«Alte Menschen geben viel zurück»

Noch dreizehn Tage dauert es, bis im Balgacher Verahus eine neue Ära beginnt – diejenige von Gregor Baumgartner. Der künftige Heimleiter spricht über das Altersheim der Zukunft und über die Faszination, mit alten Menschen zu arbeiten.

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Gregor Baumgartner: Probesitzen an seinem zukünftigen Arbeitsplatz im Balgacher Verahus. (Bild: Samuel Tanner)

Gregor Baumgartner: Probesitzen an seinem zukünftigen Arbeitsplatz im Balgacher Verahus. (Bild: Samuel Tanner)

Herr Baumgartner, Sie haben als Student in einer Alterssiedlung gearbeitet, waren Fachspezialist im Bereich Alter und übernehmen nun als 33-Jähriger das Verahus. Alte Menschen müssen Sie unglaublich faszinieren.

Gregor Baumgartner: Ja, vor allem der direkte Kontakt gefällt mir gut. Ich will für die Pensionäre da sein. Dann ist die Arbeit auch sehr dankbar. Alte Menschen geben viel zurück – von ihrer Erfahrung und auch von ihrem Wissen.

Dennoch: Sie haben als Jugendlicher alte Menschen gepflegt. Eine Zeit, in der andere überhaupt nichts mit dieser Altersgruppe anfangen können.

Baumgartner: Das stimmt. Mich hat der soziale Bereich aber schon immer interessiert, auch als ich die Lehre als Maschinenmechaniker absolvierte. Ich kenne keine Berührungsängste und die Arbeit in der Alterssiedlung half mir zudem, mein Studium zu finanzieren.

Später haben Sie Wirtschaft studiert und dann in der Verwaltung gearbeitet. Hatten Sie schon zu dieser Zeit das Ziel, einmal ein Altersheim zu übernehmen?

Baumgartner: Nein, so weit dachte ich da noch nicht. Im Nachhinein betrachtet, ergänzen sich meine bisherigen Tätigkeiten aber optimal, um das Verahus zu übernehmen.

Wie meinen Sie das?

Baumgartner: Durch meine Arbeit in der Alterssiedlung kenne ich die Pflege. Das Wirtschaftsstudium und die Zeit als Vermögensverwalter haben mich betriebswirtschaftlich fit gemacht und durch meine Tätigkeit im Amt für Soziales kenne ich mich mit Dingen wie der Pflegefinanzierung aus.

Sie verfügen über ein breites Wissen, haben Management-Erfahrung. Gehören Sie zu einer neuen Generation von Heimleitern, die mehr Manager als Heimvater sind?

Baumgartner: Ich sehe mich eher als operativer Leiter und nicht als Heimvater. Das Verahus hat fünfzig Angestellte, dazu über fünfzig Pensionäre. Wir sind ein relativ grosser Betrieb. Zur Generationen-Frage: Ich denke schon, dass der Rahmen früher familiärer war. Heute gibt es diverse Anspruchsgruppen. Angehörige, Pensionäre, die Gemeinde. Ich werde versuchen, mich in diesem Spannungsfeld zu bewegen.

Was ändert sich für die Verahus-Pensionäre durch einen solchen Generationenwechsel?

Baumgartner: Ändern soll sich dadurch nichts! Auch ich will natürlich so oft es geht bei den betagten Menschen sein. An unserer Weihnachtsfeier werde ich nicht im Büro, sondern auch im Festsaal sitzen. Mein primäres Ziel in den ersten Monaten ist es, möglichst viele Bewohner des Verahus persönlich kennenzulernen.

Sie verantworten den betriebswirtschaftlichen Erfolg, die Pflege oder auch die Kommunikation nach aussen. Keine leichte Aufgabe.

Baumgartner: Genau diese Vielseitigkeit reizt mich. Nächstes Jahr kommt die Spitex hinzu, die die Gemeinde Balgach in die Organisation des künftigen Senioren- und Spitex-Zentrums integriert. So soll es künftig nur noch eine Ansprechperson geben.

Die Strukturen ändern sich, die Leute werden immer älter, die Institutionen müssen angepasst werden. Wie sieht das Altersheim der Zukunft aus?

Baumgartner: Das fragen Sie am besten die heutigen 60-Jährigen.

Ich frage Sie. Was sind die künftigen Ansprüche?

Baumgartner: Die Bewohner von morgen werden wohl noch selbstbestimmter sein als heute. Weiter denke ich auch ans Internet.

Kann man ganz grundsätzlich sagen, dass die Leute immer älter werden und deshalb länger zu Hause bleiben?

Baumgartner: Ja, dadurch verändert sich auch unsere Arbeit. Möglich ist, dass die Leute noch länger als heute zu Hause bleiben und ambulant von der Spitex versorgt werden können. Der Kanton sagt ja beispielsweise klipp und klar: Ambulant vor stationär.

Kommt daher die geplante Zusammenarbeit mit der Spitex?

Baumgartner: Genau. Und es ist mir wichtig, dass sich der Gemeinderat von Balgach mit diesen Fragen der Zukunft auseinandersetzt.

Ab Januar arbeiten Sie im Verahus. Wann übernehmen Sie die Aufgaben des langjährigen Leiters Markus Zäch?

Baumgartner: Markus Zäch steht mir im Januar noch zur Seite. Im Laufe des Monats werde ich dann aber die Zügel übernehmen.

Was wollen Sie verändern?

Baumgartner: Das Verahus wird schon jetzt zeitgemäss geführt. Es ist jetzt vorerst meine Aufgabe, alle Abläufe kennenzulernen.

Interview: Samuel Tanner