«Alles hat seine Stunde …»

Als ich diese Woche im See baden war, war das Wasser besonders klar: Da kaum noch jemand schwimmen geht, wird der See nicht mehr so aufgewühlt. Am sanften Licht und der Temperatur war klar zu erkennen, dass sich der Sommer seinem Ende zuneigt.

Uwe Rohloff Stellenleiter Akj Rheintal
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Als ich diese Woche im See baden war, war das Wasser besonders klar: Da kaum noch jemand schwimmen geht, wird der See nicht mehr so aufgewühlt. Am sanften Licht und der Temperatur war klar zu erkennen, dass sich der Sommer seinem Ende zuneigt. Auch im Kalender war diese Woche der Herbstanfang verzeichnet. Nach einem Sommer, der dieses Jahr fast Italien Konkurrenz machte, ist der Übergang in die nächste Jahreszeit deutlich zu spüren.

Im Buch Kohelet in der Bibel heisst es im dritten Kapitel: «Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen.» An den Jahreszeiten sind die uns gesetzten Zeiten besonders deutlich abzulesen, aber auch in unserem Leben gibt es Ereignisse, die uns den Ablauf der Zeit vor Augen hält. Im Buch Kohelet heisst es auch, es gebe «eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz». Was immer wir tun und erleben, ist der Zeit und der Vergänglichkeit unterworfen.

Gleichzeitig tragen aber auch die meisten Menschen eine Sehnsucht nach Ewigkeit und Überdauerndem in sich. Was ist es nach dem christlichen Glauben, das die Zeit überdauert? Zum einen spricht er von der unsterblichen Seele des Menschen. Zum anderen wirken unsere Taten weiter und finden ihren Widerhall im ewigen Leben. Alles, was wir in diesem Leben Gutes tun, wird im ewigen Leben weiterschwingen. Somit enthalten viele unserer Handlungen ein Stück Ewigkeit, auch wenn die Handlungen selber wieder verklingen.

Für uns heute in der Schweiz und in Mitteleuropa ist das vergehen des Sommers kein dramatisches Ereignis mehr. Während frühere Generationen mit der Kälte und Enge in dunklen Räumen im Winter zu kämpfen hatten, sind wir heutzutage bestens auf den Winter vorbereitet: mit Heizung, grossen Glasfenstern und der Vorfreude auf die Skisaison. Wir dürfen uns über diese Errungenschaften freuen und Gott dankbar sein. Und wir können unseren zeitlich begrenzten Freuden einen Hauch für die Ewigkeit hinzufügen, indem wir denen Gutes tun, die nicht so gut dastehen wie wir und im Winter vielleicht hungern oder frieren müssen.