Porträt
«Alles beginnt mit einem Gespräch»: Der neue Kaplan von Balgach kam von Polen in die Schweiz

Gregor Syska ist in Polen aufgewachsen. Seit acht Jahren lebt er in der Schweiz. Anfangs dieses Monats hat er seinen Dienst als Kaplan in Balgach aufgenommen.

Monika von der Linden
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Pater Gregor Syska ist seit 1. August Pfarreibeauftragter in Balgach und Kaplan in der Seelsorgeeinheit.

Pater Gregor Syska ist seit 1. August Pfarreibeauftragter in Balgach und Kaplan in der Seelsorgeeinheit.

Es sind die das Rheintal säumenden Berge, die in Pater Gregor Syska ein Gefühl der Vertrautheit wecken. Sie tragen zwar andere Namen als jene seiner Kindertage, erinnern ihn aber an seine Heimat in der Nähe von Krakau in Südpolen.

Der junge Gregor Syska war mit den Bergen so stark verbunden, dass er Bergretter werden wollte. Es kam anders. Er rettet nicht Menschen aus Bergnot, sondern sorgt sich als katho­lischer Geistlicher um Seelen. Nach seinem Theologiestudium hatte er sich der Kongregation der Salettiner-Patres (Missionare von La Salette) angeschlossen und im Jahr 2009 zum Priester weihen lassen.

Der Wechsel kam nicht überraschend

Vier Jahre lang hatte der Pater in einer grossen Pfarrei in Rzeszow in Ostpolen gearbeitet, als ihn der Provinzobere fragte, ob er bereit sei, in die Schweiz zu gehen, dort Deutsch zu lernen und Seelsorger zu sein.

Der Wechsel in ein anderes Land kam nicht überraschend. Gregor Syska war mit den Salettinern in eine Ordensgemeinschaft eingetreten, deren Mitglieder sich unter die Menschen mischen und nicht in klösterlicher Besinnung zurückziehen. «Ich hatte nicht gedacht, dass ich in der Schweiz arbeiten werde», sagt er. Er hatte eher an den englischen Sprachraum gedacht. Nun benötigte aber die Schweizer Gemeinschaft die Unterstützung der Kongregation. Die hiesige Provinz war im Jahr 2013 aufgehoben und in die polnische integriert worden.

Die Ordensgemeinschaft ist wie eine Familie

Das Missionshaus Untere Waid in Mörschwil ist das neue Zuhause des Paters. Die Gemeinschaft ist ihm fern der Heimat zum Fixpunkt unter Schweizern geworden. «Die Kommunität hat mir geholfen, mich zurechtzufinden und die Mentalität der Ostschweizer zu verstehen», sagt Gregor Syska.

«Unsere Lebensgemeinschaft gleicht der einer Familie.»

Das sei ein Grund, warum er in einen Orden eingetreten und kein weltlicher Priester geworden sei. Folglich bleibt er im Missionshaus wohnen, nachdem er am 1. August Pfarreibeauftragter von Balgach und Kaplan in der Seelsorgeeinheit Balg­ach – Widnau – Diepoldsau/Schmitter geworden ist. «Ich möchte ein Gefühl dafür entwickeln, wann mich die Pfarrei braucht und wann die Gemeinschaft.»

Deutsch zu lernen, schien lange nicht von Erfolg gekrönt zu sein. In der Schule klappte es gut, auf der Strasse verstand Gregor Syska niemanden. «Ich lerne, lerne, lerne und es nützt kaum», sagte sich der Pater seinerzeit. Dann begriff er, dass die Menschen Dialekt sprachen. Heute versteht er fast alles, drückt sich klar und differenziert aus. «Es ist respektvoll, wenn ich die Worte der Menschen und ihre Art des Denkens versuche zu verstehen, bevor ich ihnen etwas sagen möchte», sagt er.

«Raus zu den Menschen»

Gregor Syska sieht sich nicht als einen Priester, der nur hinter dem Altar steht oder im Büro sitzt. «Ich muss raus zu den Menschen gehen», sagt er. Er wolle sich niemandem aufdrängen, sondern sich miteinander austauschen. «Schätzen und respektieren wir uns einander, lernen wir voneinander.»

Wer dies in einem lockeren Rahmen tun möchte, findet dazu auf einer Bergwanderung oder Wallfahrt nach La Salette in Frankreich wohl Gelegenheit. «Unterwegs kommen so tiefe Fragen zur Sprache, wie sie im Kirchenraum kaum jemand stellt.»

«Unser Charisma ist die Versöhnung»

Das Thema Versöhnung ist bei den Salettinern allgegenwärtig. «Sie ist unser Charisma. Versöhnung auf der Welt, unter den Völkern, in den Familien und mit sich selbst», sagt Gregor Syska. Eine Psychotherapie sei gut, um Geschichten zu verstehen. «Wissen allein reicht aber nicht, wir brauchen die Gnade Gottes, damit Verletzungen heilen können.» Dies gelte auch für Atheisten. «Gott liebt alle, egal ob sie glauben oder nicht.»

Ebenso sollten Konflikte, in den Pfarreien, den Seelsorgeeinheiten und im Bistum, zwischen Geweihten und nicht Geweihten, unter Freiwilligen und Hauptamtlichen sowie zwischen Männern und Frauen gelöst werden. «Manchmal weiss man nicht, woher eine Verletzung rührt.» Das findet man nur mit konkreten Menschen heraus. «Alles beginnt mit einem Gespräch. Erlangen die Menschen einen inneren Frieden, beginnt die Versöhnung.»

Als der Pater in die Schweiz einwanderte, lernte er auch das duale System der katholischen Kirche kennen. «Das funktioniert in Polen nicht», sagt er. Früher bot die polnische Kirche den Menschen Sicherheit. «Sie war Gegenpol zum Staat. Heute sei sie stark mit der regierenden Rechtspartei verknüpft. Das beeinflusse die Kirche negativ. «Trotzdem ist es noch möglich, dass sich die Kirche auf die Seite der Menschen stellt und ihnen hilft.» Die Christen seien auch Teil der Gesellschaft und hätten das Recht, ihre Meinung aus­zusprechen. «Ich schätze das Schweizer System.» In Polen lebe die Kirche von Spenden und manchmal komme es vor, dass ein Priester Geld verlange, bevor er ein Sakrament spende.

Pater Gregor Syska stellt sich jeder Pfarrei in der Seelsorgeeinheit in einem separaten Gottesdienst vor. In Balgach tut er dies am Sonntag, 15. August, um 9 Uhr; in Diepoldsau am Samstag, 21. August, um 18.30 Uhr und in Widnau am Samstag, 28. August, um 17 Uhr, jeweils in der katholischen Kirche.

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