«Alles hängt, nichts ist sicher»: Wie ein Veranstaltungstechniker mit der Coronakrise umgeht

Die Eventtechnik GmbH versorgt Anlässe mit Licht und Ton. Inhaber Thomas Kühnis erzählt, wie ihn die Krise bis jetzt fest im Griff hat.

Interview: Reto Wälter
Drucken
Teilen
Thomas Kühnis vor einer Musikanlage und einem kleinen Teil seines professionellen Equipments, das er auch für private Anlässe und Partys vermietet.

Thomas Kühnis vor einer Musikanlage und einem kleinen Teil seines professionellen Equipments, das er auch für private Anlässe und Partys vermietet.

Bild: Reto Wälter

Thomas Kühnis, Inhaber der Kühnis Eventtechnik GmbH, gründete seine Firma 2015. Bereits zuvor, während seiner Lehre als Elektriker, hat er sich hobbymässig mit Licht- und Tontechnik auseinandergesetzt, erste Anlagen erstanden und ausgeliehen. Ab der Gründung arbeitete er zuerst noch Teilzeit, baute seine Dienstleistungen aber stetig aus. Inzwischen beschäftigt er zwei Mitarbeiter, einer in Teilzeit.

Sein Team kann Events fast jeder Grösse mit Lichttechnik, LED-Walls, Bühnen und Beschallung, also auch Mikrofonen und Mischpulten ausrüsten. Dazu kommen Beratung, Konzeption, Visualisierungen und Liveübertragungen. Von Grossveranstaltungen wie der Rhema, den Kreismusiktagen über Grümpelturniere, Open Airs, Maskenbälle, Firmenanlässe bis zu privaten Geburtstagsfeiern ist Kühnis Eventtechnik im Rheintal der grösste Ausrüster von Anlässen.

Thomas Kühnis, Sie leben von Events, mit dem Lockdown Mitte März durften aber keine mehr durchgeführt werden. Ein abrupter Stopp?

Thomas Kühnis: Ja, der Betrieb wurde per sofort auf Null hinuntergefahren. Ich selber ar­beitete dann auswärts, wie auch einer meiner Mitarbeiter, den anderen konnte ich an eine andere Firma ausleihen.

So haben Sie diese Corona- Zeit durchgestanden?

Nicht nur, parallel bauten wir in unserem Lager eine Bühne auf, organisierten einen Live-Stream für junge Musiker auf Youtube und bewarben dies in Face­- book. Über Crowdfunding, das noch bis Ende August läuft, erhalten die Musiker und ich etwas Geld. Es ist ein Geben und Nehmen, aber rentabel ist das nicht. Für mich war dies eher eine Werbeaktion, um Präsenz zu markieren, zu zeigen, dass es uns noch gibt, dass wir unsere Dienstleistungen immer noch anbieten.

Wie sieht es aktuell aus?

Aufgrund unserer Grösse ha­- ben wir wenigstens noch Aufträge. Zurzeit finden kleinere Events statt, dank denen wir gewisse Einnahmen haben. Ein Versuch, die Ausfälle zu einem Teil zu kompensieren, ist die Bühne Allmend-Park in Altstätten. Das funktioniert aber nur, wenn die Anlässe innerhalb der geltenden Vorschriften gut besucht werden, wenn nicht, wird es ein ziemliches Verlustgeschäft.

Bis Mitte September werden von Public Viewing über Partys bis DJ-Auftritten und Konzerten unterschiedlichste Events angeboten. Wie lief es denn bisher ?

Unterschiedlich. Wir hatten ei­nerseits sehr gut besuchte Anlässe, andererseits kamen an anderen Anlässen sehr wenige Leute. Es ist schwierig, festzustellen, ob es am Wetter, dem Angebot oder an den Bedingungen lag.

Sind die Leute vorsichtig geworden ?

Teilweise ist das erkennbar, etwa was Begrüssung und Abstandsregeln anbelangen. Es herrscht eine gewisse Unsicherheit. Klare und eindeutige Regeln, die die Sicherheit garantieren und auch über einen längeren Zeitraum Bestand haben, wären hilfreich. Auch für uns, denn wir müssen machen, was möglich ist.

Was ist auf dem Allmend- Park möglich?

Dank der grossen Fläche konnten wir zwei Sektoren für je 280 Besucher einrichten, die restlichen 20 Plätze sind für das Personal reserviert. Im Normalfall hätten über 2500 Leute Platz. Natürlich ist der Sektor weniger beliebt, der weiter entfernt von der Bühne ist. Gut möglich ist auch, dass Leute nicht kommen, weil ihre Kollegen Plätze im ersten Sektor ergatterten und der bereits ausverkauft ist. Diese Umstände machen das Unternehmen zu einem finanziellen Risiko.

Wie lange können Sie denn unter den jetzigen Bedingungen noch durchhalten?

Momentan lebe ich von den Reserven. Meine grösste Sorge ist, dass die Fasnacht und die Rhema nächstes Jahr nicht stattfinden. Das wäre das Ende, dann würde ich wieder in meinem gelernten Beruf als Elektriker arbeiten. Das Geschäft wird von den grossen Anlässen getragen. Wir brauchen aber auch die kleineren Events, die uns und unser Equipment auslasten.

Haben Sie denn auch Ideen, sich anders auszurichten?

Sicher versuche ich verstärkt, Teile des Equipments an Private zu vermieten, etwa wenn jemand in seinem Garten mit Freunden und Verwandten ein Fussballspiel auf einem Grossbildschirm sehen oder Musik aus einer professionellen Anlage geniessen möchte. Dann sind Bemühungen im Gange, die LED-Wand für Werbebotschaften zu vermieten. Als «Stromer» habe ich das Potenzial, andere Dinge zu tun. Dafür müsste ich aber investieren können und das ist zurzeit schwierig. Neben der Eventbranche ein zweites Standbein aufzubauen, war aber schon immer meine Idee und ist jetzt auf der Prioritätenliste natürlich nach oben gerutscht.

Die Entwicklung der Coronakrise ist für die Zukunft Ihres Geschäftes entscheidend?

Ja, aber es gibt hier auch die andere Seite. Was ist, wenn es auf einmal wieder voll los geht und viel Nachholbedarf besteht, weil beispielsweise ein Impfmittel vorhanden ist? Das könnte auch schwierig werden, weil die Kapazitäten dafür fehlen würden. Es ist eine üble Krise, weil alles in der Luft hängt und nichts sicher ist.