Balgach/Widnau/Diepoldsau
Alle warten auf ein Machtwort: Kirchgemeinden sind sich uneins

Die Kirchgemeinden der Seelsorgeeinheit einigen sich nicht auf einen Kostenschlüssel. Nun entscheidet St.Gallen.

Monika von der Linden
Drucken
Teilen
Brigitte Wicki ist Präsidentin der Balgacher Katholiken, Christian Müller Präsident der Kirchgemeinde Diepoldsau-Schmitter. Beide vertreten ihre Kirchgemeinde im Zweckverband der Seelsorgeeinheit – sie als Präsidentin, er als Vizepräsident.

Brigitte Wicki ist Präsidentin der Balgacher Katholiken, Christian Müller Präsident der Kirchgemeinde Diepoldsau-Schmitter. Beide vertreten ihre Kirchgemeinde im Zweckverband der Seelsorgeeinheit – sie als Präsidentin, er als Vizepräsident.

Bilder: Monika von der Linden

Die Pfarreien Balgach, Widnau, Diepoldsau-Schmitter sind in einer Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen. Die dazugehörigen Kirchgemeinden hingegen sind autonom und behandeln gemeinsame Angelegenheiten im Zweckverband. In erster Linie ist dies die Anstellung der Seelsorger und Katecheten.

Wie hoch der Beitrag jeder Gemeinde an den Haushalt ist, legte der Zweckverband bei seiner Gründung im Jahr 2016 in einem Vertrag fest. Der Kostenschlüssel lehnt sich an die Grösse der Gemeinden an. Je mehr Katholiken oder Seelen ihr angehören, desto mehr zahlen sie in den Topf ein: Widnau leistet mit 5000 Mitgliedern 50%, Balgach mit 2000 Katholiken 20% und Diepoldsau-Schmitter für 3000 Seelen 30%.

Seelenschlüssel als ungerecht angesehen

Als im Januar 2020 die Amtszeit begann, konstituierten sich die Verwaltungsräte neu. Der Widnauer Rat prüfte den Vertrag und erachtet den sogenannten Seelenschlüssel sowie die Sitzverteilung im Verwaltungsrat des Zweckverbandes als ungerecht. Er begründet seine Einschätzung damit, dass jede Kirchgemeinde die Infrastruktur in fast gleichen Teilen nutzt. «Obwohl wir die Hälfte der Kosten tragen, haben wir nur sechs der 16 Sitze», sagt Präsident Jean-Pierre Chéreau.

Jean-Pierre Chéreau, Präsident Katholisch Widnau.

Jean-Pierre Chéreau, Präsident Katholisch Widnau.

Bilder: Monika von der Linden

Im April letzten Jahres unterbreitete der Rat dem Zweckverband seine Forderung, die Sitzverteilung anzugleichen und den Schlüssel zu überarbeiten. Widnau will, dass alle drei Gemeinden einen gleich grossen Betrag als Sockelbeitrag leisten. Er soll 50% des Budgets ergeben. Die zweite Hälfte würde über den Seelenschlüssel ermittelt. Das gesparte Geld möchte Widnau in eine neue Jugendarbeitsstelle investieren.

Der Mitarbeiter wäre in Widnau und nicht beim Zweckverband angestellt. «Wollen wir die Gemeinde gestalten und nicht nur verwalten, brauchen wir eine gewisse Autonomie», sagt Chéreau. Es sei sinnvoll, der Jugendarbeiter fokussiere sich auf ein Dorf. «Die anderen müssten ihn ja nicht bezahlen.»

Die Verwaltungsräte von Balg­ach und Diepoldsau waren überrascht von dem Begehren. Sie sehen den geltenden Schlüssel als sinnvoll an. «Er hat in der letzten Amtsdauer gut funktioniert», sagt Brigitte Wicki, Präsidentin Balgach und Zweckverband. «Es schmerzt, dass wir unserer Hauptaufgabe nicht nachgehen können, nämlich die Rahmenbedingungen der Seelsorge schaffen.» Konkret sind per 1.August 2021 von 630 Stellenprozenten nur 420 besetzt. Ein Bewerbungsverfahren für die Familienpastoral stoppte der Zweckverband. Es liegt auf Eis.

Der Ball liegt beim Administrationsrat

Keine Seite bewegte sich auf die andere zu. Folglich kündig­te Widnau den Vertrag per 30.Juni. Um doch noch eine Lösung zu finden, zogen die Par­teien den Administrationsrat (Regierungsrat) hinzu. Er beauftragte Othmar Gerschwiler als Vermittler. «Er förderte Übereinstimmungen und Dissensen zutage», sagt Christian Müller, Präsident Diepoldsau-Schmitter und Vizepräsident Zweckverband. Gerschwilers Bericht dient der Administration zur Entscheidung. «Wir sind bereit, Hand zu bieten», sagt Müller, «und würden einem Sockelbeitrag zustimmen.

Er müsse aber im Sinne der Konsensfindung nachvollziehbar sein. «Wir haben uns auf Verhandlungen eingelassen, um die Seelsorge wieder in den Fokus zu setzen», sagt Wicki. «Wir werden den Entscheid akzeptieren und freiwillig umsetzen.» Das sei hoffentlich Mitte Jahr der Fall. «Wir werden den Entscheid zu akzeptieren haben», sagt Chéreau. Er rechne nicht damit, dass die Administration auf die Bedürfnisse nach einer intensiveren Jugendarbeit eingehe. Die Administration habe ihm erklärt, es sei nicht möglich, aus dem Zweckverband auszutreten.

«Wir haben nur den Vertrag gekündigt. Das muss doch möglich sein.»

Das Problem ist nicht behoben, jeder ist unzufrieden und wartet darauf, dass der Administrationsrat den Konflikt löst.

Aktuelle Nachrichten