ALTENRHEIN: Die Natur als Seelenschutzgebiet

Vor 125 Jahren wurde der Staatsvertrag zur Internationalen Rheinregulierung (IRR) geschlossen. Die Arbeiten am Alten Rhein haben ausser dem Hochwasserschutz auch ein grossartiges Biotop und Naherholungsgebiet hervorgebracht.

Maya Seiler
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Die Arbeiten am Alten Rhein sind abgeschlossen; vor der Kulisse von Mündung und Hafen wird der Schlussstein, ein Fisch der Eisenplastiker Otto Sohm und Wolfgang Flor, enthüllt. (Bild: Maya Seiler)

Die Arbeiten am Alten Rhein sind abgeschlossen; vor der Kulisse von Mündung und Hafen wird der Schlussstein, ein Fisch der Eisenplastiker Otto Sohm und Wolfgang Flor, enthüllt. (Bild: Maya Seiler)

Im Jahr 1892 beschlossen das damalige Kaiserreich Österreich und die Schweiz, die Bevölkerung beidseits des Rheins vor den wiederkehrenden Hochwasserkatastrophen zu schützen. Die wichtigste Massnahme waren die beiden Durchstiche bei Diepoldsau und Fussach. Bereits damals verpflichtete sich die Schweiz, die Endgestaltung am Alten Rhein umzusetzen. 1930 gab es ein erstes Projekt für den Flusslauf zwischen St. Margrethen und dem Bodensee, das aber kaum vor­ankam. Als 1965 das Geld vom Bund versiegte, ruhten die Bauarbeiten bis in die 80er-Jahre. In dieser Zeit geschah der Sinneswandel weg von Hartverbauungen zu einer naturnahen Ufergestaltung. Also musste ein neues Projekt ausgearbeitet werden, das ab 2004 umgesetzt wurde. Nun sind die Arbeiten abgeschlossen; die Schweiz wird aus dem Staatsvertrag entlassen. Alle Beteiligten der Rheinbau-Unternehmen, Vertreter der beiden Länder, des Kantons St. Gallen und der Gemeinden Höchst, Gaissau, Thal und Rheineck wurden von der IRR zu einem Festakt eingeladen. Kantonsingenieur Urs Kost, Leiter der Gemeinsamen Rheinkommission, moderierte den Anlass. Der St. Galler Bauamtschef Marc Mächler freute sich, den Abschluss einer Jahrhundert-Baustelle zu feiern. Sein Vorarlberger Kollege, Landesrat Erich Schwärzler, nannte die Auenwälder am Alten Rhein «ein Seelenschutzgebiet», das nicht nur der Hochwassersicherheit dient. Robert Raths, Präsident der Gemeinde Thal, erinnerte daran, dass die verheerenden Überschwemmungen die Existenz unserer Väter und Grossväter bedroht hatten.

Vom allerersten Rheinbauleiter, Ingenieur Jost Wey (vom Kabarettisten Thomas Götz in steifem Anzug, Vatermörder und Spitzbart auf prächtige Weise verkörpert), wurden Leo Kalt, pensionierter Rheinbauleiter, und sein Nachfolger Daniel Dietsche zum Rapport aufgeboten. Das Publikum amüsierte sich bestens, als sie Rechenschaft ablegen mussten, warum der Endausbau so lange gedauert hatte.

Zum Abschluss der Arbeiten an der Altenrheiner Marina hatte die IRR im Bereich der Rheinmündung eine zwölf Meter hohe Eisenfigur, den «Rheinmann» aufstellen lassen, das Ende des gesamten Ausbaus wurde nun mit dem «Schlussstein» in Form eines eisernen Fisches markiert.

Heute Samstag gibt es von 9 bis 12 Uhr im Rheinholz, Gaissau, Informationen zu Vögeln, Fischen, Amphibien und Insekten, die in den Auwäldern eine Lebensgrundlage finden. Im Anschluss folgt ein Beisammensein beim Kiosk im Rheinholz. Morgen Sonntag kann man das Gebiet Eselschwanz, St. Margrethen, erkunden und zwischen 10 und 15 Uhr den Brunch bei Gemüsebau Thurnheer geniessen. Da kaum Parkplätze zur Verfügung stehen, wird die Anfahrt mit dem Velo, mit dem Bähnli ab den St. Margrether Sportanlagen Rheinauen oder mit der Fähre von Höchst zum Eselschwanz empfohlen.

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