Akkordeons, begleitet von Celli

Für jeden, der die Handorgel bisher eher als Soloinstrument wahrgenommen hatte, war es ein ungewöhnliches Konzert, das der Akkordeonclub Altstätten-Berneck am Sonntag in der evangelischen Kirche gab.

Gerhard Huber
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Dirigentin Petra Rieger führte die Akkordeonspieler und das Celloensemble sicher durch das musikalische Programm. (Bild: Ulrike Huber)

Dirigentin Petra Rieger führte die Akkordeonspieler und das Celloensemble sicher durch das musikalische Programm. (Bild: Ulrike Huber)

Das Konzert des Akkordeonclubs Altstätten-Berneck bot den zahlreichen Besuchern Ungewohntes. Ein ganzes Orchester, das aus 21 Akkordeonspielern und einem Schlagzeuger besteht. Ob Akkordeon, oder auch Schifferklavier, Ziehharmonika oder despektierlich Quetschkommode oder Heimatluftverdichter genannt, dieses erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Verbreitung gelangte Instrument ist man ja eher von Solisten und Unterhaltungsmusikern gewohnt.

Gleiche Tonerzeugung und einheitliche Tonfarbe

Es handelt sich um einen Klangkörper mit völlig gleicher Tonerzeugung und einheitlicher Tonfarbe. Daher kann ein Akkordeonorchester nicht mit einem Sinfonieorchester, sondern eher mit einem Streichorchester verglichen werden. Freilich kommen in solchen Orchestern oft Bass, Keyboards oder Kontrabass zusätzlich zur Anwendung. Selten ist aber, dass die Akkordeons von Celli begleitet werden.

Der Akkordeonclub unter der Leitung von Petra Rieger hat dieses mutige Experiment gewagt und das Celloensemble Cellissimo, musikalisch geführt von Marta Kowalska, zu diesem Konzert geladen. Mit «Romanze» von Moritz Lassmann, einem zeitgenössischen deutschen Komponisten, wurde auch eines der wenigen für Akkordeon-Orchester und Violoncello geschriebenen Stücke aufgeführt. Und es sei gleich gesagt: Das zutiefst traurige, wehmütige und am Herzen rührende Stück Musik, das dunkle Farben hörbar machte, war der Höhepunkt des Abends.

Im Übrigen versuchten die Akkordeonisten mit vielen Ohrwürmern und Schlagern zu gefallen. Das «Chianti-Lied» etwa, das italienisches Flair in den Konzertraum zauberte. Oder mit den Melodien aus «My Fair Lady» von Frederic Loewe, die jedermann im Ohr hat.

Ein hörbar verdientes «Sehr gut»

In ihrer musikalischen Qualität hervorstechend waren aber die beiden Kompositionen, mit denen das Orchester beim eidgenössischen Musikfest in Disentis angetreten war und die Benotung «Sehr gut» erhalten hatte. Ob bei «Fantasy in concert» von Renato Bui oder «Israel Shalom» von Kees Vlak – man hörte und merkte die Perfektion, die das vielfache Üben dieser Stücke mit sich gebracht hatte. Die Musiker liessen sich auch durch eine Zuschauerin, die munter eine Melodie in falschen Tönen mitpfiff und für alle hörbar telefonierte, nicht aus der Ruhe bringen.

Gerade «Israel Shalom» ist ein mutiges, äusserst schwierig zu spielendes Stück. An Blockflöten erinnernde Töne mischen sich mit russischer Tanzmusik, arabischen Klängen und typischen Zirkusmelodien – hervorragend präsentiert und umgesetzt. Dass es dem Publikum gefallen hat, bewiesen die drei Zugaben, die der Akkordeonclub und das Celloensemble Cellissimo geben mussten.

Das Konzert wird am kommenden Sonntag, 27. November, 17 Uhr, in der reformierten Kirche in Berneck wiederholt.