plastiker. Auch er versucht trotz hohen Alters, seine Kunstwer­- ke zu verkaufen, um so seine AHV-Rente ein wenig aufzubessern.

«Wer nicht vorsorgt, ist selbst schuld»

Auch der 80-jährige Altstät­- ter Kunstmaler Josef Ebnöther arbeitet heute noch. Würde er nicht malen, müsste er sich ein wenig einschränken. Er käme aber gut über die Runden, weil er schon früh in die 3. Säule einbezahlt hat. «Wer das nicht macht, ist auch ein wenig selber schuld», sagt er.

Ihm sei aber aufgefallen, dass der Kanton St. Gallen heute viel weniger Wettbewerbe für künstlerischen Schmuck ausschreibt. Für ihn haben die Niederlande eine Vorbildfunktion, wenn es um soziale Absicherung der Künstler geht. Dort werden die Künstler, die ihren eigenen Lebensunterhalt aus Erwerbsarbeiten nicht bestreiten können, finanziell unterstützt, müssen aber Ende Jahr jeweils ein Werk ab­liefern. Anerkannt werden nur Künstler mit einem künstlerischen Ausbildungsabschluss an einer staatlich anerkannten Institution.

Für Altersvorsorge reicht das Geld nicht

Dem Widnauer Kurt Spirig (Kuspi) fehlen noch einige Jahre bis zur Pensionierung. Gedanken darüber, ob die AHV-Rente reichen wird, macht er sich noch nicht. Für eine Altersvorsorge genüge das Geld nicht. Er lebe vom Verkauf seiner Kunstwerke. «Wenn nur zwei Prozent von der Summe, die der Staat für Waffenkäufe ausgibt, in einen Fonds für Künstler einbezahlt würden, hätten ich und viele meiner Kollegen es leichter», sagt er.

Auch für Silvan Köppel sind seine Arbeiten sein Alterskapital. «Ich habe mich für die Kunst entschieden, mit allen Konsequenzen», sagt er. Er rechnet damit, bis ins hohe Alter zu arbeiten. Eine Unterstützung vom Staat erwarte er nicht, er weiss aber, dass die Schweiz niemanden verhungern lässt.

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