Restauration
Alte Saiten klingen wieder: Ein Oberrierter restauriert historische Klaviere

Peter Zünd aus Oberriet restauriert historische Klaviere. Zuletzt hat er ein Pantaleon wieder spielbar hergerichtet.

Monika von der Linden
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Von aussen wieder anzusehen und spielbar: Peter Zünd hat das Pantaleon aus dem frühen 18. Jahrhundert in etwa 100 Stunden Arbeit wieder hergerichtet.

Von aussen wieder anzusehen und spielbar: Peter Zünd hat das Pantaleon aus dem frühen 18. Jahrhundert in etwa 100 Stunden Arbeit wieder hergerichtet.

Bild: Monika Von Der Linden

Die Stube Peter Zünds gleicht einem Musikzimmer. Überall stehen Instrumente. «Es sind Chordofone – Saitenklinger», sagt er. Damit er der Journalistin einen Eindruck vermitteln kann, wie sich die Mechanik in dieser Kategorie im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, bringt Peter Zünd je eine Zitter, ein Cembalo und schliesslich ein Hackbrett zum Klingen. Letzteres ist die erste Form der Saitenklinger, bei ihr werden die Saiten weder gezupft noch touchiert oder gestreift. Sie werden mit Ruten angeschlagen.

Mit dem Grundwissen im Hinterkopf geht es einen Stock tiefer. In der Werkstatt steht ein frisch restauriertes Pantaleon. «Vor drei Jahren kannte ich die Bezeichnung noch nicht», sagt Peter Zünd. Sie beruht auf dem Namen des Erfinders, dem Deutschen Pantaleon Heben­streit (1668–1750).

Das Pantaleon im Zustand, wie es das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen Peter Zünd zum Restaurieren anvertraut hat.

Das Pantaleon im Zustand, wie es das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen Peter Zünd zum Restaurieren anvertraut hat.

Bild:PD

Restaurator steht im Dienst eines St.Galler Museums

Das Instrument hier trägt die Jahreszahl 1723. Es gehört dem Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen. Peter Zünd hat in früheren Jahren bereits Instrumente aus dessen Fundus restauriert. «Das Holz war to­tal verdreckt.» Sorgfältig reinigte er es und polierte es mit Wattepads auf Hochglanz. «Das Gehäuse war nicht sehr sorgfältig gearbeitet», sagt Zünd. Es besteht aus drei Holzarten. «Sie passen nicht zueinander.» Weder vom Aussehen noch von den Eigenschaften. «Die Einzelteile sind so verzogen, dass das Gehäuse nicht mehr komplett schliesst.» Weiter löste sich der Boden des Resonanzkörpers von der Grundkonstruktion ab.

Die Saiten hatten Rost angesetzt. Mithilfe von Brennsprit gelang es Peter Zünd, sie zu reinigen und zu entfetten. Sie wieder aufzuziehen, verlangte ihm ein genaues Arbeiten mit viel Fingerfertigkeit ab: Jede einzelne Saite wickelte er auf den dazugehörigen Wirbel. «Die Wirbel haben keine Löcher, in die ich einfädeln könnte.» Gerissen ist ihm glücklicherweise keine der alten Saiten. Erschwerend kam hinzu, dass sich der Steg, über den sie laufen, vom Resonanzboden gelöst hatte. Er war ausgetrocknet und gewölbt. Peter Zünd unterlegte den Steg mit einer Holzplatte und befestigte ihn wieder.

Nach etwa hundert Stunden Arbeit ist das Pantaleon wieder spielbar. Peter Zünd lässt es erklingen. Er spielt einen Wiener Walzer und erklärt: «Beim Hackbrett schlage ich die Saiten mit zwei Ruten an. Beim Pantaleon tun dies kleine Hämmerchen. Sie sind nicht gedämpft. So klingt es ähnlich einem Hackbrett.» Hingegen kann er im Gegensatz zum Hackbrett nicht nur zwei Töne anschlagen, sondern mehrere Akkorde gleichzeitig spielen.

Fokussiert auf das 18. und 19. Jahrhundert

Den Zugang zu alten Chronofonen erlangte Peter Zünd Ende der 60er-Jahre. Damals war er Sekundarlehrer und hob das Museum Rothus in Oberriet aus der Taufe. Sein Kontakt zum Rorschacher Kornhaus führte ihn auf die Spur eines Klaviers – Pianino. Mit nur wenig Aufwand richtete er es wieder spielbar her. «Meine Frau musizierte damals auf einer Blockflöte. Dazu hätte ein Cembalo besser geklungen», sagt er.

Ein weiteres Klavier erwarb er für 200 Franken bei einem Antiquitätenhändler. Es fehlten einige Teile. Obwohl Peter Zünd Mitte der 70er-Jahre noch wenig Erfahrung hatte, gelang es ihm, das Instrument zu restaurieren. An einem baugleichen und intakten Exemplar im Toggenburger Museum in Lichtensteig lernte er die spezifischen Details kennen und wandte sie auf das eigene Instrument an. Er ergänzte es um den Unterbau, versah es mit Beinen und Pedalzug.

Im Laufe der Zeit wagte sich der Instrumentenliebhaber an immer mehr Stücke heran. Er belegte einen Restaurationskurs, vertiefte sein Wissen, lernte immer mehr Techniken kennen und Fertigkeiten ausführen.

«Ich beschränke mich auf alte Klaviere», sagt er. Es sind jene, die zwischen 1720 und 1850 entstanden. «Von jüngeren lasse ich die Finger.» Die Mechanik wurde später viel komplexer. Um sie restaurieren zu können, fehlen dem 80-Jährigen die Ausbildung und die Werkstatt.

Im St.Galler Museum stehen noch zwei weitere Saitenklinger, die zur Restauration in Frage kommen. «Die nötige Zeit und Erfahrung dazu habe ich», sagt er und deckt die Tastatur des Pantaleons wieder ab.