«Afrika meine Stimme geben»

Magdalena Etumni hat vor rund sechs Jahren ihren Sohn adoptiert. Der in Nigeria geborene Bub kam mit einem halben Jahr in die Schweiz. Die Geschichte um diese abenteuerliche Adoption hat Etumni in einem Buch niedergeschrieben.

Monika von der Linden
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Magdalena Etumni-Jägli möchte mit dem Buch «Ayola – Eine abenteuerliche Adoption in Afrika» zur Völkerverständigung beitragen. (Bild: Monika von der Linden)

Magdalena Etumni-Jägli möchte mit dem Buch «Ayola – Eine abenteuerliche Adoption in Afrika» zur Völkerverständigung beitragen. (Bild: Monika von der Linden)

Lüchingen. Magdalena Etumni-Jägli lebt mit ihrer Familie in Lüchingen. Bis der heute sechsjährige Sohn bei dem Ehepaar leben konnte, galt es, einen längeren Weg mit vielen Abenteuern zurückzulegen. In einem Gespräch mit unserer Zeitung berichtet die Mutter über diesen Weg und warum sie sich entschieden hat, mit der Adoption ihres Sohnes in grosser Offenheit umzugehen.

Erinnerungen für Ayola

Als ihr Sohn etwa drei Jahre alt war, beschloss Magdalena Etumni, die Geschichte um die Adoption ihres Sohnes als Erinnerung für ihn niederzuschreiben. Schnell wurde ihr bewusst, dass die Geschichte ein grösseres Ausmass hat. Würde sie das Erlebte in einem Buch veröffentlichen, so könnte sie dem Kontinent Afrika ihre Stimme geben und einen Beitrag zum Völkerverständnis leisten. Aus dieser Motivation heraus ist aus dem ursprünglichen Vorhaben ein öffentliches Werk entstanden, das sie ihrem Sohn mit den Worten gewidmet hat: «Für meinen Sohn Simeon Chikodi Ayola, der das Leben meines Mannes und mir um unsagbar vieles bereichert hat.»

Ein Kind «wertvoller» machen

«Ich wollte ein <billiges> Kind <wertvoller> machen», erzählt Etumni von dem Erlebnis, das sie auf einem Seminar für zukünftige Adoptiveltern hatte. Der Preis für die Adoption eines Kindes steige mit der Helligkeit der Hautfarbe an, berichtet die Mutter. So stand für das Ehepaar ausser Frage, ein Kind aus Afrika zu adoptieren. Da der Mann von Magdalena Etumni aus Nigeria stammt, sollte es ein Kind aus dessen Heimatland sein. So machte sich das Ehepaar im Jahr 2004 auf den Weg nach Nigeria, denn eine öffentliche Vermittlungsstelle gibt es für dieses Land nicht. Mit Unterstützung ihrer Schwägerin und der Familie ihres Mannes reiste sie durch das gesamte Land – ihr Mann musste wieder zum Arbeiten in die Schweiz zurückkehren. Auf dieser Suche liess sich Etumni nie verunsichern. Sie war gewiss, dass irgendwo ein Kind sein würde, das zu ihrer Familie gehört. Auf dieser Reise lernte sie eine Schwedin kennen, die seit 25 Jahren ein Kinderheim in Nigeria leitet. Die für das Wohlergehen der Kinder engagierte Schwedin brachte Magdalena Etumni mit dem viereinhalb Monate alten Waisenkind Ayola zusammen. Beim ersten Blickkontakt habe sie sofort gewusst, dass sie ihren Sohn gefunden hatte.

Die Entscheidung zur Adoption traf sie mit ihrem Mann gemeinsam. Via Telefon in die Schweiz tauschten sie sich aus. Ohne das Kind sehen zu können habe er ihr voll vertraut und Shedrack Okechukwu Etumni sagte Ja zur Vaterschaft von Ayola, beschreibt sie den für die Familie wichtigen Prozess.

Kinder werden nicht verkauft

Bis die nötigen Formalitäten in Nigeria erledigt waren, vergingen noch einmal zweieinhalb Monate. Während dieser Zeit lernte sie Nigerianer und ihren Alltag kennen. Sowohl ihre Familie als auch die Menschen im Heimatdorf ihres Mannes – in Uru ogwa – unterstützten sie tatkräftig und halfen ihr auch moralisch, den gewählten Weg zu beschreiten. Etumni betont in dem Gespräch, wie sehr sich der Leiter des örtlichen Sozialamtes für die Adoption einsetzte und jegliche Bestechungsgelder kategorisch ablehnte. Diese legale Vorgehensweise sei für ein Land, das für Korruption bekannt ist, bemerkenswert. Ausserdem zeige das Beispiel, die Menschen in Nigeria haben ebenso Wünsche, Gefühle und Sehnsüchte wie die Menschen im Rheintal. Die im Bündnerland aufgewachsene Frau sagt, sie habe sich stets als Familienmitglied und gleichwertige Person verstanden und akzeptiert gefühlt. Weiter beeindrucke sie die Tatsache, dass in Nigeria Kinder nur dann ins Ausland gegeben werden, wenn ihnen dort eine medizinische Behandlung zuteil werden kann, die im Inland nicht möglich ist oder wenn Landsleute ein Kind adoptieren.

Bild über Afrika korrigiert

Seit das Buch erschienen ist, hat die Autorin bereits eine grosse, positive Resonanz erfahren. Einige Personen sind mit ihr ins Gespräch gekommen und haben ihr Bild über Afrika korrigiert, das vorher eher von Klischees geprägt war. Sie seien froh, das Buch gelesen zu haben.

Auf die Frage, wie ihr Sohn mit der Öffentlichkeit seiner Geschichte zurecht komme, antwortet sie eindeutig: es sei für ihren Sohn besser, offen zu sein. Denn dort, wo Menschen informiert werden, bleibe kein Raum für Phantasie und Gerüchte. Dies gelte gleichermassen für Afrika wie für die Geschichte ihrer Familie. Magdalena Etumni könnte sich auch vorstellen, Lesungen mit ihrem Buch zu halten. Die damit verbundenen Gespräche wären sicherlich ein weiterer Beitrag zur Völkerverständigung.

«Ayola – Eine abenteuerliche Adoption in Afrika» ist im Mächler-Verlag erschienen und in allen Buchhandlungen erhältlich. Bei den Buchhandlungen Moflar und Enderli ist das Werk vorrätig.

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