Ärger über tierische Konkurrenz

Jahr für Jahr setzt der Fischereiverein Mittelrheintal Zehntausende Jungfische in seine Pachtgewässer ein. Doch die Fangzahlen nehmen ab: Welse und Fisch fressende Vögel setzen dem Fischnachwuchs zu. Die Fischer fühlen sich von Kanton und Verband im Stich gelassen.

Max Tinner
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Fast 100 Fischer nahmen an der Hauptversammlung teil und stimmten allen Anträgen des Vorstands und der Revisoren zu. (Bild: Max Tinner)

Fast 100 Fischer nahmen an der Hauptversammlung teil und stimmten allen Anträgen des Vorstands und der Revisoren zu. (Bild: Max Tinner)

HEERBRUGG. «Warum hat es weniger Kormorane und Gänsesäger am Binnenkanal als andere Jahre?», fragte Wisi Langenegger an der Hauptversammlung des Fischereivereins Mittelrheintal am Samstag im Optik-Hus auf dem Leica-Areal bei Heerbrugg. Es war eine rhetorische Frage. Die Antwort war allen Fischern klar: Weil's kaum mehr Fische drin hat. Jedes Jahr setze man Jungfische in den Kanal aus, und jedes Jahr würden sie ratzfatz von Fische fangenden Vögeln weggefressen, ärgert sich Langenegger. Dass der Verein dem Kanton allein für den Binnenkanal einen Pachtzins von jährlich über 8700 Franken abzuliefern hat, empfindet er deshalb als Wucher. Den zuständigen Amtsstellen wirft er in dieser Sache mangelnde Gesprächsbereitschaft vor und dem kantonalen Fischereiverband mangelnde Unterstützung. Präsident Karl Oehler widersprach ihm nicht.

Gefrässige Welse

Es sind aber nicht nur Vögel, die es auf die von den Fischern eingesetzten Jungfische abgesehen haben. Im Alten Rhein setzen auch Welse dem Fischbestand zu. Man hat hier schon zwei Meter lange Exemplare gefangen, die naheliegenderweise grossen Appetit auf kleinere Fische haben. Dass der Lindauer Gewässerbiologe Benjamin Schmider bei Untersuchungen im Herbst verschiedene Kleinfischarten, die er hier erwartet hätte, kaum oder gar nicht vorfand, wundert die Fischer darum nicht.

Der Wels ist im Alten Rhein nicht heimisch. Er wurde vor rund 40 Jahren hier eingesetzt. Weil Welse nachtaktiv sind, kann man sie nur dann befischen. Die Fischer waren darum erfreut, dass der Kanton das 2010 verhängte Nachtfangverbot letztes Jahr für die Welsfischerei am Alten Rhein aufgehoben hat. Trotzdem war das Vereins-Welsfischen im Juli nur dürftig besucht. «Wenn künftig jeder der alten Garde käme und einen Wels herauszöge, könnten wir den Bestand vielleicht doch irgendwann etwas dezimieren», hofft Karl Oehler.

Letzte Edelkrebse im Alten Rhein

Schmider macht die Untersuchungen im Alten Rhein im Auftrag der Internationalen Rheinregulierung, die hier das Potenzial für ökologische Ausgleichsmassnahmen auslotet. Trotz des Fehlens einzelner Fischarten hat Schmider immerhin 17 Fischarten festgestellt. Nachweisen können hat er auch Edelkrebse, die nur noch in wenigen Gewässern zu finden seien. Auf keinen Fall dürften deshalb Krebse aus andern Gewässern hier eingesetzt werden, warnte Schmider. Die Gefahr sei gross, dass auch die Edelkrebse im Alten Rhein von der Krebspest befallen würden, von einer Pilzerkrankung, die mit amerikanischen Flusskrebsen eingeschleppt wurde.

Das grösste Verbesserungspotenzial ortet Benjamin Schmider in Flachwasserzonen. Mehr von ihnen würden den Alten Rhein ökologisch wesentlich aufwerten. Der Fischereiverein Mittelrheintal strebt in dieser Hinsicht bereits ein eigenes Projekt beim Auwald an.

2012 zählte der Fischereiverein Mittelrheintal 404 Mitglieder, von denen 262 ein Patent gelöst hatten. In der Rietaach wurden 126 Fische gefangen (71 weniger als im Vorjahr), im Alten Rhein 927 (+122), und im Binnenkanal 246 (-128). Die Fischerkönig-Konkurrenz gewann Fritz Moser aus Rebstein. Eingesetzt haben die Mittelrheintaler Fischer in den Alten Rhein und in den Binnenkanal auch letztes Jahr wieder Zehntausende Jungfische. Weiter wurden Arbeitseinsätze mit über 300 Frondienststunden geleistet, während denen unter anderem Gewässerufer von Unrat befreit wurden.

Pius Frei: 50 Jahre Mitglied. (Bild: mt)

Pius Frei: 50 Jahre Mitglied. (Bild: mt)

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