ALP KIENBERG
Weil noch Schnee liegt: Älpler müssen sich gedulden

Teile des Sömmerungsgebiets liegen noch unter einer Schneedecke. Auf der Alp Kienberg wird bereits gearbeitet.

Merken
Drucken
Teilen
Auf der tiefst gelegenen Milchkuhalp des Kantons St.Gallen, der Alp Kienberg (850 m) in der Gemeinde Oberriet wird bereits seit fast zwei Wochen die Milch der 42 Kühe zu Alpkäse verarbeitet.

Auf der tiefst gelegenen Milchkuhalp des Kantons St.Gallen, der Alp Kienberg (850 m) in der Gemeinde Oberriet wird bereits seit fast zwei Wochen die Milch der 42 Kühe zu Alpkäse verarbeitet.

Bild: pd

(pd) Durch die anhaltend kalten Temperaturen der vergangenen Wochen liegt immer noch viel Schnee auf den meisten Alpen und weitere Schneeflocken sind auch dieser Tage keine Seltenheit. Dies führt dazu, dass die Alpzeit für viele Alpbetriebe sieben bis zehn Tage später als durchschnittlich und im Vergleich zum sehr frühen Start im letzten Jahr sogar mehr als zwei Wochen später beginnen wird.

Das heisst, der Grossteil der Alpbetriebe, mit Ausnahme der Hochalpen, wird voraussichtlich ab der zweiten Juniwoche bestossen.

In der Höhe schnelleres Pflanzenwachstum

Die frühesten Alpen sind auch dieses Jahr die Alp Kienberg, Oberriet (8. Mai), die Alp Schanerberg, Wartau (in ca. einer Woche) und die Alp Schrina in Walenstadt (in ca. zehn Tagen). Wie eh und je wird auch dieses Jahr die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Alpfahrt rege diskutiert. Fakt ist, je höher die Weiden liegen, desto höher ist auch die Wuchsgeschwindigkeit der Pflanzenbestände. Wenn das Graswachstum auf den Alpen einmal losgelegt hat und die Temperaturen nicht mehr zu tief fallen, kann fast nicht zu früh auf die Alp gezogen werden. Momentan ist es auf den Untersässen bereits grün und die Vegetation steht in den Startlöchern, es fehlen aber noch die warmen Temperaturen.

Der Winter hat glücklicherweise dieses Jahr an den meisten Orten keine grösseren Schäden hinterlassen und Gebäude, Infrastruktur und Weiden wurden grösstenteils von Lawinenniedergängen verschont.

Wenn auch auf verschiedene Art und Weise, so haben doch die meisten Leute einen Bezug zum Alpgebiet und zur Alpwirtschaft. Für die einen bedeuten die Alpen Heimat oder sogar Zuhause, für andere Arbeitsplatz, Brauchtum, Biodiversität, Alpprodukte, Freizeit oder Erholung in der Natur. Eines haben alle gemeinsam, sie wollen die Alpwirtschaft und die damit verbundene Artenvielfalt im Sömmerungsgebiet schützen und erhalten. Interessenskonflikte sind dabei vorprogrammiert und für die Bewirtschafter der Alpbetriebe ist es oft eine Gratwanderung zwischen Erhalt der Tradition, Naturschutz und der betriebswirtschaftlichen Führung eines Alpbetriebes. Andererseits sind die verschiedenen Interessensgruppen aber auch eine grosse Chance, die genutzt werden soll. Denn durch das positive Image der Alpwirtschaft, nicht zuletzt ihrer hervorragenden Produkte wegen, profitiert schliesslich die gesamte Landwirtschaft.

Rückblick auf das «Alpkäsejahr 2020»

Das Jahr 2020 könnte auch als «Jahr des Alpkäses» bezeichnet werden. Die Wetterbedingungen für hohe Milchleistungen der Kühe waren ausgezeichnet. Klar ist, dass in den letzten 20 Jahren noch nie so viel Alpkäse produziert wurde wie im vergangenen Jahr. Im Sarganserland wurden auf 18 Alpbetrieben mit Milchverarbeitung 220260 kg Alpkäse produziert, was gegenüber einem Durchschnittsjahr ein Plus von 13% ist. Wird die zusätzlich verarbeitete Milch in der neuen Alpkäserei Flumserberg und die durch Umstellung auf Mutterkühe wegfallende Milch der Alp Halden-Pardiel mitgerechnet, ergibt sich sogar ein Plus von 16%. Im Werdenberg wurden auf zehn Alpbetrieben mit Milchverarbeitung 53730kg Alpkäse produziert, was einer Zunahme von 11% entspricht.

Investitionen in Alpkäserein getätigt

Aber nicht nur die Produktion erreichte Spitzenwerte, sondern auch der Absatz. Die naturnahen, gesunden Alpprodukte liegen im Trend. Die St.Galler Alpbetriebe setzen weiterhin auf Milchverarbeitung, wodurch eine höhere Wertschöpfung aus der Milch erzielt werden kann. Dies zeigen auch die Investitionen der letzten Jahre in diverse Alpkäsereien, unter anderem auch auf der Alp Kienberg.