Achtung, Schweizer!

In den Ferien sassen wir am Strand, als eine Familie auf uns zukam. Vater, Mutter und Teenie-Tochter watschelten in Adiletten durch den Sand und hielten Ausschau nach drei freien Liegestühlen unter einem Sonnenschirm.

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In den Ferien sassen wir am Strand, als eine Familie auf uns zukam. Vater, Mutter und Teenie-Tochter watschelten in Adiletten durch den Sand und hielten Ausschau nach drei freien Liegestühlen unter einem Sonnenschirm. Der Vater musterte die Liegen neben uns, einige der wenigen freien Plätze an diesem heissen Sommernachmittag. Irgendwie schienen sie ihm aber nicht zu gefallen, obwohl in der ersten Reihe und mit direktem Blick aufs Meer.

Abschätzig betrachtete er meine Migros-Badetasche. «Das sind auch Schweizer», sagte er leise, aber dennoch verständlich in breitem Berndeutsch zu seiner Frau, «die können mir im Urlaub gestohlen bleiben.» Die Familie watschelte weiter. Hielt Ausschau nach einem Plätzchen, das so wenig Swissness versprühte, wie nur möglich, und lief gut fünf Minuten im Zick-Zack durch die Liegestuhlreihen, als befände sie sich auf einem Minenfeld. Vermutlich wichen sie hie und da einem Stelltischchen mit Rivella-Flasche aus und machten einen Bogen um Touristen, die sich mit Daylong-Sonnencrème einschmierten oder einen Roman von Peter Stamm lasen.

Irgendwann fanden die drei einen Platz, der allen zusagte, fern von jeglichem Bünzlitum und umzingelt von Italienern, Engländern und Polen. Schliesslich will man ja – trotz einfacher Badeferien – möglichst viel über andere Kulturen erfahren und seine Zeit bestimmt nicht mit Schweizern verbringen.

Die Frau reichte ihrem Mann einen Apfel. Aus seiner Hosentasche zog er ein Armee-Sackmesser und begann ihn zu vierteln.