Als Sexsklavin gehalten

Eine 44-jährige Aadorferin soll monatelang von einem Mann in ihrer Wohnung festgehalten und missbraucht worden sein. Dieser bestreitet die Vorwürfe.

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AADORF. Es begann in einer Pizzeria und endete beim Staatsanwalt. Wie «20 Minuten» gestern berichtete, lernte eine Aadorferin ihren mutmasslichen Peiniger gemäss ihren Aussagen in einem Pizza-Imbiss in der Nähe ihrer Wohnung kennen. Schon bei der ersten Begegnung habe er sie unter Druck gesetzt. Dennoch habe sie ihn in ihre Wohnung gelassen. «Er hat sich gegen meinen Willen einquartiert und mir jeglichen Kontakt zur Aussenwelt verboten», sagte die gelernte Pflegefachfrau gegenüber «20 Minuten». «Zwei Monate lang lebte ich in meinen eigenen vier Wänden wie in einem Gefängnis.»

Niemand habe sie vermisst

Da sie schon längere Zeit krankgeschrieben gewesen sei, habe sie auf der Arbeit niemand vermisst. Erst am 27. Juli sei die 44-Jährige befreit worden. Ein Freund aus Deutschland habe sich gewaltsam Zugang zu ihrer Wohnung verschafft.

«Der Mann prügelte auf meine Kollegin ein und wollte nicht mehr von ihr ablassen. Auch auf mich ist er losgegangen», lässt sich der Freund zitieren. Er habe umgehend die Polizei verständigt. Doch ausser einer Wegweisung von ein paar Tagen sei nichts geschehen. Beide, das Opfer und der Freund, fühlten sich von den Beamten im Stich gelassen.

Tags darauf ging die Aadorferin deshalb mit ihrem Befreier in die Notaufnahme eines Spitals im Thurgau. Wie es im Artikel heisst, zeige der Notfallbericht deutlich, wie übel die 44-Jährige von ihrem Peiniger zugerichtet wurde. Neben Schürfungen und Rippenfrakturen erlitt sie ein mildes Schädel-Hirn-Trauma. Sie erstattete Anzeige. Die Thurgauer Kantonspolizei bestätigt den Einsatz vom 27. Juli wegen häuslicher Gewalt. Laut der Staatsanwaltschaft Frauenfeld ist am 4. August die Anzeige der 44-Jährigen eingegangen. Es sei ein Verfahren eröffnet worden, die Ermittlungen würden laufen. Da kein Haftgrund vorliege, habe man den mutmasslichen Peiniger auf freiem Fuss gelassen.

Beschuldigter will sich absetzen

«Ich habe bei ihr gewohnt, aber nur, weil sie mich darum gebeten hat», wird der Beschuldigte zitiert. Und es seien nicht zwei Monate, sondern zwei Wochen gewesen, der Sex einvernehmlich. An den Polizeieinsatz könne er sich nicht mehr genau erinnern. «Ich war ziemlich betrunken.» Er wolle sich nun für einige Zeit in sein Heimatland absetzen. (lex/kuo)