ALTENRHEIN: Die Kläranlage wird fünfzig

Mit dem Baustart der vierten Reinigungsstufe wurde eine wichtige Weiche für den inzwischen 50-jährigen Abwasserverband Altenrhein gestellt – das haben die Vertreter an der Delegiertenversammlung erfahren.

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Demnächst können Interessierte die Kläranlage besichtigen. (Bild: pd)

Demnächst können Interessierte die Kläranlage besichtigen. (Bild: pd)

Präsident Robert Raths und Geschäftsführer Christoph Egli orientierten an der Delegiertenversammlung des Abwasserverbands Altenrhein (AVA) über den aktuellen Geschäftsgang und liessen anhand der Rechnung 2016 das abgelaufene Jahr Revue passieren. Erstmals zur Delegiertenversammlung des AVA begrüsst wurden die Vertreter der Gemeinde Rehetobel. Seit November 2016 ist deren Klärwerk ausser Betrieb und das Abwasser wird via Eggersriet und Untereggen nach Altenrhein abgeleitet. Nach dem zusätzlichen Anschluss der Gemeinde Speicher wird der Verband ab Ende 2017 15 Gemeinden umfassen und das Abwasser von rund 60000 angeschlossenen Einwohnern wird mit modernster Technik behandelt.

Investition von 9,7 Millionen zulasten des Verbands

Mit dem Bau der zusätzlichen Ausbaustufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen und Spurenstoffen wurde im Oktober gestartet. Das Fundament, das von 176 Pfählen gestützt wird, ist erstellt. Das Kombi-Verfahren, bestehend aus einer Ozonierung und einer nachgeschalteten Filtration mit granulierter Aktivkohle (GAK) wird Mikroverunreinigungen wirksam aufspalten und zurückhalten. Diese für den Gewässerschutz wichtige und vom Bund vorgegebene Investition schlägt mit Brutto-Investitionskosten von 21,8 Millionen Franken zu Buche. Nach Abzug der Bundesbeiträge verbleiben zulasten des Verbands 9,7 Millionen an zu tilgenden Nettoinvestitionen.

Im Bereich der überregionalen Schlammentsorgung wurden im Berichtsjahr von rund 20 Kläranlagen 151000 Kubikmeter Flüssigschlamm sowie gut 2000 Tonnen entwässerte Schlämme zu total 6100 Tonnen Klärschlammgranulat verarbeitet und danach im Zementwerk verwertet. Ab 2026 muss der im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden. Der AVA partizipiert aktiv am Lösungsprozess, denn es fehlt noch an geeigneten Verfahren. Im Pilotmassstab wurden in Altenrhein jetzt erfolgsversprechende Resultate erzielt. Der Arbeitstitel: Dezentrale stoffliche und energetische Klärschlammverwertung zum Pflanzendünger und zur Fernwärme.

Blockheizkraftwerk wird angeschafft

Der Gesamt-Stromverbrauch 2016 lag bei 8321 MWh. Davon wurden 5366 MWh selbst produziert. Zwecks Redundanzabsicherung und zur Erhöhung der erforderlichen Betriebssicherheit wurde die Beschaffung eines weiteren Blockheizkraftwerks in die Wege geleitet, das mit einer elektrischen Motorenleistung von 800 kW und einem Wirkungsgrad von über 41 Prozent parallel zum baugleichen Blockheizkraftwerk mit Baujahr 2014 betrieben wird. Die verbandseigenen Energieanlagen wurden in einem Leuchtturmprojekt auf die Möglichkeiten eines Regelpools geprüft. Durch das gezielte «Abwerfen» der AVA-Aggregate in Abhängigkeit vom Bedarf im übergeordneten Stromnetz kann ein Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes bei Stromschwankungen erreicht werden. Am letzten Montag wurde dem AVA hierfür der InfraWatt-Innovationspreis 2016 überreicht.

Die Rechnung 2016 schliesst ausgeglichen ab. Die erstmals durch den Bund eingeforderte Abwasserabgabe in der Höhe von neun Franken pro Einwohner belastete die AVA-Rechnung mit knapp einer halben Million Franken. Trotzdem wurden die Gebühren, die seit 2004 stabil sind, gegenüber den angeschlossenen Gemeinden nicht erhöht.

Offene Türen am 50. Geburtstag

Im Jahre 1967 wurde der Grundstein zum Bau der ARA Altenrhein gelegt. Das 50-jährige Bestehen wird zusammen mit der Bevölkerung gefeiert. Die Betriebstore werden geöffnet: Am Samstag, 29. April, zwischen 11 und 17 Uhr führt ein Rundgang durch die moderne ARA und vermittelt einen Eindruck über die heutigen Methoden der Siedlungsentwässerung, Abwasserreinigung und Klärschlammbehandlung. Eine Festwirtschaft kümmert sich um das leibliche Wohl.

In den Rundgang integriert sind eine Präsentation der Kanalnetzequipe, die Baustelle zur 4. Reinigungsstufe (Elimination von Mikroverunreinigungen) mit einer Containeranlage und einer Konzeptvorstellung zum Biomonitoring (Aquakultur), eine Pilotanlage zum Phosphorrecycling, ein Themenposten «Kläranlagen und Treibhausgase», Einblicke in die energetische Entwicklung des AVA anhand der Annahmestelle für biogene Abfälle und einer Klärschlammdesintegrationsanlage. (pd)